Carl Friederichs GmbH vor 175 Jahren gegründet

Mit Kutschen fing alles an

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Auch Feuerwehrfahrzeuge werden von der Carl Friederichs GmbH in Frankfurt hergestellt.

Frankfurt - Ob gepanzerte Autos oder Fitnessmobil für Fraport: Die Carl Friederichs GmbH macht vieles möglich. Nun feiert das Frankfurter Unternehmen seinen 175. Geburtstag. Von Marc Kuhn 

Fast 500 Schuss sind auf den VW-Touareg abgegeben worden. Zehn Handgranaten wurden rund um das Fahrzeug getestet, eine 15 Kilo schwere Bombe ist an einer Seite detoniert. Doch das von der Firma Friederichs gepanzerte Serienauto hat den Tests standgehalten, wie Geschäftsführer Henrik Schepler sagt. Nachdem die Carl Friederichs GmbH aus Frankfurt die Tauglichkeit der Panzerung unter Beweis gestellt hatte, durfte sie das Fahrzeug für die Niederländer bauen, bei denen in Den Haag beim Internationalen Gerichtshof unter anderem Kriegsverbrecher angeklagt werden. Deshalb sind gepanzerte Autos nötig. Der Touareg ist ein Beispiel für die Spezialfahrzeuge, die das Traditionsunternehmen herstellt und weltweit verkauft. Es feierte jetzt sein 175-jähriges Bestehen.

Schepler ist bei Friederichs für den Spezialfahrzeugbau und den Export zuständig. Zweites Standbein der Firma ist die Reparatur und der Lackierbereich. Es wird von Stephan Berger geführt. Pro Jahr erwirtschaftet Friederichs etwa 18 Millionen Euro Umsatz, zu dem beide Geschäftsbereiche jeweils die Hälfte beitragen. Die mehr als 120 Mitarbeiter des Unternehmens sind auf die Standorte in der Schlitzer Straße und in der Hardenbergstraße verteilt.

Individuelle Maßanfertigungen

Die Serienfahrzeuge würden bei Friederichs angeliefert, zerlegt und umgerüstet, erklärt Schepler. „Das ist sehr aufwendig.“ Gepanzerte Autos werden dann von staatlichen Beschussämtern unter die Lupe genommen. Andere Fahrzeuge werden anderen Tests unterzogen. Schließlich erhalten sie ein TÜV-Zertifikat, mit dem die Kunden die Pkw und Lastwagen zulassen können.

Bei ihnen handelt es sich stets um individuelle Maßanfertigungen. Es geht um Lkw-Aufbauten, den Um- und Ausbau von Nutzfahrzeugen zu Ambulanzen, Polizei- und Feuerwehrwagen sowie um Luxus- und VIP-Busse oder Limousinen der höchsten Sicherheitsklassen. Aber auch Geldtransporter, Infomobile und Laborfahrzeuge werden produziert. Für Fraport ist ein Fitnessmobil hergestellt worden, das an verschiedenen Stellen des Flughafens eingesetzt werden kann. Die Carl Friederichs GmbH arbeitet im Auftrag von Daimler und Volkswagen. Und öffentliche Auftraggeber wie der Katastrophenschutz, die Polizei, der Zoll und Regierungen aus Europa, Afrika, Asien und dem Nahen Osten bestellen Fahrzeuge bei den Frankfurtern. Rund 90 Prozent von ihnen werden exportiert. „Viele Kunden legen Wert auf Verschwiegenheit“, berichtet Schepler. Er verrät aber, dass auch Kanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Wladimir Putin schon in Autos von Friederichs gesessen haben. 250 bis 500 Fahrzeuge werden im Jahr umgerüstet. Sie können bis zu zwei Millionen Euro kosten. Für den gepanzerten Touareg musste die niederländische Regierung rund 350.000 Euro zahlen.

Damals Kutschen, heute Busse, Lastwagen und Autos

Seit der Gründung 1840 ist die Carl Friederichs GmbH auch ein Spezialist für die Lackierung von Karosserien - damals ging es um Kutschen, heute um Busse, Lastwagen und Autos. Am Standort Schlitzer Straße arbeiten die Mitarbeiter beispielsweise mit einer etwa 20 Meter langen Lackierkabine. Repariert werden Autos von Leasingfirmen, Unternehmen und Privatleuten. Etwa 60 Ersatzfahrzeuge stehen zur Verfügung. So werde der Kunde mobil gehalten, erklärt Berger.

Nach seinen Worten hat die Carl Friederichs GmbH sich stets auf Nischen spezialisiert. Heinrich Ludwig Friederichs gründete den „Sattler- und Carossierbetrieb“ 1840 und stellte Kutschen her. Sein Sohn Carl Friederichs baute ab 1876 Motoren in Kutschen ein. Dessen Söhne Heinrich und Rudolf setzen Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Anfertigung einzelner Karosserien. Als ab 1920 Autos am Fließband hergestellt wurden, lohnte sich dies nicht mehr. Die Firma stellte den Betrieb auf Reparaturen und den Bau von Nutzfahrzeugen um. Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte die Firma. In den 70er-Jahren erschloß Heinz Friederichs die internationalen Märkte. Vor seinem Tod 1991 gründete er mit seiner Frau die Heinz und Gisela Friederichs Stiftung, die alleiniger Gesellschafter der Carl Friederichs GmbH ist. Die Firma sollte in Frankfurt bleibe und die Bürger von ihr profitieren, sagt Schepler. So fördert die Stiftung zum Beispiel die Hochschule für Gestaltung in Offenbach, das Städel in Frankfurt und Frauenhäuser.

Viel Wert legt Friederichs nach den Worten von Berger auch auf die Ausbildung. Pro Jahr werden sechs Lehrstellen angeboten. Die Prüfungen bestanden hat Maid Karasalihovic. Im August nimmt der Fahrzeuglackierer-Geselle an den World Skills, der Weltmeisterschaft der Berufe, in Brasilien teil. Er wurde bei seiner Gesellenprüfung 2014 als bester Fahrzeuglackierer im Rhein-Main-Gebiet ausgezeichnet, siegte beim hessischen Landeswettbewerb der Lackierer und belegte beim Bundeswettbewerb den zweiten Platz.

Quelle: op-online.de

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