Circus Carl Busch gastiert am Ratsweg

Faszination der Manege

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Kraft und Akrobatik benötigt das Duo Serjo für seine atemberaubenden Hebefiguren.

Frankfurt - Es gibt inzwischen viele Zirkusvorstellungen, die sich von einem klassischen Programm weit entfernt haben. Immer mehr technisch hochgerüstete Manegen, Clowns mit Kettensägen oder Artisten auf Motorrädern sollen Zuschauer in Dauerspannung halten. Von Christina Lenz

Von diesen Auswüchsen spektakulärer Event-Kultur ist beim Zirkus Carl Busch wenig zu spüren. Wie seit Jahrzehnten sieht der Zuschauer hier die traditionellen Nummern mit Tieren, Artisten und Clowns. Seit diesem Jahr firmiert das bereits 111 Jahre alte Unternehmen unter dem Namen „Nationalcircus“, „um sich als traditionsreiches Original von anderen Zirkussen abzusetzen“, sagt Reto Hüter, Sprecher von Carl Busch. Einige der Erben des Gründers und ehemaligen Gewichthebers Carl Busch treten immer noch selbst in der Manege auf. Direktor Manuel Wille-Busch führt indische und afrikanische Elefanten durchs Zelt. Seine Frau Jamena Wille-Busch fliegt wie eine schimmernde Libelle an Vertikaltüchern durch eine scheinbar schwerelose Welt. Schwester und Juniorchefin Natascha Wille-Busch zeigt Dressuren mit schwarzen Arabern und weißen Friesen.

Die Clowns sind keine Stand-up-Comedians, sondern verkörpern Figuren aus der italienischen Theatertradition der Commedia dell’arte. Statt möglichst viele Lacher in kürzester Zeit zu provozieren, entfalten sich zwischen dem Weißclown und den zwei Augusten immer neue Sketche, Slapstick-Episoden und melancholisch-poetische Spiele mit einfachen Requisiten wie einer Lampe oder einem Glas Wasser. Erstmals seit zehn Jahren ist wieder ein kleines Orchester dabei, das die Musik live einspielt.

Bis heute umstritten, ist dagegen ein anderer traditioneller Programmpfeiler: die klassischen Tiernummern. Immer wieder muss sich der Zirkus gegenüber einer wütenden Schar von Tierschützern dafür rechtfertigen, dass er Elefanten, Kamele und zahlreiche Pferde mit auf seine Reisen von Stadt zu Stadt nimmt. Der Zirkus beteuert, wie so oft, dass viel für die Tiere getan werde. „Wir haben erst gerade ein neues Elefantenzelt angeschafft. Nun können sich die Tiere auch bei Regen im Freien aufhalten. Neue Transportwagen bieten außerdem mehr Platz beim Ein- und Ausladen“, so Hüter über die jüngsten Investitionen.

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Ohne schlechten Beigeschmack können die Zuschauer dagegen die Artistennummern genießen. Das Artisten-Duo Serjo formt durch pure Muskelkraft und akrobatisches Können Hebefiguren und Handstandvariationen. Jongleur Eric Munoz schleudert bis zu fünf Keulen und Teller mit einer Leichtigkeit und Schnelligkeit durch die Luft, die mitreißt. Jose Munoz aus Spanien tänzelt auf dem Drahtseil, springt durch Reifen, rückwärts und über spanische Flaggen als sei das dünne Seil ein fester Boden. Ihre Kunstfertigkeit erstaunt, fasziniert und amüsiert zugleich.

Der Circus Carl Busch gastiert noch bis 29. Juni auf dem Festplatz am Ratsweg (Eissporthalle) in Frankfurt. Tägliche Vorstellungen um 15.30 und 20 Uhr sowie sonn- und feiertags um 15 und 18.30 Uhr.

Quelle: op-online.de

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