Hessische Polizei mit guten Erfahrungen

Body-Cams: Minikameras als Exportschlager

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So sieht sie aus, die Minikamera auf den Schultern hessischer Polizisten. Das Land will die Zahl auf 72 Geräte aufstocken, auch Tonaufnahmen sind geplant. 

Frankfurt - Die Polizei in Hessen hat etwas erprobt, das sich zum Exportschlager in andere Bundesländer entwickelt. Eine kleine Schulterkamera zeichnet Angriffe auf Polizisten auf. Von Marie Frech und Friedemann Kohler

Wenn Frankfurter Polizisten am Wochenende Streife im Szeneviertel Sachsenhausen gehen, trägt einer von ihnen oft eine besondere Weste. Darauf leuchtet die neongelbe Aufschrift „Videoüberwachung“, oben auf der Schulter ist eine kleine Kamera angebracht. Die sogenannte Body-Cam soll Polizisten schützen beim Einsatz an Brennpunkten – dort wo „höhere Aggression“ herrscht, wie Hauptkommissar Oliver Heß sagt. Die Überlegung: Wenn ein Schläger weiß, dass sein Angriff auf die Polizei beweiskräftig gefilmt wird, hält er sich eher zurück.

Die hessische Polizei hat nach eigenen Angaben gute Erfahrungen mit den Minikameras gemacht. Erprobt wurde das neue Gerät seit 2013 in Sachsenhausen und auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil, später auch in Wiesbaden. Nun wird von 13 Kameras aufgestockt auf 72, die ab August in ganz Hessen einsetzbar sein sollen. „Die hessische Polizei ist Erfinder und Vorreiter für diese technische Neuerung“, sagt Landesinnenminister Peter Beuth (CDU). International gibt es einige Staaten, die seit Längerem den Einsatz der Kameras als Teil der Polizeiausstattung testen.

Werbung für die Body-Cam

Beuth will auf der Innenministerkonferenz ab heute in Mainz für die Body-Cam werben. Hamburger Polizisten laufen bereits auf der Reeperbahn Streife mit den Kameras. Rheinland-Pfalz beginnt Anfang Juli ein eigenes Pilotprojekt in Mainz und Koblenz. Nach Beuths Angaben haben viele Bundesländer und die Bundespolizei Interesse. Auch Polizeistellen in Ungarn, Österreich und aus Luzern in der Schweiz hätten schon nachgefragt.

Den Erfolg misst das Innenministerium unter anderem daran, dass in Sachsenhausen die Zahl der Angriffe auf Polizisten während des Pilotprojekts von 27 auf 20 sank. Nur noch ein Beamter sei verletzt worden. Die Polizei klagt zwar über viele Tätlichkeiten gegen Kollegen. In der hessischen Kriminalstatistik waren die Anzeigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zuletzt aber leicht rückläufig. Bundesweit wurden in den vergangenen zwei Jahren jeweils etwa 20 600 Fälle registriert.

Hauptkommissar Heß setzt eher auf Erfahrung als auf Zahlen. Während einer Fußballübertragung sah sich eine Polizeistreife einem Dutzend Hooligans gegenüber, erzählt er. „Aus der Erfahrung hatten alle gedacht, dass die gegen die Kollegen vorgegangen wären.“ Doch auf dem Video sei später deutlich zu sehen gewesen, wie einer der Hooligans auf den filmenden Beamten zeigt und sich die Situation entschärft.

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„Prävention kann man nicht messen“, räumt der Polizist ein. „Aber mit Kamera läuft es für alle Beteiligten stressfreier, eine Erleichterung ist spürbar.“ Die Polizisten fühlen sich einer Befragung zufolge sicherer. Es gibt auch weniger Anzeigen, die der Polizei fälschlicherweise Übergriffe unterstellen.

Bei der Streife sind die Beamten meist zu viert, so dass ein Kameraträger die Geschehnisse festhalten kann. Der Kameramann verhalte sich in erster Linie passiv, erläutert Heß. Er müsse darauf achten, alle an der Situation Beteiligten zu filmen. Nur im Notfall dürfe er eingreifen. Um die 800 Gramm leichte Kamera bedienen zu können, absolvieren die Beamten eine eintägige Fortbildung.

Mit dem Hessischen Datenschutzbeauftragten ist vereinbart, dass die Aufzeichnungen nach Ende eines Streifengangs gelöscht werden – es sei denn, sie werden zur Anzeige einer Straftat gebraucht. Bislang nimmt die Body-Cam nur Bilder auf. Doch Schwarz-Grün will im Herbst das Polizeigesetz ändern, um auch Tonaufnahmen zu ermöglichen.

dpa

Quelle: op-online.de

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