Bundesweite Straftaten aufgeklärt

Dieburg/Südhessen (db) - Zwei 32 und 47 Jahre alte Männer wurden wegen des Verdachts der betrügerischen Anmietung von 97 Fahrzeugen im Wert von rund 6,5 Millionen Euro festgenommen.

Die Tatorte ziehen sich quer durch Deutschland, von München über Augsburg, Göppingen, Stuttgart, Speyer, Bad Homburg, Köln, Mönchengladbach, Wuppertal, Hamburg bis nach Österreich - und in das südhessische Dieburg. Die Methode: Die beiden Männer hatten im Jahr 2009 bei 29 Leasing- und Vermieteunternehmen Sattelzugmaschinen, Kühl- und Sattelauflieger sowie hochwertige Pkws angemietet. Bei Vertragsunterzeichungen gaben sie an, dass diese Fahrzeuge hauptsächlich für Speditionen in Westeuropa eingesetzt werden sollen. Sie legten manipulierte Dokumente vor, um Bonität vorzutäuschen. Die beiden Männer operierten munter nach diesem Schema weiter, obwohl ihre Firma seit März 2009 nicht mehr zahlungsfähig war.

Durch eigens hierfür angeheuerte Fahrer wurden die Fahrzeuge bei den Leasingfirmen abgeholt und zum Teil direkt nach Kaliningrad gebracht, wo sie an russische Fahrer übergeben worden waren. Mit gefälschten Papieren aus Österreich wurden die Fahrzeuge durch einen Händler weiter nach Russland bis zur Insel Sachalin verkauft. Der Kaufpreis wurde an eine Briefkastenfirma in Neuseeland überwiesen. Andere Verkaufwege führten in die Ukraine, nach Kasachstan, Kirgisien, Turkmenistan, in den Libanon und nach Jordanien.

Dieburger Firma erhielt einen wichtigen Tipp

Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch eine Dieburger Firma. Die hatte den Tipp erhalten, dass ihre fünf Kühlauflieger in Kaliningrad zum Verkauf angeboten seien. Die GPS-Ortung bestätigte den Standort und machte die aktuelle Route eines Aufliegers von Kaliningrad über Litauen in Richtung Weißrussland transparent. Kurz vor Grenzübertritt wurde das Fahrzeug von der litauischen Polizei gestoppt und sichergestellt. Der Kühlauflieger war an einer Sattelzugmaschine einer Verleihfirma aus Speyer angehängt. Der hierdurch ausgelöste Informationsaustausch unter den betroffenen Firmen brachte mosaikhaft die Methode zum Vorschein.

Die inzwischen bei den südhessischen Behörden eingeleiteten Ermittlungen führten zu den beiden in Kasachstan geborenen deutschen Geschäftsführern, gegen die Haftbefehle sowie Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt wurden.

Einer verurteilt, der andere sitzt in U-Haft

Bereits am 6. Februar 2010 konnte der 47 Jahre alte Mann bei der Einreise aus der Ukraine am Frankfurter Flughafen festgenommen werden. Er wurde am 13. Dezember 2010 zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Fahnder des Polizeipräsidiums Südhessen konnten den zweiten Mann in Ushgorod (Ukraine) lokalisieren.  Der 32 Jahre alte Mann wurde am 20. Dezember 2010 abgeholt, nach Deutschland gebracht und ist seitdem in Untersuchungshaft.

Bisher konnte nur ein Teil der Firmen ihre Fahrzeuge zurückerhalten. Einige Geschädigte mussten Insolvenz anmelden.

Quelle: op-online.de

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