Comeback des Elfenbeins steht bevor

Erbach - Können Besitzer von Elfenbeinschmuck ihre guten Stücke bald wieder ohne schlechtes Gewissen stolz herzeigen - oder im Odenwald sogar neue kaufen? Von Sabine Ränsch (dpa)

Eine Rückkehr des „weißen Goldes“ in den legalen Handel und eine Belebung des traditionellen Handwerks ist nach Ansicht der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) möglich.

Zwar ist der Handel mit den Elefanten-Stoßzähnen seit 20 Jahren international verboten, und das traditionelle Handwerk verarbeitet nur noch Altbestände oder ist auf Mammutzähne ausgewichen, aber inzwischen haben sich die Bestände der Dickhäuter in einigen afrikanischen Ländern so gut erholt, dass sogar wieder einige Tiere erlegt werden können.

Es gebe wieder beträchtliche Mengen an Elfenbein, sagt Stefan Ziegler, Artenschutzexperte beim World Wide Fund for Nature (WWF). Der WWF hatte sich jahrzehntelang vehement für ein Verbot des Elfenbein-Handels eingesetzt, um den unkontrollierten Abschuss der Dickhäuter zu stoppen, die in Afrika und Asien am Rand der Ausrottung standen.

„In ganz Europa ist Elefanten-Elfenbein stigmatisiert“

Im Oktober seien im südlichen Afrika 110 Tonnen Elfenbein an China und Japan verkauft worden, die von natürlich verendeten oder von einzelnen, gezielt erlegten Tieren stammten. Der Erlös komme Naturschutzprojekten zugute. Aus Sicht des WWF ist natürlich anfallendes Elfenbein eine wertvolle Ressource, die nachhaltig genutzt werden sollte. Hierzulande allerdings sei der Markt tot, sagte Ziegler. „In ganz Europa ist Elefanten-Elfenbein stigmatisiert.“

Die Artenschützer haben zwar die Elefanten gerettet, aber dafür die Zunft der Schnitzer fast ausgerottet. Nur noch eine gute Handvoll Werkstätten gebe es in Deutschland, sagt Jürgen Schott von der Elfenbeinschnitzer-Innung in Erbach. Er hat erhebliche Zweifel, ob das Gewerbe wieder auf die Beine kommt, das 1981 noch 40 Werkstätten ernährte. Sein eigener, seit 60 Jahren bestehender Betrieb habe früher 48 Angestellte beschäftigt, „heute sind wir nur noch zu zweit.“ Die Nachfrage in Deutschland sei durch die massiven Kampagnen der Naturschützer weggebrochen, der Export sei komplett verloren.

Zur Zeit gebe es noch genug Vorräte aus der Zeit vor dem Handelsverbot. Auf neues Elfenbein sei das Handwerk nicht angewiesen, zumal sich die russischen Mammutzähne als gute Alternative erwiesen hätten.

200-jährige Tradition

Das Deutsche Elfenbeinmuseum und der WWF stellten gestern in Erbach im Odenwald eine Broschüre über Geschichte und Zukunftsperspektiven der Elfenbeinschnitzerei vor. Nach wie vor bestehe die Möglichkeit, sich im Odenwaldkreis zum Elfenbeinschnitzer ausbilden zu lassen, heißt es darin. Fünf bis zehn Absolventen der Fachschule für die Verarbeitung von Holz und Elfenbein in Michelstadt gebe es jährlich, sie könnten sich nach der dreijährigen Lehre als Meister qualifizieren. Die meisten nutzten die Ausbildung heute als Zusatzqualifikation - etwa Architekten und Designer.

Auf 15 bis 20 Tonnen Elfenbein schätzt Museumsleiterin Barbara Simon den Bestand an Alt-Elfenbein im Odenwald, dessen Verarbeitung amtlich kontrolliert und registriert wird. Rund fünf Kilogramm verbraucht das Museum selbst pro Jahr. In dem 1966 gegründeten Museum, dem einzigen seiner Art in Deutschland, sind 2000 Exponate zu sehen.

Die Erbacher Elfenbeinschnitzerei hat eine 200-jährige Tradition. Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754­1823) hatte das Handwerk in der strukturschwachen Region angesiedelt. 1892 wurde die Großherzogliche Fachschule für Elfenbeinschnitzerei gegründet. Damals gab es in der Gegend 50 selbstständige Meister mit 150 Gesellen und Lehrlingen.

www.erbach.de/kultur/museum/

Quelle: op-online.de

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