Chemie-Firmen in Hessen auf Erholungskurs

Frankfurt - Nach einer kräftigen Erholung 2010 rechnet die chemische Industrie in Hessen in diesem Jahr mit deutlich weniger Wachstum. Von Marc Kuhn

Die Produktion bei den chemisch-pharmazeutischen Unternehmen sei im vergangenen Jahr um sieben Prozent gewachsen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Arbeitgeberverbandes Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen, Karl-Hans Caprano, gestern in Frankfurt. Für 2011 werde aber nur noch ein Wachstum von zwei Prozent erwartet. Die Firmen würden ihre Geschäftsentwicklung zwar positiv sehen, erläuterte er mit Blick auf eine Umfrage des Verbands. Fast 40 Prozent der Unternehmen würden aber erst 2012 oder später zum Vorkrisenniveau zurückkehren.

Für das laufende Jahr sei mit einer „Rückkehr auf den normalen Wachstumspfad“ zu rechnen, erklärte Caprano weiter. Es mehrten sich aber die Stimmen, die vor übertriebener Euphorie warnten. Der Verbandschef verwies auf Risiken wie die Wachstumsschwäche in europäischen Ländern sowie steigende Energie- und Rohstoffkosten.

Mit Blick auf die Mitte Februar beginnende Tarifrunde mahnte Caprano vor überzogenen Erwartungen. „Vielmehr ist zur nachhaltigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und damit der Beschäftigung weiterhin eine moderate Lohnentwicklung erforderlich.“

Umsätze kletterten 2010 um 12,5 Prozent

Die Produktion der klassischen Chemie sei 2008 um 5,7 Prozent und 2009 um 11,7 Prozent gesunken, berichtete Caprano. Im vergangenen Jahr sei sie wieder um 12,7 Prozent gewachsen. Die Umsätze kletterten 2010 um 12,5 Prozent.

In der von der Wirtschaftskrise weniger betroffenen pharmazeutischen Industrie sei die Produktion im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent gewachsen. Die Umsätze legten um gut vier Prozent zu. Caprano ging mit der Politik scharf ins Gericht. „Jetzt macht uns aber vor allem die aktuelle Gesetzgebungslage zur Regulierung des Arzneimittelmarktes erhebliche Sorgen.“ In Hessen würden mittelständische Firmen und große forschende Unternehmen angesichts der Zwangsabschläge mit Gewinneinbrüchen von bis zu 60 Prozent rechnen.

Bis Herbst würden mehr als 1 500 Auszubildende in der chemischen Industrie neu eingestellt, sagte Manfred Hoppe aus der Geschäftsleitung des Arbeitgeberverbands. Das seien sechs Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Hinzu kämen 110 Lehrstellenplätze in der kunststoffverarbeitenden Industrie.

Quelle: op-online.de

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