Prozess um brutalen Raubmord

Wiesbaden - Es ist einer jener Fälle, in denen junge Menschen mit unglaublicher Brutalität und Kaltschnäuzigkeit für Schlagzeilen gesorgt haben. Seit heute wird ihnen der Prozess gemacht.

Drei Jugendliche sollen in Wiesbaden einen Obdachlosen totgetreten und beraubt haben. Seit Montag müssen sie sich dafür vor Gericht verantworten. Das Trio soll den 45 Jahre alten Mann in der Nacht auf Aschermittwoch (9. März) aus Habgier getötet haben, wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Die Anschuldigung wiegt schwer, ihnen wird Raubmord vorgeworfen. Alle drei haben die Tat nach Angaben eines Anwalts gestanden. Immer wieder sollen die drei Jungen im Alter von 16 und 17 Jahren auf den Kopf des Mannes eingetreten haben, heißt es in der Anklageschrift, die vor dem Landgericht zum Prozessauftakt vorgelesen wurde. Der wohnungslose Straßenmusiker starb noch an Ort und Stelle.

Nach der Attacke in einer Parkanlage in Wiesbaden sollen die Jugendlichen ihr Opfer ausgeraubt haben. Sie hätten es bewusst auf die Wertgegenstände des Mannes abgesehen und ihm eine Umhängetasche geklaut. Kurz nach dem Überfall wurden die Jungen festgenommen. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft. Besonders skurril: Vor den tödlichen Tritten hatten sie noch eine Zigarette mit dem späteren Opfer geraucht. Erst danach sollen sie es angegriffen haben. Sie wollten Aggressionen abbauen, hatten sie der Polizei vor rund sieben Monaten gesagt. „Lasst uns mal wieder jemanden klatschen und abziehen“, habe es in der fraglichen Nacht geheißen.

Täter können Attacke nicht erklären

Die Verteidiger kündigten an, dass sich die Jugendlichen vor Gericht umfassend zu den Vorwürfen äußern wollten. Journalisten waren dabei jedoch nicht zugelassen. Es sei keineswegs die erste Tat der drei Jugendlichen gewesen. Wenige Tage zuvor verprügelten sie einen anderen Mann, sagte Staatsanwalt Wolf Jördens. Außerdem ließen sie sein Handy und seine Geldbörse mitgehen. Das Geld aus dem Portemonnaie teilte sie unter sich auf und das Mobiltelefon verkaufte einer von ihnen. Auch dafür muss sich das Trio nun verantworten.

Der Prozess dauerte bis zum frühen Abend. Verteidiger Axel Küster sagte anschließend: „Alle drei haben gestanden.“ Die tödliche Attacke konnten sie aber kaum erklären. Alkohol habe eine Rolle gespielt, auch wollten sie Aggressionen abbauen. Ein Raub sei nicht geplant gewesen. Nach der gemeinsamen Zigarette hätten sie einfach angefangen zu treten. „Da gibt es keine rationale Erklärung“, sagte Küster. Der nächste Prozesstag ist in zwei Wochen angesetzt. In Wiesbaden sind in den vergangene Monaten mehrere Menschen Opfer von Jugendlichen geworden. Im Mai wurde ein 19-Jähriger erstochen, ein Mann und eine Frau (beide Anfang 20) stellten sich anschließend der Polizei. Im November 2010 starb ein 18 Jahre alter Schüler. Auch hier traten die Täter auf den Kopf. Einer von ihnen war 17 Jahre alt.

dpa

Quelle: op-online.de

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