„Unter Hartz IV-Niveau“

+
Streikende Busfahrer wärmen sich vor dem Depot des Verkehrsunternehmens HEAG in Darmstadt.

Frankfurt (dpa) - Unzufriedene Busfahrer haben gestern in mehreren hessischen Großstädten und in Mainz Teile des Nahverkehrs lahmgelegt.

Vor allem in Frankfurt, Darmstadt und Marburg warteten Schüler und Pendler an den Bushaltestellen vergeblich, auch in Mainz ging teilweise nichts mehr. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen mit den Busunternehmern. Heute sollten die Busse wieder nach Plan fahren, hieß es bei der Gewerkschaft.

Zu dem Arbeitskampf hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Allein in Marburg legten etwa 170 Busfahrer spontan die Arbeit nieder. In Darmstadt streikten zudem die Fahrer von Straßenbahnen. Zeitgleich protestierten nach Polizeiangaben 300 Busfahrer in Wiesbaden bei einer Verdi-Kundgebung gegen ein geplantes Gesetz für den öffentlichen Nahverkehr. Diese Richtlinie würde Kommunen die direkte Vergabe von Buslinien erlauben, sagte ein Verdi-Sprecher. Die Landesregierung will in dieser Woche über die Gesetzesnovelle beraten.

Beschäftigte bekämen Löhne unter Hartz IV-Niveau

Die Gewerkschaft fürchtet Dumpinglöhne, weil die Vergabe nicht an Sozialstandards gebunden sei. „Am 20. jedes Monats habe ich kaum noch Geld, um meine Kinder zu ernähren“, sagte der 53-jährige Busfahrer Johannes Sideris aus Offenbach. Sein 40-jähriger Kollege Flamur Cakaj aus Maintal meinte, manche Beschäftigte bekämen Löhne unter Hartz IV-Niveau. „Sie verdienen so wenig, dass sie auf zusätzliches Geld vom Amt angewiesen sind.“

Wenig Verständnis für den Streik zeigen die Busunternehmer in Hessen: „Wir müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen“, sagte Matthias Kalbfuss, der Verhandlungsführer des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmer (LHO). Die Arbeitgeber schlagen eine um 4,2 Prozent bessere Vergütung vor. Die Gewerkschafts-Forderung nach 1,50 Euro mehr Stundenlohn sei „überzogen und nicht finanzierbar“.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare