Heftige Kritik an Kultusministerium und Schulamt

„So ein Chaos“ - Eltern sind sauer

Offenbach/Dreieich - Der Zorn vieler Eltern von Schülern, die von der hessischen Landesregierung auf den Turbo-Abi-Weg geschickt wurden, hat sich nicht gelegt. Im Ministerium von Ressortchefin Dorothea Henzler heißt es aber weiterhin: „Der Standpunkt der Ministerin ist unverändert.“ Von Peter Schulte-Holtey

Mit anderen Worten: Wenn an einer Kooperativen Gesamtschule die Rückkehr zu G9 auch für höhere Jahrgangsstufen gewünscht werde, müssten alle Eltern einer Jahrgangsstufe sich einstimmig für einen Wechsel aussprechen und die Schulkonferenz diesen dann beschließen, heißt es. Dann stehe dem Plan von Seiten der Schulaufsicht nichts entgegen. Spreche sich jedoch auch nur ein Elternteil eines Kindes für die Beibehaltung von G8 (also für die verkürzte Gymnasialzeit) aus, sei der Wechsel nicht möglich. Eltern dürften darauf vertrauen, dass es ab der Jahrgangsstufe 5 keine Änderung gibt.

Jede dritte der 120 Kooperativen Gesamtschulen (KGS) in Hessen wird im neuen Schuljahr wieder in der neunjährigen Gymnasialzeit (G9) unterrichten. Die umstrittene Schulzeitverkürzung auf acht Gymnasialjahre (G8) wird an weiteren 21 KGS rückgängig gemacht. Die Zahl der Kooperativen Gesamtschulen sinkt von 123 auf 120. Drei Schulen sind zu Integrierten Gesamtschulen umgewandelt worden. Davon gibt es dann 84 in Hessen.

An dutzenden Schulen in Hessen laufen Eltern unverändert Sturm gegen diese Regelung. So war an der Weibelfeldschule in Dreieich eine 90-prozentige Zustimmung für G9 erreicht worden, prompt legte sich die Schulverwaltung quer. Stefanie Schäfer vom Vorstand des Elternbeirats und engagierte Verfechterin einer Rückkehrmöglichkeit zu G9 per Mehrheitsentscheidung, ist der Zorn immer noch anzumerken: „Zwei Tage vor den Ferien hat das Schulamt vom Kreis Offenbach den Beschluss der Schulkonferenz der Weibelfeldschule mit der Begründung aufgehoben, dass der Beschluss, der sich für die Rückkehr der bestehenden Jahrgänge zu G9 ausgesprochen hatte, gegen das bestehende Schulgesetz sei. Zwei Tage, in denen die Elternvertreter der betroffenen Jahrgänge nichts mehr unternehmen konnten.“ Viele Eltern seien stinksauer, „weil sich die wenigen G8-Befürworter stur stellen und auch weil das Kultusministerium und das Schulamt beratungsresistent sind“; regelmäßig seien den Eltern Stolpersteine in den Weg gelegt worden. Schäfer: „Immer wieder führen das Schulamt und das Ministerium den Minderheitenschutz an. Die Eltern hätten einen Vertrag mit den Schulen geschlossen und der habe G8 vorgesehen. Was auch sonst? Es gab ja nur G8.“ Und die Elternvertreterin ergänzt verärgert: „Völlig daneben ist ja wohl die Nachricht aus dem Ministerium, dass man den Lehrermangel mit Hilfe von Quereinsteigern beheben will. Da sind wir ja alle mal gespannt wie diese ,Nicht-Lehrer’ eingesetzt werden und auch noch G8 durchziehen wollen. Großes Kopfschütteln. Was ist denn da los? So ein Chaos ist ja kaum noch zu übertreffen.“

Mit seiner Entscheidung gegen G9 für die bestehenden Jahrgänge, meint Schäfer, habe das Schulamt nun die Eltern gezwungen, weiterhin gerichtlich dagegen vorzugehen. Auch von einer Familie aus Dreieich sei nun Klage eingereicht worden.

Im Kreis Offenbach haben sich nach Angaben der Grünen für das neue Schuljahr die Schulkonferenzen der Hermann-Hesse-Schule (Obertshausen), der Weibelfeldschule und der Heinrich-Heine-Schule (beide Dreieich) und der Ernst-Reuter-Schule (Dietzenbach) für die 6-jährige Organisation ihrer Gymnasialzweige in der Sekundarstufe I ausgesprochen. Die Heinrich-Mann-Schule (Dietzenbach), die Georg-Büchner-Schule und die Geschwister-Scholl-Schule (beide Rodgau) wollen bei G8 bleiben, ebenso wie die Adolf-Reichwein-Schule in Langen. Gerade auch in Dietzenbach und in Dreieich gebe es eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 für die Familien, da in beiden Kommunen beide Formen angeboten würden.

Quelle: op-online.de

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