Brücke zwischen Science und Fiction

Darmstadt ‐ Science-Fiction ist seit jeher ein Ventil zum Ausbruch aus der Alltagswelt, sagt Andreas Gey, passionierter Modellbauer. Seine Kreationen, die er unter anderem aus dem „Krieg der Sterne“-Universum entlehnt, hat er am Wochenende bei den „SpaceDays“ in Darmstadt vorgestellt. Von Julian Fath

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen ausschließlich Modellbauten aus den Bereichen Raumfahrt, Science-Fiction und Fantasy - laut Veranstalter deutschlandweit einzigartig. Bereits zum 7. Mal wurden die „SpaceDays“ vom Science Fiction Club Deutschland e.V. organisiert. Für die Mischung aus Fan-Treffen und Ausstellung stand erneut der 300 Quadratmeter große „Ernst-Ludwig-Saal“ im Stadtteil Eberstadt zur Verfügung.

Auch für andere Darbietungen war Platz: So wurden zahlreiche Nachbildungen von Ausrüstungsgegenständen aus Serien und Filmen, phantasievolle Eigen- und Umbauten sowie Original-Requisiten und Fankunst ausgestellt. Bereichert wurde die Ausstellung durch ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Filmen und Lesungen.

Nachbildung einer Wüstenbasis

Gey zeigte bei den „SpaceDays“ unter anderem die Nachbildung einer Wüstenbasis, die er detailreich gestaltet hat. An der Veranstaltung gefällt ihm der Austausch mit anderen Modellbauern und Fans, den er so intensiv an anderer Stelle noch nicht erlebt habe.

Auch Modelle von echten Raumschiffen gab es zu sehen: Hier zum Beispiel ESA-Raumschiffe aus der Privatsammlung von Christian Schmid. Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA zeigte außerdem eigene Großmodelle.

Geys Leidenschaft für den Modellbau entstand schon als Kind: Als die „Krieg der Sterne“ Filme damals im Kino liefen, hätten seine Mitschüler dem Filmhelden Luke Skywalker nachgeeifert. Gey hatte aber ein anderes Vorbild: Er wollte immer der Designer sein, der die Modelle der Raumschiffe und Sets entwarf und baute. „Wenn ich die Raumschiffe im Film gesehen habe, kam sofort der Wunsch auf, ein dreidimensionales Abbild davon zuhause stehen zu haben“, beschreibt er seinen Antrieb für den Modellbau. Bereits seit zehn Jahren betreibt Gey das Modellieren als „ernstes Hobby“ - zuhause hat er sich ein eigenes Zimmer mit Modellen eingerichtet. Seit vier Jahren ist seine Passion sogar zum Beruf geworden. Mit seinem „AG Design Studio“ lebt er inzwischen hauptsächlich von seinen Auftragsarbeiten.

Bogen von Fiktion zu Wirklichkeit

Noch einen Schritt weiter in Richtung professioneller Modellbau geht Raumschiff-Bastler Ben Götzky. Mit einigen Freunden arbeitet er seit zehn Jahren an seinem Science-Fiction-Film „Nydenion“. Was als Hobbyprojekt begann, hat sich zu einer professionellen Filmproduktion entwickelt, die noch dieses Jahr im Kino und auf DVD erscheinen soll. Mit an Bord: Computeranimationen der Frankfurter Effektschmiede Magna Mana. Am „Nydenion“-Stand zeigte Götzky einige selbstentworfene Raumschiffmodelle, die für den Filmdreh verwendet wurden, und gab gut gelaunt Auskunft zu dem Projekt. Dessen Geschichte drehe sich um eine Weltraumjagd, die Ästhetik des Films wird sich an düsteren Genre-Klassikern wie „Blade Runner“ orientieren.

Der Bogen von Fiktion zu Wirklichkeit wurde bei den „SpaceDays“ ebenfalls gespannt: Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA war erstmals mit eigenen Großmodellen vertreten - dem Raumschiff „Ariane 5“ sowie dem bislang unverwirklichten Raumgleiter „Hermes“. Dazu gab es einen passenden Vortrag: „ESA macht Science-Fiction zur Realität“. Die ESA betreibt in Darmstadt das europäische Satellitenkontrollzentrum.

Dass eine angesehene Institution wie die ESA an den „SpaceDays“ teilnimmt, habe eine sehr große Bedeutung, findet Stefan Böttcher, der auf der Veranstaltung eigene Ölzeichnungen mit Zukunftsmotiven ausstellte. Science-Fiction werde von vielen Menschen nach wie vor belächelt. Er hofft, dass die Szene-Aktivitäten irgendwann nicht mehr als „Spinnerei“, sondern als ernsthaftes Hobby wahrgenommen werden, „so wie, wenn jemand Tennis spielt“.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Julian Fath

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