Brigitte Fenn bei DJK Sparta Bürgel

Kumpelhafte Chefin mit langem Atem

+
Brigitte Fenn erinnert sich: „ Ich gehöre nunmal zur 68er Generation, wollte unbedingt Dinge verändern.“

Offenbach - Von der Aktion „Wir nehmen jede Hürde - Frauen in Vereinsvorständen“ hatte Brigitte Fenn zwar gehört, aber nicht mitgemacht. Die 60-Jährige steht seit fast zehn Jahren an der Spitze der DJK Sparta Bürgel (320 Mitglieder). Von Holger Appel 

Brigitte Fenn, was halten Sie generell von Frauenquoten?

Nichts. Das ist ein künstlich aufgesetztes Produkt. Es geht nicht ums Geschlecht, sondern um Qualifikationen. Entweder man kann und will etwas und wächst in die Aufgabe hinein oder nicht. Der Eurovision Song Contest ist doch das beste Beispiel.

Ist das der Grund, weshalb Sie an der Aktion des Sportkreises nicht teilgenommen haben? Sie wären doch prädestiniert gewesen für eine Aktion zur Erhöhung des Frauenanteils in der Vereinsführung.

Ich halte nicht viel von solchen Aktionen, hatte aber auch keine Zeit, mich damit intensiver zu beschäftigen, unter anderem wegen meines Ehrenamtes. Vereinsarbeit ist schwierig und zeitintensiv, egal ob für Männer oder Frauen. Aber bei uns sind auch schon immer Frauen im Vorstand.

Was ist denn besonders schwierig für Sie?

Ich bin neben der Vorstandsarbeit noch an drei Abenden die Woche als Übungsleiterin im Einsatz. Das macht mir am meisten Spaß. Vorstandssitzungen können stressig sein, aber am schlimmsten und zeitintensivsten ist der Dialog mit Behörden und Ämtern - da kann einem schon die Lust vergehen. Aber auch das dürfte für Männer und Frauen ganz ähnlich sein.

Sie sind seit fast zehn Jahren Vorsitzende der DJK Sparta. Wie haben Sie das geschafft?

Am Anfang waren viele begeistert, dass ich als Frau an der Vereinsspitze stand. Dann kam ich an mit meinen Ideen. Ich gehöre nunmal zur 68er Generation, wollte unbedingt Dinge verändern. Mit dem Ergebnis, dass ich heulend aus Vereinssitzungen herausgelaufen bin. Neue Ideen sind in den Vereinen nicht immer erwünscht. Man muss durchhalten und sich durchbeißen.

Das ist Ihnen gelungen.

Aber das war nicht einfach. Dennoch müssen wir weiter umdenken. Vereine sind Auslaufmodelle.

Das sagen Sie als Vorsitzende eines Traditionsklubs? Schon kurios.

Ja, aber wir müssen angesichts der großen Konkurrenz der anderen Vereine sowie der Fitnessstudios die Vereinsmitgliedschaft einfach lockerer nehmen. Sonst schwinden unsere Chancen.

Das heißt in Ihrem Fall?

Wir haben 10er Karten eingeführt für unsere Fitnessangebote. Die Leute müssen nicht mehr Vereinsmitglieder werden. Auch in der Boule-Abteilung besteht diese Möglichkeit. Ich denke, wir sind somit auf dem richtigen Weg. Aber da war viel Überzeugungsarbeit nötig.

Können Frauen besser überzeugen als Männer?

Das glaube ich nicht. Ich weiß nur, dass Frauen oft zickiger sind als Männer. Deshalb arbeite ich auch viel lieber mit Männern zusammen. Wenn man als Frau kumpelhaft und nicht divenhaft auftritt, kommt man mit langem Atem meistens zum Ziel. Ich bin sicher ein gutes Beispiel dafür.

Quelle: op-online.de

Kommentare