Brandbekämpfer fordern schon lange: Feuer einstellen!

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Himmelslaternen sind in Hessen immernoch erlaubt.

Das Schloss Fechenbach in Dieburg liegt inmitten der Altstadt.  Bennende Flugkörper in die Luft steigen zu lassen, ist mehr als leichtsinnig. Genau das aber haben Gäste einer Hochzeitsgesellschaft am späten Samstagabend getan. Vom Schloss aus ließen sie sogenannte asiatische Himmelslaternen steigen. Von Ralf Enders

Das sind etwa 30 bis 100 Zentimeter hohe Lampions aus Papier, in denen sich eine Kerze befindet, die die Laterne durch die Luft schweben lässt. Bei Partys, vor allem Hochzeiten, ist das nächtliche Spektakel seit einiger Zeit der Renner.

In Dieburg hat das „Spektakel“ beinahe eine Katastrophe verursacht. Zwei der brennenden Lampions haben sich Augenzeugen zufolge in einer benachbarten Terrassenüberdachung verfangen und zwei Häuser in der dicht bebauten Innenstadt in Brand gesetzt. Verletzt wurde niemand, die Bewohner konnten rechtzeitig fliehen. Der Sachschaden beträgt 250 000 Euro. Und es war nicht das erste Unglück dieser Art: Im nordrhein-westfälischen Siegen starb an Pfingsten ein zehnjähriger Junge bei einem Wohnungsbrand - ausgelöst durch einen Luft-Lampion.

Folgen einer Hochzeitsfeier: In Dieburg hat eine brennende Himmelslaterne zwei Häuser in der Innenstadt in Brand gesetzt.

Was Feuerwehrleute von den fliegenden Brandstiftern halten, ist klar. „Wir sind natürlich grundsätzlich dagegen“, sagt etwa Erich Geyer, Leiter der Hanauer Feuerwehr. Er wünscht sich ein Verbot von der Landesregierung. „Die Regelung mit den Ordnungsämtern ist Quatsch“, sagt er. Der Offenbacher Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann pflichtet Geyer bei: „Ein Verbot landes- oder sogar bundesweit wäre sinnvoll“, sagt er. Die Landesregierung möchte Ackermann zufolge jedoch „nicht drangehen“ und verweise nur auf die Kommunen. Ackermann - er ist auch Präsident des Hessischen Feuerwehrverbandes - beharrt jedoch auf einem Verbot und berichtet von zahlreichen Fehlalarmierungen, wo Leute „Feuerschweife im Wald“ gesehen hätten. Auch am Brand einer Scheune in Seligenstadt im April sei eine Himmelslaterne schuld gewesen.

Zu den Bränden, die Himmelslaternen verursachen können, lesen Sie außerdem:

Gefahr durch Himmelslaternen

Wer zahlt bei einem Schaden wie in Dieburg? Katrin Rüter de Escobar, Pressereferentin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin: „Zunächst ist das ein Fall für die Sachversicherung, also die Wohngebäudeversicherung des Geschädigten.“ Wird ein Brandverursacher ermittelt, so die Expertin, kann die Gebäudeversicherung von dessen Haftpflichtversicherung das Geld fordern. Die Dieburger Polizei ist auf der Suche nach Zeugen, die Hinweise zu den Verursachern geben können.

Seit längerem wird deutschlandweit über ein Verbot der Himmelslaternen diskutiert. Bislang jedoch haben nur Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen den Laternen das Licht ausgeblasen. Brandschutz ist in Deutschland Ländersache.

In Hessen sind die fliegenden Feuer noch erlaubt. Der Sprecher des zuständigen Innenministeriums, Michael Bußer: „Im Rahmen der Gefahrenabwehrverordnung ist die Genehmigung Sache der Kommunen. Dies halten wir für sachgerecht.“ Dringenden Handlungsbedarf sieht Bußer nicht, „aber der Sachverhalt wird überprüft.“

Über den aktuellen Vorfall in Dieburg lesen Sie hier mehr.

Wer also den Himmel beleuchten möchte, sollte sich ans Ordnungsamt seiner Kommune wenden. In Dieburg ist dies nicht geschehen, wie Bürgermeister Werner Thomas mitteilt. „Es gibt keine Regelung für die Laternen“, sagt er. „Hätten wir eine Anfrage gehabt, hätten wir mit Verweis auf die Wohngebiete natürlich davon abgeraten.“

Prinzip Heißluft

Sie heißen Himmelslaternen, Sky-Balloons oder Luft-Lampions. Gemeinsam haben sie, dass sie brennen und durch die Luft fliegen, mithin gefährlich sind. Wer im Internet sucht, findet Tausende von Verkäufern. „Wir exportiert viel HimmelsLaterne Unsere Produkte sind sicher und gut www ...“ wirbt da etwa ein chinesischer Anbieter.

Die Laternen sind wenige Zentimeter bis zu einem Meter hoch und funktionieren ähnlich wie ein Heißluftballon: Ein kerzenähnlicher Brennstoff erhitzt die Luft in der Laterne aus Reispapier und lässt sie nach kurzer Zeit aufsteigen.

Den Verkäufern zufolge beträgt die Brenndauer 5 bis 20 Minuten. Die etwa ein Euro teuren Laternen sollen nur bei Windstille in die Luft gelassen werden - und nicht in der Nähe von Häusern, Bäumen, Hochspannungsmasten oder Tankstellen.

Dass die Lampions durch den rechtsfreien Raum fliegen, weiß auch die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen. Sprecher Axel Raab: „Wir brauchen eine Anmeldung von Himmelslaternen, nicht nur wegen des internationalen Flughafens Frankfurt, sondern auch wegen kleinerer Flugplätze, an die zunächst niemand denkt.“ Raab betont, dass es dabei um die Luftsicherheit gehe; Brandschutzfragen seien nicht Sache der DFS. Weil es keine klare Regelung gibt, behandelt die DFS die Himmelslaternen wie Heißluftballons. Das Bundesverkehrsministerium arbeite an einer Änderung der Luftverkehrsordnung.
Apropos Luftverkehr: DFS-Sprecher Raab und andere Experten berichten von drastisch gestiegenen UFO-Meldungen besorgter Bürger seit die Kerzen am Himmel fliegen.

Quelle: op-online.de

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