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Frankfurter Würstchen als Casting-Talente 

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Frankfurter Wurst

Frankfurt - Auf der ganzen Welt ist sie bekannt: die Wurst aus Frankfurt. Ein Casting für die leckersten, schönsten und nur originale Frankfurter Würstchen von der Metzger-Innung steht an.

Die Beschwerde eines Frankfurters rüttelte die Metzger-Innung auf. „Alle Frankfurter Würstchen schmecken gleich“, hatte sich der Mann beklagt. Rund 40 Metzger aus dem Raum Frankfurt-Darmstadt wollen jetzt bei einem Würstchen-Casting am Mittwoch, 22. August, das Gegenteil beweisen und zugleich zeigen, dass sie die knackigsten, schönsten und leckersten Frankfurter machen.

Innungs-Obermeister Thomas Reichert hat dennoch Verständnis für die Beschwerde: „Rund 90 Prozent der Frankfurter Würstchen werden industriell von ein und demselben Hersteller gemacht.“ Viele wüssten gar nicht, dass die Metzger der Region eigene Frankfurter herstellten. „Dabei gibt es große Unterschiede.“ Nicht nur die Würzmischung, sondern auch die Räuchertechnik und die Temperatur, bei der das Brät aus der Verkleinerungsmaschine kommt, seien ausschlaggebend.

Frankfurter sind weltweit bekannter als in ihrer Heimatstadt selbst

„Frankfurter Würstchen sind weltweit bekannter als in ihrer Heimatstadt selbst“, bedauert der Metzger. „Das Frankfurter Würstchen ist in Frankfurt heute eher eine Rindswurst.“ Dabei ist die erstmals 1487 erwähnte Wurst zusammen mit Kartoffelsalat das traditionelle Gericht für den Heiligen Abend in Hessens größter Stadt. Denn einst galt es als edel und wurde auch Krönungswürstchen genannt, weil es sich bei der Krönung von Kaiser Karl VII. im Ochs am Spieß fand. Rund 30 Jahre später war es das teuerste Würstchen in der Stadt. Und ein Diplomat berichtet 1820, in einem Restaurant in Baden-Baden würden „dem gehobenen Stil der Gastronomie entsprechend 'Frankfurter Soucisses'“ gereicht.

Was aber unterscheidet das Frankfurter vom Wiener Würstchen? Es kommt stets als Paar daher und ist mit 50 Gramm leichter als ein Wiener, wie Gero Jentzsch vom Deutschen Fleischer-Verband erläutert. Die Brühwürste würden ausschließlich aus Schweinefleisch hergestellt, ihre Haut ist ein zarter Schaf-Saitling. „Die spezielle Note wird durch das besondere Frankfurter Rauchverfahren erreicht“, heißt es in der Fachliteratur. Die „goldgelbe“ Farbe bekomme es durch eine Mischung aus Buchenholz- und Nassrauch.

Der Name „Frankfurter“ setzte sich im 20. Jahrhundert durch

Die Frankfurter Bürger selbst sprachen noch Anfang des 20. Jahrhunderts von der „gederrten Bradworschd“, was sowohl geräucherte als auch dünne Bratwurst heißen kann. Der Name „Frankfurter“ setzte sich erst allmählich durch - von außen. Der in der Mainmetropole ausgebildete Metzger Johann Georg Lahner soll die Würstchen in einer Mischung aus Rind- und Schweinefleisch von 1805 an in Wien hergestellt und damit den Namen der Frankfurter noch bekannter gemacht haben.

Immer mehr Metzger stellten unter diesem Namen Würstchen nach eigenem Rezept und sogar aus Kalbs- und Rinderfleisch her. Zum Ärger ihrer Frankfurter Kollegen. Sie schlossen sich zu einem Verband zusammen, beschlossen Qualitätsrichtlinien und zogen 1929 vor Gericht, um die Herkunftsbezeichnung zu schützen. Sie bekamen Recht: Das Berliner Kammergericht entschied, Frankfurter Würstchen müssten im „Wirtschaftsraum Frankfurt“ hergestellt werden. Der Bundesgerichtshof bestätigte dieses Urteil 1955. Inzwischen ist das Frankfurter Würstchen aber als Marke geschützt, wie Verena Berlich von der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ sagt.

Drei Jurys entscheiden über das beste Frankfurter Würstchen 2012

Über das beste Frankfurter Würstchen 2012 sollen nun drei Jurys entscheiden, die sich aus Metzgern, echten Frankfurtern und Prominenten der Stadt zusammensetzen. Darunter sind Ex-OB Petra Roth, Kabarettist Michael Quast, hr-Moderator Holger Weinert, Ex-FSV-Manager Bernd Reisig sowie Bürgermeister Olaf Cunitz, Travestie-Künstler Bäppi La Belle und Grüne-Soße-Experte Anton Le Goff.

dpa

Quelle: op-online.de

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