Tagung in Frankfurt

Experten einig: Cannabis legalisieren

Frankfurt - Soll Cannabis legalisiert werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer Tagung in Frankfurt. Die Experten sind sich überraschend einig: In der Drogenpolitik muss ein Umdenken stattfinden. Sogar Polizisten befürworten die Legalisierung von Marihuana.

Sollte Cannabis für Erwachsene frei zugänglich sein wie Tabak oder Alkohol? Die Befürworter können sich auf mächtige Befürworter berufen: US-Präsident Barack Obama hält Kiffen nicht für gefährlicher als Saufen, und auch der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan macht sich für die Freigabe weicher Drogen stark. Bei einer Tagung in Frankfurt zeigt sich nun ein überraschend breiter Konsens. Nicht nur Suchtexperten oder Mediziner, auch Juristen und Polizisten sind sich einig: Das Strafrecht ist der falsche Hebel.

Härtere Strafen änderten nichts am Konsum, betonen die Experten. "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen gesetzlicher Änderung und Konsum", sagt Prof. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung an der FH Frankfurt. Zum Beweis legt er Grafiken aus anderen europäischen Ländern vor, die Cannabis legalisiert oder stärker bestraft haben, und überblendet sie mit Daten zum Gebrauch. In Deutschland sei der Dauergebrauch von Cannabis "auf relativ niedrigem Niveau konstant". In Umfragen antworteten zwölf Prozent, sie hätten im vergangenen Jahr mindestens einmal gekifft. Nur drei Prozent seien Gewohnheitskonsumenten. "Wir müssen uns fragen, ob das Gesetz nicht eher Opferproduktion ist als Opferschutz", sagt der Sozialwissenschaftler. Und die Probleme für die Gesundheit? "Das Gefährlichste an Cannabis sind die Schädigungen, die durch das Rauchen entstehen", berichtet der Rechtsmediziner Prof. Volker Auwärter (Uni Freiburg).

Kiffen, Koksen und Saufen bei den Stars

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Es gebe "eine Vielzahl von Effekten, die therapeutisch genutzt werden können": Cannabinoide wirkten schmerzlindernd, muskelentspannend, appetitanregend, linderten Übelkeit. Zu den unerwünschten negativen Effekten zählten Lachkrämpfe, Panikattacken, Wahrnehmungsstörungen. Nur jeder zehnte Konsument entwickle eine Abhängigkeit. 28,3 Prozent der Deutschen würden irgendwann im Leben Cannabis probieren, sagt Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. "Wir wissen, dass die Strafverfolgung den Konsum nicht verhindert." Die Kriminalisierung erschwere vielmehr die Prävention, weil sie verhindere, offen über das Thema zu sprechen. Für Jugendliche aber, so betont Bartsch, müsse Cannabis ebenso wie Alkohol und Zigaretten verboten bleiben. Die Bundespolitik hält sich zum Thema zurück, aber auf kommunaler Ebene kommt Bewegung in die Sache. Frankfurts Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig kündigt einen Modellversuch an. Beim Thema Cannabis müsse man einen pragmatischen Weg gehen, sagt die Grünen-Politikerin. "Wir müssen das ideologische Korsett ablegen."

Die Grünen haben allerdings ein Problem: Die Christdemokraten, Koalitionspartner sowohl in Frankfurt als auch in Hessen, halten an der bisherigen Drogenpolitik fest und sind strikt gegen eine Legalisierung. Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), lehnt eine Änderung der bisherigen Drogenpolitik ab.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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