Deutsche Luftverkehrswirtschaft lehnt weitere Beschränkungen ab

„Branche braucht Nachtflüge“

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Deutsche Industrie kämpft gegen weitere Beschränkungen bei Nachtflügen

Frankfurt - Nachtflugverbote sind der Industrie ein Dorn im Auge. Mit einem Forderungskatalog wendet sie sich jetzt an die Politik. Von Marc Kuhn

Die deutsche Industrie kämpft gegen weitere Beschränkungen bei Nachtflügen - nimmt die Regelungen in Frankfurt aber hin. „Wir halten das Nachtflugverbot in Frankfurt für falsch, akzeptieren aber die höchstrichterliche Entscheidung“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, gestern in Frankfurt bei der Vorstellung eines Positionspapiers, das mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erarbeitet wurde. Laut BDL konzentriert sich das Frachtgeschäft in Deutschland auf die Flughäfen in Frankfurt, Leipzig-Halle, Köln-Bonn, Frankfurt-Hahn und München.

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In einem Bund-Länder-Konzept sollte für Unternehmen und Bürger Planungssicherheit geschaffen und festgelegt werden, an welchen Standorten Nachtflüge für die deutsche Wirtschaft unerlässlich sind, heißt es in dem Positionspapier. Von Randow forderte „eine klare Festschreibung“. Die Branche brauche „Nachtoperationen.“ Nach Angaben des BDL sind Nachtflüge in Hahn, Köln und Hannover sowie in Leipzig für Expressfracht möglich. „Das ist ein Weckruf, das Papier. Hört auf mit nationalen Alleingängen“, sagte der Hauptgeschäftsführer an die Adresse der Politik. „Anders als bei wichtigen Konkurrenzflughäfen im Ausland werden die Betriebszeiten an Flughäfen in Deutschland immer stärker eingeschränkt“, so der BDL.

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„Eine gute Luftfrachtanbindung ist ein entscheidendes Standortkriterium für Unternehmen in Deutschland“, erklärte Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI. „Die Industrie sorgt per Luftfracht dafür, dass wertvolle Güter schnell und flexibel weltweit ausgeliefert werden können - darunter medizinische Geräte und eilige Ersatzteillieferungen. Ohne eine gute Luftfrachtanbindung können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und somit die Produktion am Standort Deutschland nicht garantieren.“ Markus Otto von der European Air Transport Leipzig betonte die Notwendigkeit des sogenannten Nachtsprungs, mit dem für wichtige Ladungen die Nachtzeit genutzt werden könne. Man brauche den Nachtflug nicht überall, aber dürfe ihn auch nicht überall blockieren, hieß es. Weitere Einschränkungen für die Luftfracht dürfe es nicht geben, zumal die Großflughäfen im nahen europäischen Ausland keine ähnlichen Einschränkungen hätten.

2012: Umfrage zum Nachtflugverbot

Dem Wert nach würden rund 30 Prozent aller Exporte und 25 Prozent aller Importe nach und aus Übersee mit dem Flugzeug abgewickelt, berichtete der BDL. Der Gesamtwarenwert der Luftfracht habe 2012 über 200 Milliarden Euro betragen. Dies entspreche mehr als zehn Prozent des deutschen Außenhandelsvolumens. 2007 habe der Wert der Luftfracht noch bei etwa 162 Milliarden Euro gelegen.

BDL und BDI fordern in ihrem Positionspapier unter anderem: „Für den Lärmschutz sind Investitionen in leiseres Fluggerät und neue Anflugverfahren prioritär und Betriebsbeschränkungen an Flughäfen nur als letztes Mittel anzuwenden.“ Zudem heißt es: Nachdem nun durch europäisches Recht sogenannte Transferfracht bereits am Startflughafen in Drittstaaten kontrolliert werden muss, sollte der Gesetzgeber „auf eine Doppelung von Transferfrachtkontrollen verzichten. Erneute Kontrollen in Deutschland erhöhen das Sicherheitsniveau nicht, bedeuten aber einen massiven Eingriff in die logistischen Abläufe an den Transferflughäfen in Deutschland.“ Drittstaaten sollten in den Emissionshandel einbezogen werden, um einseitige Belastungen der europäischen und somit auch der deutschen Luftfahrtunternehmen zu vermeiden, verlangen BDL und BDI. Und: Die Flugsicherung in Europa solle den einheitlichen Luftraum umsetzen, damit die Airlines möglichst effizient und klimaschonend fliegen können.

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Derweil stemmt sich Lufthansa Cargo weiter gegen ein ausgedehntes Nachtflugverbot in Frankfurt in der Zeit von 22 bis 6 Uhr. „Wenn man uns den Hals zudrehen will, muss man das tun“, sagte Karl Ulrich Garnadt, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens. Von erheblichen Nachteilen sprach auch Anke Giesen vom Vorstand des Flughafensbetreibers Fraport. Auch sie lehnte weitere Einschnitte ab.

Quelle: op-online.de

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