Carolin Kebekus in der Frankfurter Jahrhunderthalle

Parforceritt durch diverse Feuchtgebiete

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Carolin Kebekus

Frankfurt - Respektlos wirkt am längsten. Vor allem, wenn es gnadenlos lustig ist. Comedy-Powerfrau Carolin Kebekus rockt sich in ihrem neuesten Solo mal wieder durch diverse Feuchtgebiete, Youtube-Föntutorials und andere F-Wörter. Von Peter H. Müller

In der ausverkauften Jahrhunderthalle gibt’s für den grandios tabufreien Parforceritt der „Alpha-Pussy“ tosenden Jubel. Aber Obacht: Große Teile dieses Programms könnten Machos, Internet-Trolle und Helene-Fischer-Ultras erheblich verunsichern. „Germanys next Top-Comedienne – jetzt mit noch mehr Penissen!“ So oder ähnlich hätte die rockmusikalisch untermalte Ankündigung für ihre One-Woman-Show auch lauten können. Denn Deutschlands derzeit kultigste Humor-Fachfrau gibt an diesem Abend viele schön schlimme, schlüpfrige Sachen zum Besten. Das Entzückende daran: Sie meint das alles genau so. Zumindest lässt sie in den prall gefüllten zwei Stunden ihrer atemlosen „Pussy-Terror-Fortsetzung für Erwachsene“ keine Gelegenheit aus, sich hemmungslos zu echauffieren – über Online-Unkultur, Porno-Subkultur, Pubertätsverwirrungen, Sexismus, Magerwahn oder Kotzgeschichten aus Teenagerzeiten, als frau noch durcheinander getrunken hat.

Überhaupt: Alkohol („Saufen gegen IS – genial!“) ist so etwas wie der ständige Begleiter ihres Parodie-Feldzuges gegen Lieblingsfeindin Helene, alle Gehirn-Amputierten und jedes andere Durchgeknallte. Derlei Ärgernisse findet man in diesen unguten Zeiten ja an jeder virtuellen Ecke und, keine Armlänge entfernt, sogar auf der Domplatte. Erträgt sich nur mit reichlich Promille. In dubio pro cervisia also – „AlphaPussy“ Carolin (im hautengen Disco-Kleidchen mit High-Heels und rotestem Nagellack angetreten) ist nämlich passionierte Biertrinkerin. Und Leberwurst-/Mettbrötchen-Liebhaberin – was ihrer Sympathie für militante Veganer nicht unbedingt zugute kommt.

Vor allem aber kennt sie die ganz realen Absurditäten des Alltags aus eigener Erfahrung. Pimmel-Fotos von Hobby-Machos, Hass-Postings von Neonazi-Idioten oder kollektive Empörungswellen: Die Kölner Brachial-Komikerin ist mit ihren polarisierenden Gags selbst zu einer gern genommenen Shitstorm-Zielscheibe geworden – eben weil sie den munter grassierenden Irrsinn in, nun ja, „explicit lyrics“ packt und dahin geht, wo es wahlweise anstößig oder unappetitlich wird. Nur sollte man ihre diversen, rasend schnell gewechselten Bühnenegos nicht mit ihr selbst verwechseln.

Die Kebekus, nach unzähligen Comedy-Auszeichnungen nun auch frisch für den Grimme-Spezialpreis nominiert, beobachtet einfach messerscharf. Sie nennt beim Namen, parodiert und entlarvt so gallig klug, dass man sich dem kaum entziehen kann, ganz gleich wie tief sie nun die ominöse „Geschmacksgrenze“ hängt. Sie zeichnet Abziehbilder der Wirklichkeit und hält damit den Spiegel vor – egal ob nun Männlein oder Weiblein durch den den Kakao gezogen wird. Und ob sie nach ihrer nächsten Tirade in Sachen „Gender-Pay-Gap“ wieder vor einen Feminismus-Karren gespannt wird, ist ihr schlicht wurscht, Leberwurscht selbstverständlich.

Quelle: op-online.de

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