Nach Raub im Main-Taunus-Zentrum

„Brachiale Überfälle nehmen zu“

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Aufräumarbeiten im MTZ.

Frankfurt - Nach dem spektakulären Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft im Main-Taunus-Zentrum (MTZ) hat die Polizei noch keine heiße Spur von den Tätern. Von Martin Oversohl

Marcus Jakob kann es nicht fassen. „Bis wir das verarbeitet haben, das dauert noch ein bisschen“, sagt der Schmuckhändler. Am helllichten Tag stürmt am Montag eine schwer bewaffnete Räuberbande sein Juweliergeschäft im Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum, bedroht die Angestellten, zertrümmert die Vitrinen, stopft Schmuck und Armbanduhren im Wert von 700 000 Euro in Rucksäcke und ist nach wenigen Momenten auf und davon. „Bisher wussten wir, dass so etwas möglich ist, nun ist es passiert. “.

Nach dem Raub stehen die Fahnder bislang weitgehend mit leeren Händen da, obwohl sie direkt nach der Tat mit einem Hubschrauber nach den Unbekannten suchte. Die Polizei ist machtlos, der Hergang kein Einzelfall.

Ob Sulzbach, Wiesbaden oder Wetzlar: Die Banden kommen oft am Tage, bewaffnet mit Äxten, Schlagstöcken oder Vorschlaghämmern. Sie steuern ihr Auto brachial ins Schaufenster und schauen bei ihren Attacken nicht selten unmaskiert in die Sicherheitskameras. Schmuckräuber schlagen nach Erfahrungen der Polizei oft besonders dreist zu, sie scheuen dabei kaum ein Risiko und sind nach den Überfällen häufig blitzschnell verschwunden.

Stetig zunehmende Zahl

Die Taten machen viele Schlagzeilen, aber die Zahl der brachialen Überfälle steige nicht, heißt es in den Polizeipräsidien. Das sehen die Juweliere anders: „Es gab in den vergangenen fünf Jahren eine stetig zunehmende Zahl dieser Raubüberfälle und Einbrüche“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte in Köln. „Und die Täter werden immer unverfrorener.“ Die Polizei sei personell und auch technisch unterversorgt, um den oft grenzüberschreitend operierenden Banden auf die Spur zu kommen. Die Mannheimer Versicherungen, die mit den meisten Juwelieren zusammenarbeiten, sprechen von einem jährlichen Gesamtschaden für die Uhren- und Schmuckbranche in zweistelliger Millionenhöhe.

„Die Räuber sind oft die sogenannten Arbeiter, die zuschlagen und die Beute wenig später jenseits der Grenze an Hintermänner abgeben“, erklärt Markus Hoffmann vom Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden. Dort hatten Schmuckdiebe im August 2012 für Schlagzeilen gesorgt, als sie mit einem geklauten Auto in die Schaufensterscheibe eines Geschäfts gerast waren. Es folgte das „Schema F“: In Sekundenschnelle stiegen sie in den Laden ein, zertrümmerten Vitrinen und raubten Uhren und Schmuck. Ein Jahr später hatten vier Räuber in Wiesbaden weniger Glück: Sie wurden auf frischer Tat festgenommen, weil die Polizei vom Überfall wusste und im Laden bereits wartete.

Edelmetall wird eingeschmolzen

Um sich zu schützen, haben die Juweliere massiv aufgerüstet: Personal wird geschult, es gibt Sicherheitstrainings, hochmoderne Alarmsysteme, preiswertere Nachtdekorationen und in einigen Geschäften sogar Vernebelungsmaschinen. „Aber vollkommene Sicherheit gibt es nicht“, sagt Dünkelmann vom Juwelierverband. Die Branche sei auf eine besser ausgerüstete Polizei angewiesen. „Hier ist die Politik gefragt. Es geht vor allem um Menschen, weniger um den Schmuck.“

Nur selten sind die Folgen so tragisch wie in Wuppertal, wo im Oktober 2012 eine Verkäuferin in einem Juweliergeschäft erschossen worden war. In den meisten Fällen bleibt es neben seelischen Folgen der zufällig anwesenden Kunden und des Personals bei hohen Sachschäden: „Den Schmuck zum Beispiel sehen sie selten wieder. Die Stücke können entsteint werden, das Edelmetall wird oft eingeschmolzen“, heißt es beim Juwelierverband.

dpa

Quelle: op-online.de

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