Cannabis als Medizin: Wirkstoff mit Potential und Risiken

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Cannabis als Medizin löst Krämpfe und unterdrückt Spasmen. Deshalb wird es zum Beispiel bei Multipler Sklerose eingesetzt, um die Symptome zu lindern.

Cannabis besteht aus 600 Substanzen, die medizinische Leiden nachweislich lindern. Trotzdem spaltet der Wirkstoff die Gemüter – schließlich ist die Droge hierzulande illegal. Wir zeigen Ihnen, gegen welche Symptome Cannabis als Medizin eingesetzt werden kann und wo dabei die Risiken liegen.

Wirkstoff Cannabis: schmerzlindernd, krampflösend und entzündungshemmend

Die wesentlichen Inhaltstoffe von Cannabis sind das sogenannte Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Sie werden freigesetzt, wenn die Blüten der weiblichen Hanfpflanze erhitzt werden. THC ist dabei stark psychoaktiv, hat also eine berauschende Wirkung – CBD dagegen kaum. CBD rückt deshalb immer mehr in den Fokus medizinischer Zwecke:

  • Cannabis löst Krämpfe und unterdrückt Spasmen. Deshalb wird der Wirkstoff eingesetzt, um Patienten mit Multipler Sklerose zu behandeln.
  • Die Inhaltstoffe regen den Appetit an. Gleichzeitig wirken sie gegen Übelkeit und Brechreiz. Davon profitieren AIDS-Patienten, die viel Gewicht verlieren. Ebenso lindert es die Nebenwirkungen bei Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen.
  • Cannabis werden entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften zugesprochen. So soll es beim Tourette-Syndrom, bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Hauterkrankungen wie Akne eine positive Wirkung zeigen. Auch beim Glaukom – dem sogenannten Grünen Star – kann Cannabis den Augeninnendruck senken.

Leiden lindern – aber Krankheit nicht aufhalten

In vielen Fällen lindern die Eigenschaften von Cannabis als Medizin die Symptome und helfen so den Patienten. Heilen kann die Hanfpflanze die einzelnen Krankheiten allerdings nicht. Zudem ist die Datenlage nicht eindeutig: Bislang gibt es zu wenige klinische Studien und Langzeituntersuchungen, die eine therapeutische Wirkung von Cannabis eindeutig belegen.

Häufig übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Ihre medizinische Behandlung mit Cannabis deshalb nicht. Ausnahmen sind schwere Formen von Spasmen, wie sie bei Multipler Sklerose auftreten.

Rechtlich schwierige Situation in Deutschland

Die Behandlung mit Cannabis ist hierzulande nicht problemlos möglich. Bislang ist lediglich ein Cannabis-Präparat als Arzneimittel zugelassen. Andere Medikamente fallen unter das Betäubungsmittelgesetz.

Der Erwerb und Besitz von Cannabis ist in Deutschland strafbar, außer Sie haben eine Sondergenehmigung der Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Mit dieser können Sie Hanfblüten legal in der Apotheke kaufen. Die Erlaubnis bekommen Sie allerdings nur, wenn es keine vergleichbar geeigneten und verfügbaren Therapiealternativen gibt. Zudem müssen Sie das Cannabis als Medizin aus eigener Tasche bezahlen – und das ist nicht billig: fünf Gramm kosten rund 85 Euro.

Risiken und Nebenwirkungen von Cannabis als Medizin

Der Konsum von Cannabis als Medizin bringt körperliche und psychische Risiken mit sich: Sie sind weniger leistungsfähig und konzentriert. Ihre Sinne verschlechtern sich, Sie können nicht mehr so schnell assoziieren und sprechen. Zudem erweitern sich Ihre Gefäße, was im Extremfall zu chronischen Entzündungen führen kann. Weite Nebenwirkungen sind Müdigkeit, ein trockener Mund und Kopfschmerzen.

Ebenso besteht die Gefahr von schweren Depressionen und Schizophrenie, die durch das Rauschmittel ausgelöst werden können. Vor allem bei Jugendlichen warnen Mediziner vor Cannabis zu therapeutischen Zwecken: Der Wirkstoff kann die Entwicklung des Gehirns negativ beeinflussen. Viele Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dadurch ausgelösten psychotischen Erkrankungen bei jungen Menschen.

Quelle: op-online.de

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