Nach Sperrung der Verkehrsader

Schiersteiner Brücke wird zum Studienobjekt

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Wissenschaftler wollen untersuchen, wie sich die Pendlerströme zwischen Mainz und Wiesbaden nach der Sperrung der Schiersteiner Brücke verändert haben. Sie war am 10. Februar gesperrt worden.

Frankfurt - Wohin weichen 90.000 Autos und Lastwagen aus, wenn ihre gewohnte Strecke plötzlich dicht ist und es keine Schleichwege gibt? Als die Schiersteiner Autobahnbrücke am 10. Februar gesperrt wurde, gab es tagelang Chaos in der gesamten Region. Von Sabine Ränsch

Niemand war darauf vorbereitet, dass eine der wichtigsten Straßenverbindungen zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz von einem auf den anderen Tag wegen Rissen in einem Betonpfeiler unpassierbar war.

Die rund zwei Kilometer lange Schiersteiner Brücke über den Rhein ist die kürzeste Autobahnverbindung zwischen den beiden Landeshauptstädten. Am 2. April soll die Fahrbahn nach der Reparatur mit Hilfe hydraulischer Pressen angehoben werden. Nach Ostern könnte der Verkehr auf der Brücke wieder eingeschränkt rollen.

„So einen Fall gab es noch nie“, sagt Prof. Petra Schäfer von der Frankfurt University of Applied Sciences. Normalerweise sei monatelang Zeit, eine aufwendige und langwierige Sperrung vorzubereiten – etwa wenn eine Brücke geplant gesprengt und neu gebaut werde. Jetzt aber habe sich der Verkehr zunächst selbst neue Wege suchen müssen. Entsprechend groß war das Durcheinander in den ersten Tagen.

In aller Eile wurden die Fährverbindungen über den Rhein und der Bahnverkehr verstärkt, Umleitungen eingerichtet. Sechs Wochen später ist die Brücke immer noch dicht, aber als Termin für eine mögliche Öffnung wird nun nach Ostern genannt.

Online-Befragung zu Pendlerströmen

In einer online-Befragung will Verkehrsplanerin Schäfer mit ihren Mitarbeitern herausfinden, wie sich die Pendlerströme verändert haben, ob viele auf die Bahn umgestiegen sind oder Fahrgemeinschaften gebildet haben. In der örtlichen Presse riefen die Wissenschaftler zur Teilnahme auf, mehr als 1000 Datensätze seien inzwischen eingetroffen und würden nun ausgewertet, sagt Schäfer. Die Umfrage sei zwar nicht repräsentativ, werde aber ein Meinungsbild ergeben.

Ärger gab es in den vergangenen Wochen genug. Genervte Autofahrer müssen weite Umwege in Kauf nehmen, auf den Ausweichstrecken bilden sich Staus, nach Angaben der hessischen Verkehrsbehörde Hessen Mobil vor allem am Morgen. Die Sperrung der Rheinbrücke verursacht nach einer Hochrechnung jeden Tag einen finanziellen Schaden von 1,4 Millionen Euro – die Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden errechnete diesen Betrag aus dem Zeitverlust wegen der Umwege zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz.

Nach den Beobachtungen der Experten haben sich die Pendler mittlerweile auf die Lage eingestellt. „Die Staus sind nicht mehr so lang wie in den ersten Tagen“, sagt Andreas Moritz von Hessen Mobil. Autofahrer planten mehr Zeit ein und hätten wenn möglich ihre Arbeitszeiten entzerrt.

Viele Pendler steigen auf die Bahn um. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der seine Verbindungen auf verschiedenen Strecken verstärkt hat, stellt fest, dass das Angebot angenommen wird. Zahlen dazu gibt es nicht. Das zusätzliche Zugangebot zwischen Mainz-Gustavsburg über Mainz nach Wiesbaden werde vorerst aufrechterhalten, sagte eine RMV-Sprecherin. Entspannung auf den Straßen erwartet die Mainzer Polizei in den Osterferien. Dann falle ein großer Teil des Berufsverkehrs weg. 

Sperrung der Schiersteiner Brücke

Sperrung der Schiersteiner Brücke

Quelle: op-online.de

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