Bundesweit einzigartiges Angebot

Drogenreferat berät über Cannabis

Frankfurt - Mit seinem in Deutschland einzigartigen „Medical Marihuana Project“ will das Drogenreferat der Stadt Frankfurt kranken Menschen helfen, Cannabis legal als Medikament einzusetzen. Von Harald Richter

Dabei handelt es sich um ein medizinisches Beratungsangebot, das von einem Arzt und einem Anwalt im Gesundheitsamt unterbreitet wird. Es ist bis zum Jahresende befristet. „Danach müssen wir aus den Erfahrungen heraus entscheiden, ob es sich dauerhaft etablieren lässt“, kündigte Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) an. Damit beschreitet die schwarz-grüne Rathaus-Koalition neue Wege. Kürzlich hatten beide Fraktionen im Römer einen Antrag mit dem Ziel einer Ausweitung der medizinischen Anwendung von Cannabis und der Beratung über den Nutzen der Pflanze für Patienten durch eine Ombudsstelle verabschiedet.

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Im Gesundheitsamt, Breite Gasse 28, werden ab 17. Juni der Allgemeinmediziner Michael Schmidt und der Rechtsanwalt Markus Cronjäger stets mittwochs von 14 bis 16 Uhr informieren. Sie unterliegen der Schweigepflicht. Eine Terminabsprache ist nicht notwendig. Es besteht auch Gelegenheit, sich unter 0151/50855938 telefonisch Rat zu holen. Schmidt ist seit 15 Jahren in der Suchtmedizin tätig. Er sagte, Cannabis sei keine Wunderdroge, könne chronischen Schmerzpatienten aber durchaus helfen. Strafrechtler Cronjäger will Betroffenen beim notwendigen Genehmigungsverfahren der Therapie zur Hand gehen.

„Unser Angebot zielt einzig auf die medizinische Nutzung von Cannabis als Arzneimittel für kranke Menschen ab, denen keine wirksame Behandlungsalternative zur Verfügung steht“, unterstrich die Gesundheitsdezernentin. In Deutschland ist mit „Sativex“ nur ein Medikament für eine einzige Indikation zugelassen: bei erwachsenen Patienten mit Multipler Sklerose, die unter schweren Spastiken leiden und mit anderen Verfahren nicht weiterkommen. „Andere schwer und chronisch Kranke, für die Cannabis-Präparate sinnvoll wären, etwa Patienten mit ADHS, Tourette-Syndrom oder Depressionen, haben bisher kaum Chancen.“ Sie müssten sich entweder von einem kooperativen Arzt Medikamente aus dem Ausland verschreiben lassen oder eine Ausnahmegenehmigung für die Therapie mit Cannabisblüten einholen.

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„Beim Thema medizinisches Marihuana verstreicht wertvolle Zeit“, konstatiert die Grünen-Stadträtin. „Von bundesweit 424 Patienten mit Ausnahmeerlaubnis sind 42 inzwischen verstorben. In Hessen gibt es 26 gültige Genehmigungen.“ Aus dem Pilotprojekt wolle man Erkenntnisse über den Bedarf an Hilfsangeboten ableiten. Die Fachberatung für medizinische und juristische Fragen ist der Ombudsstelle angeschlossen, die sich bisher ausschließlich um Drogenabhängige gekümmert hat. „Das ist nicht der erste Schritt zur generellen Legalisierung von Cannabis“, stellte Stadträtin Heilig klar. „Vielmehr haben wir überlegt, was im gesetzlichen Rahmen jetzt schon möglich ist, denn nach wie vor fällt Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz.“

Quelle: op-online.de

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