Von der Bürokratie profitiert

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Hosnia Rabhioui hat mit ihrer Zoll- und Frachtzentrale Rhein-Main den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt.

Obertshausen - Es gibt wohl kaum einen Unternehmer, der sich über Bürokratie freut - nur Hosnia Rabhioui. Von Marc Kuhn

Denn für die 31-Jährige, die sich vor vier Jahren mit ihrer Zoll- und Frachtzentrale (ZFZ) Rhein-Main selbstständig gemacht hat, bedeutet der staatliche Regulierungswahn Aufträge und Arbeit. Sie bietet Firmen Hilfe bei der Abwicklung von Ein- und Ausfuhrgeschäften an. Die Vorschriften dafür ändern sich ständig, wie die Deutsch-Marokkanerin unserer Zeitung sagt. „Der Zoll gibt immer mehr Verantwortung an die Unternehmen ab.“ Angesichts dieser komplexen Aufgaben würden sie verstärkt auf Dienstleister wie ZFZ zurückgreifen. Profitiert hat Rabhioui beispielsweise von der Pflicht zur Einführung der elektronischen Ausfuhranmeldung im vergangenen Jahr.

Das Rüstzeug für ihre Arbeit hat sich Rabhioui zunächst im Jahr 2000 durch eine Ausbildung zur Speditionskauffrau bei TNT Logistics geholt. Danach absolvierte sie parallel zu ihrem Job im Zollbereich ein Weiterbildungsstudium zur Fachkauffrau für Außenwirtschaft, das sie mit dem Diplom abschloss. So kann Rabhioui Erfahrungen aus der Industrie und beim Zoll vorweisen. Nach dem Studium habe sie eine „gewisse Unzufriedenheit“ gespürt, berichtet die im Kreis Offenbach aufgewachsene junge Frau. „Das hat auch etwas mit der persönlichen Entwicklung zu tun.“ Da sie sich immer mehr Wissen angeeignet habe, sei die Idee aufgetaucht, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Zunächst arbeitete sie im Home-Office. In diesem Jahr bezog sie ein Büro in Obertshausen - für Rabhioui ein Beleg für den Erfolg ihres Geschäftsmodells. Den Start ins Unternehmertum hat sie zwar selbst finanziert. Dabei habe sie aber auch auf den Existenzgründerzuschuss zurückgegriffen, berichtet die ZFZ-Chefin. „Das sollte man tun. Das hilft am Anfang.“

Sie wird bei ihren Kunden mit vielfältigen Fragestellungen konfrontiert. Ist der Handel mit bestimmten Gütern lizenz- beziehungsweise genehmigungspflichtig? Fallen Antidumping- oder Ausgleichszölle an? Gibt es Präferenzabkommen mit dem jeweiligen Land? Wie wird die Zahlung am sichersten abgewickelt? Wichtig ist es für Rabhioui, stets auf dem aktuellen Kenntnisstand zu bleiben, weil sich die Bestimmungen ständig ändern. „Das ist fast so wie bei den Steuerberatern“, erklärt die Geschäftsführerin. Sie zählt Kunden aus ganz Deutschland, die Handel beispielsweise mit der Schweiz, Japan, den USA und Indien betreiben. Bei Bedarf kooperiert Rabhioui mit Übersetzern, Anwälten und Experten im Ausland.

„Einer meiner Kunden importiert aus Marokko“, beschreibt sie ihre Arbeit. Dann wollte er vor Ort eine Firma gründen. „Den notwendigen Kontakt zur Außenhandelskammer in Casablanca habe ich hergestellt und ihn unterstützt.“ Da Rabhioui ihr Geschäftsfeld erweitern will, denkt sie daran, bald Mitarbeiter einzustellen. Mittlerweile gibt sie auch Seminare, in denen sich Unternehmer über Zollfragen informieren können. Zudem organisiert sie Transporte. „Ich habe qualifizierte Partner, mit denen ich zusammenarbeite.“ Die ZFZ-Chefin will künftig die komplette Auftragsabwicklung übernehmen - ein Rundum-Sorglos-Paket anbieten.

Quelle: op-online.de

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