„Bündelung, wo möglich“

Lutz Raettig

Frankfurt ‐ Die Wirtschaftsförderung in Hessen sollte nach Ansicht des Bankers Lutz Raettig besser abgestimmt werden. „Wo eine Bündelung möglich ist, sollte man sie machen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der US-Bank Morgan Stanley in Deutschland und Vorsitzende des Frankfurter Börsenrates in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Derzeit bemühen sich unter anderen die HA Hessen Agentur, die Wirtschaftsförderung Region Frankfurt RheinMain und der Verein Frankfurt Main Finance darum, für den Standort zu werben. Alle hätten ein grundlegendes Problem, das liege nicht am Standort Frankfurt, sondern daran, dass sich Wirtschaftsräume völlig anders definierten als politische Räume, so Raettig.

Handlungsbedarf sieht Raettig auch in Bezug auf den Steuerwettbewerb benachbarter Kommunen. So ist zum Beispiel die Deutsche Börse gerade dabei, ihre Zentrale von Frankfurt-Hausen in das etwa fünf Kilometer entfernte Eschborn zu verlagern. Der Konzern spart damit jährlich etwa 50 bis 60 Millionen Euro an Gewerbesteuer. „Politisch müssen wir uns schon fragen, ob wir eine Steuerarbitrage über den Gartenzaun gut finden“, sagte Raettig. „Allerdings ist das ein Problem der Politik, nicht der Wirtschaft.“

Der Finanzplatz Frankfurt insgesamt wird nach Einschätzung Raettigs gestärkt aus den jüngsten Turbulenzen hervorgehen. „Frankfurt hat sich auch in der aktuellen Krise ausgezeichnet durch Solidität.“ Von großen Pleiten blieb Hessens größte Stadt ebenso verschont wie von einer Kündigungswelle im Finanzsektor.

Weiter aufgewertet werden könnte der Standort Frankfurt durch die geplante Neuordnung der Bankenaufsicht in Deutschland, die sich bislang die Bundesbank (Frankfurt) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin/Bonn) teilen. „Eine Aufsicht ist meist besser als zwei - sowohl unter Effizienz- wie auch Qualitätsmaßstäben“, befand Raetting. „Ich halte Frankfurt für den besseren Standort.“

dpa

Quelle: op-online.de

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