Neue Osthafenbrücke

Brückenschlag nach Offenbach

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Verkehrsfrei war einmal. Seit gestern rollen Fahrzeuge über das beeindruckende Bauwerk, das Oberrad mit dem Ostend verbindet und damit auch mehr Verkehr in den Kaiserlei lenkt.

Frankfurt - Mit einem mehr als nur symbolischen Schulterschluss ist gestern die neue Osthafenbrücke in Frankfurt eröffnet worden: Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider zerschnitt das Band an der Seite seines Frankfurter Amtskollegen. Von Fabian El Cheikh

Über den richtigen Zeitpunkt der Eröffnung mag man in den dies- und jenseits des Mainufers gelegenen Rathäusern zwar geteilter Meinung sein, darüber hinaus aber herrscht seit geraumer Zeit fast schon eitel Sonnenschein zwischen Offenbach und Frankfurt. So auch gestern bei der feierlichen Freigabe der neuen Osthafenbrücke für den Verkehr. Die mag aus Offenbacher Sicht ein wenig verfrüht sein, wird doch die Mehrzahl der erwarteten 17.000 Fahrzeuge von der Brücke aus über den noch nicht umgebauten Offenbacher Kaiserleikreisel Frankfurt verlassen.

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Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD), der nicht nur eingeladen ist, sondern auch eine Rede halten und das obligatorische Band zerschneiden darf – das ist durchaus ungewöhnlich, da sich die neue Brücke ausschließlich auf Frankfurter Territorium befindet –, formuliert pflichtbewusst die Offenbacher Bedenken, freilich auf freundschaftlich-diplomatische Art: „Natürlich hätten wir uns gewünscht, die Brücke würde parallel zum neuen Autobahnanschluss am Kaiserlei eröffnet werden, der ist allerdings erst 2017 fertig.“

Den Kreisel, der nach Ansicht von Verkehrsexperten bereits jetzt die Grenze seiner Belastbarkeit erreicht hat, stelle das Bauwerk vor neue Verkehrsprobleme – eine Herausforderung auch für die Planung dortiger Bauprojekte, da eine genehmigungsfähige Erschließung der Gebäude unter den jetzigen Verkehrsbedingungen quasi unmöglich ist.

Bislang vernachlässigte Schnittstelle

Und genau darum geht es unterm Strich bei dieser außergewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen Frankfurt und Offenbach: neue lukrative Gewerbeflächen zu schaffen und die bislang vernachlässigte Schnittstelle zwischen den bislang eher entzweiten Städten gemeinsam zu entwickeln. Ein ausgedehntes Gebiet, das sich vom Frankfurter Ostend bis zum neuen Offenbacher Hafenviertel erstreckt und sich „im Herzen der Rhein-Main-Metropole“ befindet, wie Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gestern mehrfach betont. Offenbacher Einwände werden angesichts dieser Größendimension auf Frankfurter Seite zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht.

Dabei waren es die Offenbacher, die den zügigen Bau der neuen Querung überhaupt ermöglichten. Lange Zeit hatte sich die Stadt dem Frankfurter Vorhaben vehement entgegengestellt, fürchtete sie doch einen Verkehrskollaps am Kaiserlei. Bewegung in den anfänglichen Streit, der alle Klischees erfüllte, kam erst, nachdem Offenbach eine Normenkontrollklage eingereicht hatte. „Das war der Anfang der Geschichte“, erinnert sich OB Schneider an die große Wende im Streit mit Frankfurt.

Nicht nur an Autofahrer, sondern auch an Radfahrer und Fußgänger wurde beim Bau der Brücke gedacht.

Was folgte war im vergangenen Jahr eine in Offenbach nicht unumstrittene Rahmenvereinbarung zwischen Schneider und seiner damaligen Amtskollegin, Petra Roth (CDU), die dem schon lange planfestgestellten, aber aus finanziellen Gründen immer wieder zurückgestellten Kreiselumbau zum Durchbruch verhalf. Der ungewöhnliche Deal sah in dem territorialen Mosaik am Kaiserlei einen gegenseitigen Grundstückstausch und -verkauf vor. Die Stadt Frankfurt überwies Offenbach einen Baukostenzuschuss in Höhe von fast vier Millionen Euro und mit Hilfe „Frankfurter Lobbymacht“ (Horst Schneider) gelang es, das Land Hessen und den Bund zur Übernahme eines Großteils der gesamten Baukosten zu bewegen – die Offenbacher Klage wurde zurückgezogen.

Mit ihrem Verhandlungsgeschick behielten Roth und Schneider bei allen politischen Gegensätzen das Gemeinsame stets im Auge. Die Hoffnung, die die heutigen Stadtoberhäupter vor diesem Hintergrund äußern: „Dass zumindest die nachfolgende Generation keine Grenzen mehr zwischen Frankfurt und Offenbach wahrnimmt“, so Schneider. Und Feldmann unterstreicht, künftig noch enger mit Offenbach zusammenarbeiten zu wollen. „Die Osthafenbrücke dient hierfür als ein Symbol für den Brückenschlag zwischen Hibbdebach und Dribbdebach.“ Immerhin befindet sich das Bauwerk exakt auf halber Strecke zwischen beiden Rathäusern.

Brückenschlag in Frankfurt

Brückenschlag in Frankfurt

Quelle: op-online.de

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