21 Verletzte bei Feuer: „Krasse Bilder“

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Das Ausmaß der Schäden ist nur an der Rückseite des Hauses in der Großen Rittergasse zu erkennen, wo alles schwarz verkohlt ist.

Frankfurt - Viele Stunden nach dem verheerenden Feuer in einem siebenstöckigen Wohnhaus am Rande des Frankfurter Vergnügungsviertel Alt-Sachsenhausen liegt noch immer beißender Brandgeruch in der Luft. Von Ira Schaible

21 Menschen sind bei dem Feuer in den frühen Morgenstunden am Sonntag verletzt worden, etwa 30 Bewohner wurden von der Feuerwehr mit Drehleitern aus den Flammen gerettet. Fünf Appartements brannten völlig aus, die anderen 20 Wohnungen sind stark verrußt, das ganze Haus nicht mehr bewohnbar. „Ein Feuer in der Form hatten wir in Frankfurt schon ewig nicht mehr“, sagt Polizeisprecher André Sturmeit . „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Funkenflug auf die Altstadt übergegriffen hätte.“

Das Feuer brach gegen 3.20 Uhr im Müllcontainer im Innenhof des sandfarbenen Gebäudes aus. Dieser sei nur über die Haustür an der vielbefahrenen Dreieichstraße erreichbar. „Und die Haustür ist immer zu“, meint der herbeigerufene Hausmeister, der selbst woanders wohnt. „Das Feuer hat vom Müllraum auf die Fassade übergegriffen und ist ruckzuck nach oben“, sagt er sichtlich geschockt. Seinen Namen will er nicht nennen.

Feuer erfasst Kunststoff-Dämmung

„Das Feuer läuft überall da entlang, wo es Nahrung kriegt“, ergänzt Sturmeit und nennt die zur Wärmedämmung angebrachte Kunststoff-Außenfassade. In jedem Stockwerk sei ein Appartement ausgebrannt und andere beschädigt. Die Flammen seien in jedes Stockwerk eingedrungen, auch ins Dachgebälk, wo sie noch einmal zusätzlich Nahrung fanden. „Das Haus muss innen komplett saniert werden.“ Polizei und Feuerwehr beziffern den Schaden zunächst auf mindestens eine halbe Million Euro und gehen von fahrlässiger Brandstiftung aus.

„Das waren krasse Bilder. Da waren überall Flammen und ein Kind ist mit einem Bettlaken runtergeseilt worden“, berichtet der Inhaber einer Hardrock-Kneipe an der Rückseite des Hauses. Er wollte gerade Feierabend machen, als das Feuer ausbrach. Ein Bewohner, der aus dem ersten Stock sprang, verletzte sich schwer. Ein 54-jähriger Ingenieur, der früher in dem Brandhaus und jetzt gegenüber in Alt- Sachsenhausen wohnt, sagt: „Ich hab zwar Schreie gehört, aber das ist hier nichts besonderes, vor allem nicht, wenn vorher die Eintracht gespielt hat.“ Was passiert sei, habe er erst am Morgen gemerkt.

„Jetzt wohnt da keiner mehr. Die sind alle raus“

Das Ausmaß der Schäden ist nur an der Rückseite des Hauses in der Großen Rittergasse zu erkennen, wo alles schwarz verkohlt ist. An der Vorderseite des Gebäudes lassen nur die dunklen Fenster und mehrere abgerissene und eingeklemmte Vorhänge das Geschehen erahnen. Bewohner wurden über Leitern gerettet

Der Inhaber eines Döner-Imbiss gegenüber berichtet, Jugendliche hätten versucht die Glas-Haustür einzuschlagen, wohl um zu helfen. Aus dem Dachgebälk sei erst schwarzer und später roter Qualm herausgequollen. „Einig Bewohner haben am Fenster “Hilfe“ gerufen“. Die Feuerwehr habe die ganze Zeit mit ihren Leitern Leute raus geholt. Fünf oder sechs seien auf Tragen rausgebracht worden. Das gesamte Treppenhaus war so stark verraucht, dass die Bewohner darüber nicht ins Freie konnten.

„Jetzt wohnt da keiner mehr. Die sind alle raus“, sagt der Imbiss- Besitzer. Auch das Bistro, ein Café und Spielsalon im Untergeschoss des ausgebrannten Hauses, bleibt geschlossen. „Wir mussten Wasser und Strom abstellen“, berichtet der Hausmeister. Er hat die Haustür wieder abgeschlossen und einen Zettel mit seiner Handynummer hinterlassen. „Kontakt Hausmeister“ steht darüber.

dpa

Quelle: op-online.de

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