Caricatura Museum Cartoons von Gerhard Glück

Lauter Glücksmomente

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„Geahnt hatte er es schon lange“ (2008)

Frankfurt - Seine Cartoons sind nicht nur komische Zeichnungen, sondern kleine, funkelnde Geschichten. Wie nur wenige verbindet er eleganten Witz und künstlerisches Können. Von Christian Riethmüller 

Mit Gerhard Glück präsentiert das Caricatura Museum einen der großen Meister der Komischen Kunst in Frankfurt.

„Viel Glück in Frankfurt“ war vor neun Jahren eine Ausstellung mit Arbeiten Gerhard Glücks überschrieben. Der Titel könnte auch heute noch gelten, allerdings mit dem Zusatz „Ganz“. Denn mehr Glück-Cartoons als nun im Caricatura Museum für Komische Kunst dürfte man noch nie in einer Ausstellung versammelt gesehen haben. Mit 238 Cartoons sowie einer Handvoll Objekten, Projektionen und Entwürfen zeigt die auf eine Ausstellung in Kassel anlässlich Glücks 70. Geburtstag im vergangenen Jahr aufbauende Frankfurter Schau sowohl viele Klassiker als auch neueste Cartoons.

Darunter ist auch ein eigens für die Mainmetropole geschaffenes Werk, das den Künstler sitzend - umringt von ostasiatischen Touristen - vor dem klassischen Panorama mainaufwärts mit dem Frankfurter Dom im Hintergrund zeigt. Der zum Bild gehörige Text führt die berühmten Zeilen „Un es will mer net in de Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ aus Friedrich Stoltzes Frankfurt-Gedicht an, die in Glücks Fall eine tiefere Bedeutung haben.

Der 1944 in Bad Vilbel geborene Glück verbrachte seine Kindheit und Jugend in Frankfurt und baute dort sein Abitur, bevor es zum Studium „ab nach Kassel“ ging, wo Glück nach seinem Abschluss blieb und schließlich fast 30 Jahre lang als Kunstlehrer im Schuldienst tätig war.

Doch Glück wirkte nicht nur als Pädagoge, sondern immer auch als Karikaturist - erst für die „Hessisch/Niedersächsische Allgemeine“, dann für die „Süddeutsche Zeitung“ und schließlich seit 1991 als ständiger Mitarbeiter von „Folio“, dem Magazin der „Neuen Zürcher Zeitung“. Glück publiziert außerdem regelmäßig im „Eulenspiegel“, wohingegen der Kontakt zu Frankfurter Publikationen wie „Pardon“ und „Titanic“ immer nur lose blieb.

Glück beherrscht sein Handwerk

Trotzdem ist der Weg von Glück zu begnadeten „Titanic“-Beiträgern wie Hans Traxler, Bernd Pfarr, Michael Sowa, Ernst Kahl oder Rudi Hurzlmeier nicht weit. Wie sie beherrscht Glück sein Handwerk vollkommen. Was er mit Stift und Pinsel anstellt, ist meisterhaft und am anschaulichsten sicher in der genialen Reihe „Kunst & Co.“ zu bewundern, in der sich Glück parodistisch mit den Größen der Kunstgeschichte auseinandersetzt.

Diese Leidenschaft nahm ihren Anfang in den Achtziger Jahren, als Glück bei einem Nordseeurlaub in den Niederlande sein Bild „William Turner auf dem Weg zur Arbeit“ schuf. Auf diesem Blatt kämpft der winzige Turner gegen Sturm und Wellen, mithin also gegen einige seiner bevorzugten Motive. An die 100 Cartoons, die er als Gouachen fertigt, hat Glück mittlerweile zu dieser Thematik geschaffen, auf denen wir etwa Monet beim Kampf gegen Mücken am See, Van Gogh als Sonnenblumen-Dieb, Miro als kleinen Wandkritzler oder Da Vinci beim bereits genialisch abgewandelten „Himmel und Hölle“-Spiel auf dem Schulhof kennenlernen dürfen.

Doch nicht den Großkünstlern gilt Glücks Aufmerksamkeit. Ebenso liebevoll widmet er sich den Normalos, die bei ihm oft Figuren jenseits der 50 sind, gesetzt und gern ein wenig spießig. Denen widerfahren nämlich umso erstaunlichere Dinge, etwa, wenn sie zufällig des geheimen (Liebes-)Lebens ihrer Gartenzwerge gewahr werden. Sollte man gesehen haben, denn „Glück im Museum“ macht glücklich.

‹Die Ausstellung „Glück im Museum“ ist bis 13. September im Caricatura Museum Frankfurt, Weckmarkt 17, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Mittwoch 11-21 Uhr

Quelle: op-online.de

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