Bouffier-Einlandung an Fluglärmgegner sorgt für Wirbel

Wiesbaden/Frankfurt - Die Einladung von Volker Bouffier an Fluglärmgegner in der Rhein-Main-Region hat bei einigen Bürgerinitiativen für Irretation gesorgt. Der Ministerpräsident hatte nur einzelne Initiativen eingeladen, nicht aber das Bündnis.

Bouffier, der am 18. Januar mit Betroffenen über Möglichkeiten der Lärmreduzierung am Frankfurter Flughafen sprechen will, habe nur einzelne der rund 70 Initiativen eingeladen, nicht aber das Bündnis, das alle vertrete, sagte Bündnis-Sprecherin Ingrid Kopp heute.

Ziel des Gesprächs müsse es sein, ein Gesamtkonzept für die Region zu finden und keine Einzellösungen. Es seien Einladungen an etwa 15 Bürgerinitiativen mit je zwei Vertretern verschickt worden, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei. Das Bündnis sei nicht bewusst ausgespart worden, zumal Ingrid Kopp nicht nur als Vertreterin ihrer eigenen Initiative, sondern auch als Sprecherin des Bündnisses eingeladen worden sei. Aber zur Klarstellung werde sie nun noch eine Einladung in dieser Funktion erhalten.

Den eingeschränkten Teilnehmerkreis kritisiert

Bouffier wolle einen Dialog führen und stelle keine Vorbedingungen. Kopp hatte in einem offenen Brief an Bouffier den eingeschränkten Teilnehmerkreis kritisiert und die Vermutung geäußert, die Bewohner einzelner Städte sollten gegeneinander ausgespielt werden. Die eingeladenen Mitglieder des Bündnisses hätten beschlossen, als Einzel-Initiativen nicht an dem Gespräch teilzunehmen.

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Der Mainzer Bürgermeister Günter Beck (Grüne) kritisierte unterdessen die Wachstumspläne des Frankfurter Flughafens als „Kampfansage an die gesamte Region“. Der Betreiber Fraport habe jede regionale Bodenhaftung verloren und fühle sich als Global Player allein wirtschaftlichen Interessen verpflichtet, schrieb Beck nach Angaben der Stadtverwaltung in einem Brief an Ministerpräsident Bouffier. Beck ist derzeit kommissarisch Oberbürgermeister der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.

Proteste gegen den Fluglärm stark zugenommen

Es gehe nicht mehr allein um die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Frankfurt, erklärte er. „Die Fraport huldigt offenkundig der Maxime des hemmungslosen Wachstums um jeden Preis.“ Die Region erleide auch deshalb den Lärmkollaps, weil Frankfurt sich in steigendem Maße als Umsteige-Airport gefalle und diese Position weiter ausbauen wolle. Beck bat daher den hessischen Ministerpräsidenten um die „Erläuterung dieser offenkundig neuen Unternehmensziele“, teilte die Stadtverwaltung heute mit.

Die Proteste gegen den Fluglärm im Rhein-Main-Gebiet haben zuletzt stark zugenommen. Seit Oktober ist eine neue Landebahn in Betrieb, mit der die Kapazität des Flughafens erweitert wurde.

dpa

Quelle: op-online.de

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