Partner-Buchhandlung in Offenbach

Büchergilde setzt auf Genossenschaft

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In Offenbach gibt es die Büchergilde seit 60 Jahren am Wilhelmsplatz: Im Buchladen am Markt zeigt Inhaberin Andrea Tuscher einen Teil des Sortiments.

Frankfurt/Offenbach - Die traditionsreiche Büchergilde positioniert sich in Zeiten des Internets neu und will als Genossenschaft schlagkräftiger sein. Mit besonders aufwändig gestalteten Bänden sollen ältere und jüngere Leser angezogen werden. Von Joachim Göres 

Das Prinzip Buchclub ist einfach: Mitglieder müssen jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Artikeln erwerben, dafür gibt es trotz Buchpreisbindung den Lesestoff etwas günstiger. Ein Prinzip, das sich auf den ersten Blick überlebt zu haben scheint: Ende dieses Jahres will Bertelsmann angesichts sinkender Umsätze seine letzten Buchclubs schließen. Damit geht eine Ära zu Ende – 1990 zählte „Der Club“ noch sechs Millionen Mitglieder.

Im Schatten des einstigen Riesen versucht sich die Büchergilde mit ihren rund 70 000 Mitgliedern mit besonders aufwändig gestalteten Büchern zu behaupten. 1924 vom Bildungsverband der deutschen Buchdrucker gegründet, hat die lange eng mit den Gewerkschaften verbundene Buchgemeinschaft im vergangenen Jahr eine Genossenschaft gegründet. Sie soll als neuer Eigner zur finanziellen Absicherung und Unabhängigkeit der Büchergilde beitragen.

„Wir wollten so verhindern, dass wir an einen anderen Verlag verkauft werden. Das Echo hat uns positiv überrascht: Bislang haben 850 Leser Anteile erworben“, sagt Mario Früh, Büchergilde-Geschäftsführer in der Zentrale Frankfurt.

Jeder Anteil hat einen Wert von 500 Euro, bei positivem Geschäftsverlauf winkt eine Dividende. Darüber entscheidet die Generalversammlung - die erste soll im Oktober stattfinden. Auf das inhaltliche Programm mit rund 500 vor allem belletristischen und politischen Titeln sollen die Büchergilde-Genossen aber keinen Einfluss nehmen können. Etwa die Hälfte des nicht näher bezifferten Umsatzes wird durch den Verkauf im Internet erzielt. Dennoch soll das Netz der bundesweit über 80 Partner-Buchhandlungen, die die Büchergilde im Angebot haben, ausgebaut werden. „Unser Problem ist die mangelnde Bekanntheit. Deswegen wollen wir uns künftig verstärkt in mittleren und kleinen Städten präsentieren“, sagt Früh. Seit diesem Jahr bieten neue Buchhandlungen in Flensburg und Esslingen das Büchergilde-Programm an.

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In Offenbach gibt es die Büchergilde seit 60 Jahren am Wilhelmsplatz. Früher führte man ausschließlich Büchergilde-Titel, heute machen sie im Buchladen am Markt rund ein Viertel des Sortiments aus. Die Zahl der Mitglieder ist laut Inhaberin Andrea Tuscher stabil, ihr Durchschnittsalter liegt zwischen 50 und 60 Jahren. Während ältere Kunden häufig kulturell interessierte Gewerkschaftsmitglieder seien, für die in jungen Jahren ein Eintritt in die Büchergilde selbstverständlich war, gebe es heute diese Bindung bei jüngeren Lesern nicht mehr. „Junge Leute treten ein, weil sie das schön illustrierte Buch anspricht“, sagt Tuscher. Vor allem anspruchsvolle Romane seien gefragt, aber auch politische Sachbücher wie zum Beispiel kapitalismuskritische Schriften von Naomi Klein. Häufiger zögerten Interessenten, sich auf den jährlichen Kauf von vier Artikeln festzulegen. „Viele können wir dennoch überzeugen, denn die Mitgliedschaft ist jederzeit kündbar“, sagt Tuscher. Ein weiteres Argument ist der Preis: Ein halbes Jahr nach dem Erscheinen des Originals kann die Büchergilde mit einer billigeren Lizenzausgabe auf den Markt kommen.

Zum Programm gehören auch Filme, CDS, Grafiken und Spiele. Verstärkt setzt die Büchergilde auf Graphic Novels, um ein jüngeres Publikum zu erreichen. „Die letzten drei Jahre waren wie im gesamten Buchhandel auch für uns schwierig. Ich hoffe auf das vierte Quartal, das traditionell stark ist“, sagt Früh und ergänzt: „Ich denke, dass wir als einziger literarischer Buchclub eine Chance haben und bin für die Zukunft optimistisch.“ 1995 lag der Anteil der Buchgemeinschaften am Buchumsatz in Deutschland bei 4,2 Prozent, 2013 betrug dieser Anteil nur noch 1,6 Prozent.

Quelle: op-online.de

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