Choreograf Jacopo Godani setzt auf tänzerisches Handwerk

Ballett muss ausdrucksstark sein

Frankfurt - Jacopo Godani hat als Leiter der Dresden Frankfurt Dance Company das Erbe William Forsythes angetreten. Er sieht dem Neuanfang mit großer Zuversicht entgegen. Von Stefan Michalzik 

Jacopo Godani bezeichnet die Zeit beim Ballett Frankfurt als die wichtigste seines Lebens. -

Der zeitgenössische Tanz, sagt Jacopo Godani, habe sich in den vergangenen zwanzig Jahren weit vom Tanz wegentwickelt. Er selber hingegen wolle seine Tänzer stark in Bewegung bringen. Sie sollen sich mit ihrem Körper artikulieren, springen, ihre Beine einsetzen. Wenn es Voraussetzung sei, die handwerkliche Seite des Tanzes aufzugeben, in diesem Falle sei er an einer zeitgenössischen Ästhetik, an Avantgarde nicht interessiert. Den Begriff des Zeitgenössischen beansprucht der italienische Choreograf, der mit Beginn der gerade anlaufenden Spielzeit die Geschicke der nunmehr als Dresden Frankfurt Dance Company firmierenden vormaligen The Forsythe Company übernimmt, allerdings schon für sich und seine Arbeit.

Er geht aber anders vor. Mit den handwerklichen Techniken arbeiten und schauen: Was können wir damit noch machen. Natürlich seien die Bewegungen im Tanz kodifiziert, daraus folgt für ihn aber nicht, dass man sie nicht mehr benutzen könne. Auch die Sprache und das Alphabet, führt er als Vergleich an, sind Jahrtausende alt - und man verwende sie immer weiter.

Sein choreografischer Stil habe viel mit Ballett - in Unterscheidung zum Tanztheater - zu tun. „Es gibt Spitzenschuhe, es gibt Schönheit, aber auch Gewalt. Ich rede über alle Dinge in meinen Stücken.“ Athletisch, körperlich, expressiv: In diese Richtung müsse es gehen mit dem Tanz. „Sonst werden wir in zehn Jahren keinen mehr haben.“ In „The Primate Trilogy“, dem ersten Stück für die Compagnie, beschäftige er sich mit dem Menschen, der „ganz basic“ ist. Bei null anfangen könne er mit dieser Materie, und dann weitersuchen. Modellieren, wie bei einer Skulptur.

Welcher Choreograf für seine Entwicklung wichtiger gewesen ist - Maurice Béjart oder William Forsythe? Da muss er nicht nachdenken. „Forsythe natürlich!“ 1967 ist Godani in La Spezia geboren worden, mit dem Tanz hat er spät, mit 17 Jahren erst begonnen. Und sehr bald auch schon mit der Choreografie.

In Porträts wird er oft als Schüler von Maurice Béjart bezeichnet, das rückt er im Gespräch gerade. Die von Béjart gegründete Tanzschule Mudra in Brüssel habe er besucht, mit Béjart selber aber nichts zu tun gehabt. In Brüssel hat er für kurze Zeit eine eigene Gruppe gehabt, die neunziger Jahre hindurch ist er dann Tänzer beim Ballett Frankfurt von William Forsythe gewesen. „Das war die beste Erfahrung meines Lebens. Was ich jetzt bin, das habe ich diesen Jahren im Ballett Frankfurt zu verdanken. Zehn Jahre mit Bill - das war ein Lifestyle, kein Job. Das war Lebenserfahrung, das war Philosophie. Das hat mein Denken verändert.“

Ballett in der Kulturhalle

Klassiker aus dem Repertoire von William Forsythe wird Godani von der zweiten Spielzeit an mit der 14 Tänzer starken, ganz jung und vollständig neu besetzten Dresden Frankfurt Dance Company einstudieren. Die Entscheidung, das Ensemble unter einem neuem Namen auftreten zu lassen und ungeachtet der vorgesehenen Werkpflege nicht länger als The Forsythe Company ist gemeinsam mit den Kooperationspartnern von den Ländern Hessen und Sachsen und den Städten getroffen worden.

Nun als Dresden Frankfurt Dance Company neu anzufangen, sagt Godani, das sind gute Voraussetzungen. Natürlich verspüre er viel Druck vor der ersten Premiere Anfang Oktober, das mache ihm aber nichts aus. „Ich bin mir sicher, dass ich eine gute Arbeit liefere.“

Quelle: op-online.de

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