Internationale Abschlüsse an Schulen

Rhein-Main-Gebiet für den Brexit bestens gerüstet

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Schüler der Eingangsklasse „The Panda Bears“ an der Internationalen Chinesischen Schule in Oberursel  

Frankfurt/Dreieich - Wenn vom Weggang internationaler Unternehmen nach dem Brexit die Rede ist, fällt häufig der Name Frankfurt als möglicher Standort. Die Bankenmetropole sieht sich gut aufgestellt und will mit ihrem internationalen Schulwesen punkten.

Gitta Lotz, Co-Direktorin der Europäischen Schule Rhein-Main, ist britisch-unaufgeregt, wenn von möglichen Brexit-Folgen für die internationale Schule die Rede ist. „Wir sehen das sehr entspannt“, sagt sie. Ängste, dass künftig Kapazitäten gesprengt und Schüler in überfüllten Klassenzimmern sitzen müssen, gebe es jedenfalls nicht. Noch hielten sich die Anfragen in Grenzen. Auch Amanda Ife von der International School Frankfurt-Rhein-Main kann noch keine Angaben machen, wie viele zusätzliche Schüler aufgenommen werden können. „Wir haben natürlich Anfragen erhalten, aber wir müssen wissen, um welche Klassen oder Jahrgänge es geht.“

Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sieht Stadt und Rhein-Main-Region mit der vorhandenen schulischen Infrastruktur bestens gerüstet für Brexit-Abwanderer mit schulpflichtigen Kindern. Aktuell böten 53 private und staatliche Schulen das Internationale Abitur oder andere international anerkannte Schulabschlüsse an, sagt Frank. „Damit fahren wir in Sachen Wettbewerbsfähigkeit ein schweres Geschütz auf.“ Ähnlich wie der Flughafen oder die digitale Infrastruktur sei auch das so stark vertretene internationale Schulwesen ein Standortfaktor, mit dem Frankfurt punkten könne.

Aber auch der Kreis Offenbach kann punkten: Derzeit besuchen 350 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren die Strothoff International School in Dreieich. Verwaltungsleiterin Bettina Otto rechnet damit, dass die Zahl zum kommenden Schuljahr auf bis zu 390 ansteigen wird. Den eigentlichen Schub erwartet sie allerdings erst im Schuljahr 2019/20, Derzeit geht sie davon aus, dass dann noch weitere 30 bis 50 Schüler hinzukommen. Als einzige Schule im Rhein-Main-Gebiet bietet Strothoff das Primary Years-, das Middle Years- und das IB Diploma-Programm an. Der Abschluss wird weltweit von Universitäten anerkannt.

Amanda Ife rechnet allerdings nicht damit, dass sofort ein Exodus aus London einsetzt, wenn der Brexit vollzogen wird. Angesichts des kurzen Flugs von London nach Frankfurt pendelten wohl eher erst einmal diejenigen, für die mit dem Brexit eine Verlagerung des Arbeitsplatzes verbunden sei – die Familie bleibe im gewohnten sozialen Umfeld zurück. Denn: „Frankfurt wird sehr unterschätzt. Viele glauben, es ist grau, hat schlechtes Wetter und die Leute sprechen nicht Englisch“, sagt die gebürtige Britin, die „sehr gern“ in Frankfurt lebt.

Frankfurt: Mehr als nur Hochhäuser

Das Angebot internationaler Schulen, die für die Kinder auch eine Möglichkeit für später nützliche Kontakte bieten, mache andererseits für manche Eltern auch den Reiz aus, einen Auslandsjob anzunehmen, meint Sharp. „Die Beteiligung an den Schulkosten ist oft Teil des Pakets, das die entsandten Mitarbeiter erhalten. Zu Hause könnten sie sich häufig keine Privatschule leisten. Die sehen das dann als eine Gelegenheit für ihre Kinder.“

Allerdings würden internationale Schulabschlüsse und Unterrichtsformen nicht ausschließlich an Privatschulen angeboten, betont Frank. „Wir weisen in Gesprächen mit Unternehmen immer wieder auf die Qualität der öffentlichen Schulen hin.“ An fehlenden Sprachkenntnissen vor allem englischsprachiger Schüler müsse der Besuch einer öffentlichen Schule jedenfalls nicht scheitern. So gebe es Schulen mit bilingualem Unterricht und solche, die auch international anerkannte Schulabschlüsse anbieten, sagt er.

Je nach dem Einkommen der Eltern dürfte das auch nötig sein. Denn während an manchen Privatschulen ein Besuch bereits für 300 Euro monatlich möglich ist, kostet ein Schuljahr im weiterführenden Bereich der International School 19.000 Euro.

Unabhängig vom Brexit haben Privatschulen – ob nun deutsch oder international – Konjunktur. Mehr als 46.900 Schüler besuchen nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden eine allgemeinbildende Schule in privater Trägerschaft. Im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 entspricht das einem Zuwachs um 830 Kinder und Jugendliche oder 1,8 Prozent.

Insgesamt besuchten im Herbst vergangenen Jahres 7,5 Prozent aller hessischen Schüler eine Privatschule. Vergleichsweise hoch sei der Anteil in Förderschulen und Gymnasien, heißt es. Diese Entwicklung sieht die Lehrergewerkschaft GEW überaus kritisch. Sie fordert eine gesetzliche Regelung zur Deckelung der Gebühren für Privatschulen und Gebührenfreiheit für Kinder aus bedürftigen Familien.

Die hessische Landesregierung gibt in diesem Jahr 344 Millionen Euro zur Finanzierung der sogenannten Ersatzschulen aus. 2016 waren im Etat der schwarz-grünen Koalition noch 322 Millionen Euro verankert. (dpa/cz)

Quelle: op-online.de

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