Keine politische Mehrheit für Bauvorhaben an der Alten Brücke

Brückenturm-Projekt droht das Aus

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Frankfurt - Vom 33. Stock des Hochhauses der DZ Bank in Frankfurt genießt Christoph Mäckler eine phänomenale Sicht auf die Stadt und ihr Umland. Von Christian Riethmüller

Der renommierte Architekt und Stadtplaner kann dabei auch auf einige in seinem Büro entworfene Bauwerke wie etwa den Opernturm oder den Tower 185 blicken. Der Bau eines ganz besonderen Turms wird ihm aber vermutlich verwehrt bleiben.

Gemeint ist das Bauvorhaben „Brückenturm Alte Brücke“, für das sich Mäckler und der im Januar 2006 gegründete Neue Brückenbauverein e.V. stark machen. Der gut 150 Mitglieder zählende Verein will in privatwirtschaftlicher Initiative auf der Maininsel an der Alten Brücke in Frankfurt einen etwa 30 Meter hohen Turm errichten, der ein Museum, ein Restaurant sowie vier Eigentumswohnungen beherbergen würde. Der Brückenturm soll das Pendant zum gleichfalls auf der Maininsel stehenden Portikus sein. Als Ensemble sollten die beiden Gebäude an die frühere Bebauung der Maininsel etwa mit der Brückenmühle erinnern. Wie der Brückenbauverein in einer Broschüre schreibt, sollte mit dem Konzept die Bedeutung der Alten Brücke als einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im europäischen Mittelalter wie auch ihre wichtige Rolle für die Entwicklung Frankfurts als Messestandort, Krönungsort und heutige Verkehrsdrehscheibe in den Blickpunkt gerückt werden.

Magistratsvorlage aus dem Jahr 2000

Ähnlich sah es auch eine Magistratsvorlage aus dem Jahr 2000 zum Architektenwettbewerb zur grundhaften Erneuerung der Alten Brücke vor. Bei diesem Wettbewerb mit zwei Zweitplatzierten kam schließlich Christoph Mäcklers Entwurf zum Zug, dem folgend dann auch in den Jahren 2005 und 2006 der Portikus gebaut wurde.

Dieser Entwurf sieht auch den Bau des Brückenturms vor, allerdings nur „wenn die Stadt es ausdrücklich wünscht“, wie es in der Magistratsvorlage 131 aus dem Jahr 2004 steht. Nun wünscht die Stadt tatsächlich den Bau des Brückenturms nicht mehr. Zumindest findet sich für die Umsetzung des Projekts keine politische Mehrheit. Nachdem bereits einige Oppositionsparteien im Römer ihre Ablehnung kundgetan hatten, sagt nun auch die schwarz-grüne Regierungskoalition „Nein“ zu dem Bau. Wie es in einer gemeinsamen Mitteilung von CDU und Grünen heißt, konnte „in der Koalition insgesamt keine Mehrheit gefunden werden, die der Meinung war, dass die Realisierung des Turms im ausreichenden Maße im öffentlichen Interesse ist.“ Gleichzeitig lobte die Koalition aber „das bürgerschaftliche Engagement“ des Vereins, der bereits einige Hunderttausend Euro an Planungskosten in den Brückenturmbau investiert hat und die geschätzten Baukosten von insgesamt etwa sechs Millionen Euro über den Verkauf der vier Wohnungen sowie die Verpachtung des Restaurants finanzieren wollte.

Bürgerinitiative gegen Pläne

Gegen diese Pläne ist allerdings eine Bürgerinitiative vorgegangen, die mehrere Bäume (auf Fotos sind drei Bäume zu sehen) sowie die Brutplätze zahlreicher Vögel bedroht sieht. Auf der Internetplattform openpetition.de hat sie eine Unterschriftenaktion gegen die Bebauung der Insel gestartet, die von gut 6000 Unterstützern gezeichnet wurde. Allerdings stammen nur etwa 1700 der Unterzeichner direkt aus Frankfurt, was den Verdacht nahelegt, dass etliche Unterstützer der Petition eher aus Prinzip, denn aus tatsächlicher Kenntnis um die Zusammenhänge gegen das Projekt sind.

Auf einige Stadtverordnete der Grünen hat dieser Protest gegen „einen privaten Investorenwunschtraum“ aber genügend Eindruck gemacht, um sich dem Projekt zu verschließen. Die endgültige Entscheidung zur Absage an den Brückenturm liegt bei den Stadtverordneten, die am 14. November das nächste Mal tagen. Allerdings dürften bis dahin kaum Vertragsmodalitäten geklärt sein, die sich aus einer Absage ergeben könnten. Der prominent besetzte Brückenbauverein will sich laut „FAZ“ nun erst einmal „sortieren“.

Quelle: op-online.de

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