Derbe Show für Christbaum-Allergiker

„Comedy goes X-mas“

Frankfurt - Schrille Nacht, laute Nacht, Schneewittchen, die sieben Weihnachtszwerge und drei weiße Pudel, oder: „Comedy goes X-mas“. Von Peter H. Müller

Impresario Bernd Reisig versammelt am ersten Weihnachtsfeiertag mal wieder die humoristische Lokalprominenz zur alternativen Weihnachts-Sause in der Jahrhunderthalle. Das bewährte, nicht ganz ernst gemeinte Motto: „Wir saufen uns die Verwandten schön!“ Allerdings gerät die schräge Show für Gänsebraten-Verweigerer und Christbaum-Allergiker zuweilen so dezent aus den Fugen, dass Alkohol wohl auch nur bedingt hilft.

Das Frankfurter Original Bernd Reisig, zuletzt vor allem als „Bembel und Gebabbel“-Talker auffällig, hat sich erneut ins Langohr-Kostüm geworfen - um mit einem illustren Ensemble und einer bunten Mixtur aus Standup-Comedy, Kabarett, Travestie und „Promi-Spektakel“ die Feiertags-Tristesse auszutreiben. Die Hauptdarsteller der knapp dreistündigen Klamauk-Fete: Comedian Johannes Scherer, der, wenn er nicht für FFH moderiert, mit Bühnenprogrammen wie „Dumm klickt gut“ unterwegs ist. Dann das Griesheimer Spaßpaket Woody Feldmann, die als knuffige Mixtur aus Hella von Sinnen und Bernhard Hoecker nicht nur den größten Teil des Abends in bestem „Hässisch internäschenell“ abarbeitet, sondern auch die Gesangseinsätze des Publikums zu dirigieren hat. Nebenbei gibt sie auch im eher unlustigen Promi-Theater um die „Schönste im ganzen Land“ ein ausnehmend lustiges Schneewittchen, das womöglich sogar die Gebrüder Grimm verzückt hätte - wäre da nicht mit hr-Moderator „Rosenrot“ Matthias Münch noch eine uneheliche Zwillingsschwester.

Zurück zu den Protagonisten, in deren Reihen schon letztes Jahr die Herren-Damen der Mühlheimer Travestie-Institution „Gerdas kleine Weltbühne“ glänzten. In 2015 am Start: Jürgen Preusch alias Jutta P., die wahlweise im Funkenmarie-Weihnachtsmann-Dress den „String Tanga stringelingeling“ besingt oder als vollblonde Confèrenciere für nett anzügliche Pointen sorgt - während Kollegin Rene unter anderem eine Aretha Franklin („Think“) tanzen lässt.

Weniger jugendfrei: Die „LSDAP“-Reichstagsrede der Frankfurter Klasse (Jochen Döring/Tim Karasch), die mit ihrer „Liebes Süchtigen Deutschen Amor Partei“ - seit 5.45 Uhr wird zurückgevögelt - das böse F-Wort munter überstrapazieren und Feingeister irritieren. Nun denn, am Ende muss es eh die gute Woody Feldmann richten, mit ihrem „Schneeballformer“ aus dem Baumarkt und putzigen Gags, die den Namen auch verdienen. Ach ja, da war noch die ziemlich verstrahlte Märchengeschichte um Schneewittchen und die sieben Weihnachtszwerge: Nee, bleiben wir freundlich zum Fest der Liebe, und decken darüber einfach mal den Mantel des Schweigens...

Quelle: op-online.de

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