Fluglärmkommission beurteilt Landewinkel, neues Navigationssystem und „Swing“

Chancen für Entlastung

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Wie kann das Gewimmel am Frankfurter Flughafen leiser werden?

Raunheim - Steilere Anflug- und Landewinkel, Wechsel der Landebahnen, verbessertes satellitengesteuertes Anflugsystem - die Fluglärmkommission stellte gestern Zwischen- und Abschlusszeugnisse für diverse potentiell lärmmindernde Anflugkonzepte am Frankfurter Flughafen aus. Von Michael Eschenauer

Die Beschlüsse der Fluglärmkommission, die sich unter anderem aus Vertretern von Kommunen, Behörden, Bürgerinitiativen und Luftverkehrswirtschaft zusammensetzt, fließen in die Entscheidungen des für den Flughafen zuständigen Verkehrsministers ein.

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Empfehlenswert: 400.000 Maschinen sind bei dem seit Oktober vergangenen Jahres laufenden Probebetrieb, den Anflugwinkel von 3 auf 3,2 Grad zu erhöhen und damit mehr Abstand zwischen Lärmquelle und Boden zu bringen, auf der neuen Nordwestlandebahn eingeschwebt. Bilanz: Man werde, falls sich die bereits verzeichnete Lärmminderung zwischen 0,5 und einem Dezibel stabilisiere, das Verfahren zur Einführung in den Regelbetrieb empfehlen und einen entsprechenden Antrag beim Bundesamt für Flugsicherung (BAF) formulieren, erklärten gestern der Vorsitzende Fluglärmkommission und Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) und Günter Lanz, Geschäftsführer des Forums Flughafen und Region. Der Effekt sei zwar nur im weiteren Umfeld des Flughafens spürbar, steileres Landen führe aber auch nicht zu einer Mehrbelastung der Nahbereiche, so Jühe.

Erfolgreich: Der Versuch, einen Teil des Anflugvorganges auf die Nordwestbahn mit einem Sinkwinkel von 4,49 Grad zu absolvieren, brachte eine Lärmreduzierung in den Außenbereichen von bis zu 6 Dezibel. „Das Verfahren ist unter allen Bedingungen fliegbar und ein Erfolg“, sage Lanz. Auch widrige Windbedingungen seien kein Hindernis. Trotzdem liege nach dem eintägigen Versuch, der lediglich acht Flugzeuge verschiedener Typen und Landungen aus Richtung Westen umfasst habe, „noch ein weiter Weg vor uns“.

Lärmabnahme: Beim „Swing Over“ - es ging hier bei den Versuchen um ein kurzfristiges Wechseln von in Richtung Westen landender Piloten in verkehrsarmen Zeiten von der Süd- auf die Centerbahn - ergab sich ebenfalls eine leichte Lärmentlastung der Flughafenanwohner. Man will durch den „Swing Over“ nach der Ladung lange Wege zum Terminal sparen. Profitieren könnte der nördliche Teil von Neu-Isenburg. Hier wären beim „Swingen“ die Flieger stattdessen über dem Stadtwald oder unbesiedeltem Gebiet unterwegs. Gleichzeitig, so Jühe und Lanz, blieben aber südliche Stadtteile von Frankfurt praktisch unbeeinträchtigt. Auch das Offenbacher Stadtgebiet werde nicht tangiert. Man befürwortet einen einjährigen Probebetrieb.

Gutes Potenzial: Befürwortet wird der Ausbau und die verstärkte Nutzung des extrem genauen satellitengestützten Navigationssystems mit Bodenunterstützung GBAS (Ground Based Augmentation System), das ab 16. Oktober 2014 für Flugzeuge nutzbar sein wird. Sein Vorteil, es könnte ermöglichen, dass der bestehende Anflugwinkel von 3.2 Grad auf der Nordwestbahn auch auf der Südbahn geflogen werden kann. Hier landen die Maschinen derzeit noch mit einem Sinkwinkel von 3 Grad. Dies würde für Offenbach und Neu-Isenburg höhere Überflughöhen bedeuten. Auch für den Segmented Approach, bei dem Siedlungsschwerpunkte wie Offenbach, Mühlheim und Hanau umflogen werden, könnte GBAS mittelfristig in der Nacht Verbesserungen bringen. Wichtig, so Jühe, sei es, dass die Flugzeuge mit der entsprechenden Technik ausgerüstet seien. Bei positiven Ergebnissen in der Praxis werde man 3.2 Grad auf der Südbahn mit Hilfe von GBAS fordern, so Jühe.

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

Abgelehnt: Die Fluglärmkommission lehnt mit den Stimmen der Kommunen die von Fraport geplante Senkung der Landeentgelte am Frankfurter Flughafen zum Jahreswechsel ab. Fraport hatte - begrenzt auf „lärmarme“ Flugzeuge - angekündigt, die Landegebühren zu senken, um den Frankfurter Flughafen für Fluglinien attraktiver zu machen. Jühe sieht das Ziel der Fluglärmkommission, die Belastung durch Lärm zu mindern, durch die Fraport-Aktion konterkariert. Zudem sei eine „künstliche Erzeugung von Nachfrage nie Bestandteil der Planfeststellung des Flughafens gewesen“. Man könne nicht um jeden Dezibel kämpfen und gleichzeitig einen Vorstoß unterstützen, der mehr Flugverkehr anlocken solle, so der Erste Stadtrat von Mörfelden-Walldorf, Franz-Rudolf Urhahn. (Grüne). Hierzu will man aber eine Arbeitsgruppe gründen.

Quelle: op-online.de

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