„Von genialem Sinn und zartem Geschmack“

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Der Pavillon im Bauhaus-Stil ist Anfang der 1930er Jahre unter der Ägide des legendären Stadtbaurats Ernst May errichtet worden.

Frankfurt - Der Frühling liegt in der Luft. An manchen Stellen lassen die Schneeglöckchen schon ihr weißes Köpfchen sehen. In der Nidda paddelt eine Biberratte in trauter Gemeinschaft mit ein paar Enten. Von Sonja Thelen

Eine Momentaufnahme aus dem Brentanopark im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. Beschaulich, idyllisch und romantisch: So wird er seit seit seiner Gründung beschrieben. Beeinflusst von der Romantik ließ Georg Brentano – ein Spross der Frankfurter Kaufmannsfamilie sowie Bruder von Bettina und Clemens – von 1808 an vor den Toren der Stadt die an sein Landhaus angrenzende Niddalandschaft in einen Park umwandeln.

Doch der Zahn der Zeit hatte an dem seit 40 Jahren geschützten Gartendenkmal mächtig genagt. Viele Bürger nutzten den Park, der auch Bestandteil des Grüngürtels ist und durch den Rad- sowie Wanderwege führen. Vor allem in der warmen Jahreszeit sind diese Wege so stark frequentiert, dass die beiden Niddabrücken zu Nadelöhren wurden. Grund genug für das städtische Grünflächenamt, die Parkanlage unter gartenhistorischen Aspekten zu erneuern und die maroden Brücken gegen breitere auszutauschen. 2008 fasste die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung den Beschluss. Doch Debatten mit dem zuständigen Ortsbeirat sowie Proteste von Bürgern über die Umsetzung, die Eingriffe in den Baumbestand und die Wegeführung verzögerten die Fertigstellung. Zu allem Überfluss kam noch der „Albtraum eines jeden Bauherrn hinzu“, wie Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) sagt: Die Firma, die mit dem Bau einer der beiden neuen Niddabrücken über den Altarm beauftragt war, ging pleite. „Wir mussten bei null anfangen“, berichtet der Dezernent.

Doch jetzt sind fast alle Arbeiten abgeschlossen. Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) und ihr Kollege Majer haben mittlerweile den grunderneuerten Park und die ebenfalls fertig gestellten Brücken freigegeben, die den Park mit Rödelheim verbinden. Vor allem der „romantische Charakter“ sollte im Zuge der Rekonstruktion zurückgeben werden, betonte Rottmann, die den Brentanopark einen „für Frankfurt einzigartigen und für Rödelheim identitätsbildenden Ort“, den es zu bewahren gilt.

„Heller, gepflegter, freundlicher, schöner“

Im Zuge der Arbeiten wurden vor allem die Wege- und Plätze grunderneuert,, ein neuer Zugang zum Rödelheimer Parkweg geschaffen, im Schulgarten Wegekanten, Mäuerchen und Brunnen hergerichtet, überalterte Hecken entfernt, und die Rosenbeete und der frisch gestrichene Laubengang mit historischen Kletterrosen neu bepflanzt. Zwei Millionen Euro investierte die Stadt insgesamt. Noch nicht erledigt sind die Erneuerung der historischen Tor- und Zaunanlage sowie die Verlegung der Holzbrücke über den Mühlgraben an die historische belegte Stelle.

Aber schon von dem bisherigen Ergebnis ist Anwohnerin Nicole Kunits angetan. „Der Park ist jetzt viel heller, gepflegter, freundlicher und einfach schöner“, meint die Kunstpädagogin, die mit ihrer Familie im ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Brentano’schen Landhauses lebt. Dieses stand auf der Insel, die Nidda und Mühlgraben umfließen. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört. Nur die Remise blieb erhalten, die Familie Kunits 2007 kaufte und wieder herrichtete. Heute ist das über 200 Jahre alte gelb-gestrichene Haus mit den grauen Fensterläden ein schmucker Hingucker, der an die große Vergangenheit des Anwesens erinnert.

Irrgarten, Musiksalon, Heckentheater, Volieren, Grotten, Aussichtshügel und Lauben hatten ursprünglich den besonderen Reiz dieses typischen Landschaftsparks aus dem 19. Jahrhundert ausgemacht. Kennzeichnend war das Wechselspiel zwischen der freien Aussicht über die leicht abfallenden Wiesen und den kleineren Baumgruppen. Verschlungene Pfade führten durch die Wäldchen und beim Verlassen öffnete sich dem Spaziergänger wieder die weite Sicht. Eine üppige Blumenpracht, Granat- und Orangenbäume bezauberten einst die Besucher. Die reizvolle Lage an der Nidda wurde in die Gestaltung integriert und durch schöne Durchblicke und malerische Szenerien unterstrichen.

Auch Johann Wolfgang Goethe wandelte im Park

Überbleibsel aus dieser Zeit sind etwa das Petri-Haus, das sich auf der anderen Seite des Nidda-Wehres befindet. Bis heute trägt das Häuschen den Namen seines Vorbesitzers – dem Bäckermeister Petri, der nach langem Hin und Her bereit war, es an Georg Brentano zu verkaufen. Mit Unterstützung des Hofbaurates Carl Friedrich Schinkel wurde es zu einem Schweizer Haus umgebaut. Dort steht einer der ältesten Gingko-Bäume deutschlandweit. Er wird auf 250 Jahre geschätzt. In dem Gartenhäuschen hat Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe einst viele Stunden verbracht. Aus dieser Zeit stammt auch noch das Badehaus, das einem klassischen Tempel nachempfunden ist und heute Goethe-Tempelchen genannt wird.

Sukzessive, bis zu seinem Tod 1851 hatte Brentano umliegende Grundstücke aufgekauft, um den Garten zu vergrößern. Dokumente belegen 144 Kauf- und Tauschgeschäfte. Es war sein Lebenswerk. Zeitgenossen rühmten den „genialen Sinn und zarten Geschmack“ des Bauherrn. In seiner größten Ausdehnung maß der Brentanopark 13 Hektar, heute sind es noch 4,6 Hektar.

Eine einschneidende Zäsur erlebte der Park in den 1920er Jahren, als die Anlage 1926 in städtischen Besitz überging. Nidda-Regulierung und der Grünentwicklungsplan blieben für die malerische Anlage nicht ohne Folgen. Vor allem Baustadtrat Ernst May drückte dem Park seinen Stempel auf, der dort 1931 einen Spielplatz, einen Pavillon im Bauhausstil, Schul- sowie einen radialen Rosengarten anlegen ließ. Im Zuge der beiden Nidda-Regulierungen in den 20er und in den 60er Jahren und der Kanalisierung von Rödelheim in den 1920er Jahren verkleinerte sich die Fläche des Parks. Zudem entstand im östlichen Teil des Parkgeländes vor gut 80 Jahren ein Flussbad, das in den 1960er Jahren in das bekannte Brentanobad umgewandelt wurde.

Quelle: op-online.de

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