Brauereigeschichten von Tonga bis Kongo

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Manfred Becker

Herborn - In Manfred Beckers Keller lagern zerbrechliche Schätze: Zu Tausenden stehen hier in Reih und Glied Biergläser und -krüge sicher verwahrt hinter vielen Metern Vitrinen-Glas. Auch auf dem Dachboden, beinahe in jedem Winkel seines Hauses hat der 67-Jährige aus dem mittelhessischen Herborn seine guten Stücke ausgestellt. Von Carolin Muck (dpa)

Seit 50 Jahren sammelt der pensionierte Gerichtsvollzieher Biergläser aus der ganzen Welt und hat bislang rund 10 200 zusammengetragen. Er ist überzeugt, damit die weltweit größte Sammlung ihrer Art zu besitzen.

Bereits als Jugendlicher steckte sich Manfred Becker das Ziel, Gläser von jeder noch bestehenden Brauerei der Welt zu sammeln. Die Idee dazu kam ihm nicht in Bierlaune, sondern während seines Ferienjobs bei der Herborner Bärenbräu. Heute stehen in seinem Haus nicht nur Exemplare aus bekannten Gerstensaft-Nationen, sondern auch Exoten: Tonga ist vertreten, Fidji, die Mongolei, Kongo oder das afrikanische Königreich Swaziland. „Man glaubt gar nicht, wo es überall Bier gibt“, meint der 67-Jährige. Selbst in muslimischen Staaten wurde er fündig.

Seine Gläser sind so verschieden wie die Länder, aus denen sie kommen. Die einen sind schmal und hoch, andere haben die Form einer zu wuchtig geratenen Champagnerschale. Mal zieren sie farbenfrohe Embleme der Brauereien, mal nur ein blasser Namenszug. Auf jedes Exemplar hat Manfred Becker einen Zettel mit dem Herkunftsort geklebt und seine Stücke dann nach Staaten und Landstrichen sortiert aufgereiht. Nur so seien die regionalen Eigenheiten erkennbar.

Besonders stolz ist Becker auf seine Raritäten. Dazu gehört ein Neujahrs-Glas der „Röderberg Brauerei Frankfurt a. M.“ von 1907 oder ein Exemplar der „Brauerei zur Hölle“ aus Radolfzell. Das ältestes Stück ist von der „Walhalla Brauerei Fulda“, hergestellt im Jahr 1898. Aber auch viele der jüngeren Gläser sind schon historisch: Becker schätzt, dass es mittlerweile zwei Drittel der in seiner Sammlung vertretenen Brauereien nicht mehr gibt.

Als der Herborner mit dem Sammeln begann, kannte er weder Gleichgesinnte noch Tauschbörsen. Doch der junge Manfred war gewitzt und schrieb an Bürgermeister und Landräte in ganz Deutschland, ob sie ihm nicht Gläser und Krüge der ansässigen Brauereien zusenden könnten. Später richtete er seine Anfragen in die ganze Welt. So trudelten Päckchen aus Afrika, Asien oder dem Bayerischen Wald bei ihm ein.

Der Herborner machte auch nicht Halt vor großen Persönlichkeiten. 1960 schrieb er an den damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, der in eine Brauerei-Familie eingeheiratet hatte ­ und tatsächlich wurde ihm das gewünschten Glas der „Kaiserbräu Rott am Inn“ zugesandt.

Quelle: op-online.de

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