Anklage gegen Böhse-Onkelz-Sänger

Frankfurt - Gegen den Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell hat die Staatsanwaltschaft ein halbes Jahr nach einem Verkehrsunfall mit zwei Schwerverletzten in Frankfurt Anklage erhoben.

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„Der 46-jährige Ire ist angeschuldigt, eine fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung, eine fahrlässige Körperverletzung und eine Unfallflucht begangen“ zu haben, heißt es in der Mitteilung der Anklagebehörde vom Donnerstag in Frankfurt. Dem Rocksänger, der unter Drogeneinfluss gefahren sein soll, wird auch vorgeworfen, gegenüber der Polizei einen anderen Mann als Unfallfahrer bezeichnet zu haben. Dieser soll sich in Begleitung von Russells Manager auch selbst bei der Polizei als Fahrer ausgegeben haben.

Russell wird beschuldigt, am Silvesterabend unter dem Einfluss der Rauschmittel Kokain, Methadon und dem Psychopharmakon Diazepam mit Tempo 230 in einem geliehenen Luxuswagen über die vielbefahrene Autobahn Frankfurt-Wiesbaden (A66) gerast zu sein. Dabei streifte er auf der rechten Fahrspur ein vor ihm fahrendes Auto an der linken hinteren Seite, das mit etwa 100 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Beide Fahrzeuge gerieten durch den Zusammenstoß ins Schleudern und prallten gegen die Leitplanke. Der Opel, in dem zwei junge Männer saßen, geriet in Brand und wurde zerstört.

Verbrennungen, Milzruptur, Leberblutung

„Der Fahrer trug Verbrennungen an mehreren Körperstellen, eine Leberblutung, eine Milzruptur sowie eine Verletzung der linken Niere davon“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Der Beifahrer habe Verbrennungen erlitten, ihm habe außerdem eine Hand amputiert werden müssen.

„Der Angeschuldigte soll kurz auf das brennende Fahrzeug geschaut und dann zu Fuß die Unfallstelle verlassen haben“, so die Anklagebehörde. An dem Unfall unbeteiligte Verkehrsteilnehmer zogen früheren Berichten zufolge die beiden 19 und 21 Jahre alten Männer aus dem brennenden Opel.

Russell sei erst geflüchtet, als bereits Ersthelfer vor Ort waren. „Daher musste er nicht davon ausgehen, dass er die Unfallopfer in einer hilflosen Lage zurücklassen werde“, so die Staatsanwaltschaft. Deshalb sei der Musiker nicht wegen versuchter Tötung durch Unterlassen und unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Wegen der besonderen Bedeutung des Falls hat die Staatsanwaltschaft Anklage vor dem Landgericht und nicht vor dem Amtsgericht erhoben.

Im Fall einer Verurteilung: Bis zu fünf Jahre Haft

Im Fall einer Verurteilung drohen dem Musiker bis zu fünf Jahre Haft. Der Angeschuldigte, der mangels Haftgründen auf freiem Fuß ist, habe sich zum Tatvorwurf bislang nicht geäußert. Russell war am Neujahrstag 2010 in einem Luxushotel im Taunus festgenommen und nach der Sicherheitsleistung von 50 000 Euro wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Gegen den Sänger soll auch eine Bewährungsstrafe wegen eines früheren Drogendeliktes bestehen.

Die Frankfurter Band war rund 25 Jahre lang mit harten Tönen in der deutschen Musikszene erfolgreich. 1980 ursprünglich als Punkband gegründet, veröffentlichten die Böhsen Onkelz in den 80er Jahren als Kultgruppe der Skinhead-Szene rechtsradikale Texte. In vielen Städten wurden daraufhin Konzerte abgesagt. In den 1990er Jahren ging die Band jedoch dazu auf Distanz und engagierte sich auch bei Konzerten gegen Rechtsextremismus und Rassenhass. 2005 traten die Onkelz zum letzten Mal gemeinsam auf.

dpa

Quelle: op-online.de

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