Oldtimer und Sportwagen

Boxengasse lockt in Frankfurt

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In der Klassikstadt in Frankfurt finden auch zahlreiche Veranstaltungen für Autofans statt.

Frankfurt - Historisch: Das Herz des Autofans schlägt in der Klassikstadt in Frankfurt höher. Hier stehen edle Schmuckstücke neben den PS-starken Boliden und Formel-1-Rennern in einem alten Backsteinbau. Von Marc Kuhn 

Der Ende 2010 nach zweijähriger Umbauphase auf dem Areal der einst weltweit größten Landmaschinenfabrik Mayfarth eröffnete Autotempel werde gut angenommen, sagt Geschäftsführer Marco Wimmer. Nicht nur in der Oldtimer-Szene gibt es reges Interesse. Wimmer schwärmt von einem fantastischen Einzugsgebiet. Die Klassikstadt ist in der Orber Straße in der Nähe der Automeile Hanauer Landstraße im Osten Frankfurts beheimatet und gehört zur „Route der Industriekultur Rhein-Main“. Autos, Händler, Werkstätten, Geschäfte, ein Restaurant und Eventflächen locken die Besucher.

In den Werkstätten werden Autos repariert und restauriert.

Das Projekt ist von mehren Privatinvestoren finanziert worden, alles Autoenthusiasten, erklärt Wimmer. In dem Fabrikgebäude hatte die Bundesdruckerei einst den 50-Mark-Schein hergestellt, dann nutzte der Zoll es als Lager. Schließlich stand der Bau mit 16.500 Quadratmetern auf vier Stockwerken zehn Jahre leer. Für den Umbau sei er komplett entkernt worden, erinnert sich Wimmer. Fenster und Böden wurden erneuert. Moderne Technik eingebaut. Man habe versucht, viel alte Substanz zu erhalten, berichtet Wimmer. Die Spuren der Geschichte sollten zu sehen sein. Selbst die alten Kabinen in den Aufzügen sind geblieben. Mittlerweile trägt sich die Klassikstadt und schreibt schwarze Zahlen, wie Wimmer erläutert. 32 Mieter gibt es in dem Backsteingebäude - vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Konzern wie den TÜV-Rheinland. Rund 170 Menschen arbeiten in der Klassikstadt. Etwa 100 neue Jobs sind entstanden. Vor allem am Wochenende drängen sich die Besucher durch die Fabrik.

Es gibt viel zu bestaunen

Dort gibt es viel zu bestaunen. Ein Triumph mit 32 PS aus dem Jahr 1933 hatte damals 3 750 Reichsmark gekostet, erfährt man. Nicht weit entfernt steht ein Cobra Cario. Und auch der Porsche, ein Golf GTI, BMWs, ein MG, ein Jaguar und ein Fiat 500 finden viel Aufmerksamkeit. Sie alle stehen mit anderen Schmuckstücken in der gläsernen Boxengasse. Das ist eine Garage für Privatleute, die ihre Fahrzeuge auch abholen und durch die Stadt fahren. Wimmer spricht von einem „musealen Teil für die Besucher“. Das bringe Leben in die Klassikstadt. „Man hört, sieht und riecht die Autos.“

Auch die Werkstätten sind gläsern. Das ist Wimmer wichtig. Die Besucher sollen nicht nur die Autos bewundern, sondern auch den Handwerkern über die Schulter schauen können. Bei Autosattler Florian Tarantik von der Firma Oldtimerstoffe.de kann man lernen, wie Sitze bezogen werden. Etwa 80.000 Stoffe aus den 30er bis in die 90er Jahre habe sein Unternehmen im Angebot, sagt er. In Musterbüchern kann nachgeschlagen werden. Stoffe, die nicht mehr vorhanden sind, werden neu gewebt. Außerdem verkauft die Firma restaurierte Dax und Monkeys - kleine, zweirädrige Flitzer.

Insgesamt elf Werkstätten arbeiten hinter Glas. Dort wird repariert und restauriert. Jede stehe für Exklusivität, sagt Wimmer. Sie würden sich keine Konkurrenz machen, sondern miteinander arbeiten. Wimmer spricht von „einem hochspezialisierten Einkaufszentrum“ mit emotionalem Hintergrund. „Es geht auch um den Erhalt eines Kulturguts“, erklärt Wimmer. Die Sportwagen Spezialisten sind die Fachleute für die Wartung von Ferraris. Schad Oldtimer Restauration kümmert sich um Mercedes-Benz und andere historische Fahrzeuge. Classic911 hat sich den Handel und die Restauration klassischer Porsche auf die Fahnen geschrieben. Aber auch Maclaren und Lamborghini haben ihre Werkstätten in der Klassikstadt. Die Edelschmieden haben darüber hinaus ihre Filialen dort. Einen Widerspruch zum Konzept sieht Wimmer nicht. Schließlich seien die heutigen Sportwagen die Oldtimer von morgen.

Der größte Händler historischer Fahrzeuge im Rhein-Main-Gebiet ist im Südflügel des Obergeschosses der Klassikstadt zu Hause. 40 bis 50 restaurierte Autos bietet das Unternehmen oft an. Die meisten sind Oldtimer, um diesen Namen tragen zu dürfen, müssen sie mindestens 30 Jahre alt sein. Ein Messerschmidt Kabinenroller, ein Bentley von 1935 für 89.000 Euro und ein Rolls Royce aus dem Jahr 1954 für 59.000 Euro gehören dazu. „Das Geschäft läuft gut“, sagt Brigitte Pyritz. Die Autos zu beschaffen, das sei die Kunst, fügt sie hinzu. An einem Lotus von 1970 steht das Schild: „Ich werde nicht verkauft“. Er gehört der Chefin. Mit ihm fährt sie regelmäßig.

Die beliebtesten Oldtimer

Die beliebtesten Oldtimer

„Es geht nicht immer um viel Geld“, meint Wimmer. In der Klassikstadt werden auch sogenannte Youngtimer ausgestellt - Autos, die 20 bis 30 Jahre alt sind. Noch viel günstiger wird es bei ck-modelcars. Das Sortiment des Unternehmens umfasst mehrere tausend Modellautos teils mit Zubehör. Darunter sind auch zahlreiche Sondermodelle. Aber auch klassische Accessoires, Kleidung und Reisegepäck können die Besucher erstehen. Hacher Uhren hat hochwertige Chronographen im Angebot. Der Spezialist fertigt auch Einzelstücke an.

Die historische Architektur der Klassikstadt kann zudem auch für Seminare, Tagungen und Empfänge genutzt werden. Wimmer berichtet von einem „sehr großen Eventgeschäft“. Etwa 200 Veranstaltungen hätten im vergangenen Jahr in den Räumlichkeiten stattgefunden, die geprägt sind vom Flair der Autos.

Quelle: op-online.de

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