Computer-Nerd bringt Schwester um

Gießen -  Zunächst schien der Fall klar: Ein Computer-Narr bringt seine Schwester um, weil sie ihm das Spielen verbieten will. Doch es ist komplizierter: Nicht der PC, sondern vor allem eine psychische Erkrankung spielte aus Sicht des Gerichts die entscheidende Rolle.

Probleme zu Hause und in der Schule, krank, keine Lösung: Weil sich ein 20-Jähriger in einer ausweglosen Situation wähnte, ist er aus Sicht des Landgerichts Gießen zum Mörder seiner Schwester geworden. Die Richter verurteilten den Mann, der an Schizophrenie leidet, am Donnerstag zu sieben Jahren Jugendstrafe.

Sie ordneten zudem dessen Unterbringung in einer Psychiatrie an. Nach Angaben der Vorsitzenden Richterin sei es lange „rätselhaft“ gewesen, warum der Schüler Ende März in Gießen die 23-Jährige mit zwei Messerstichen tötete.

Schuld die Schizophrenie nicht die Computersucht

Hintergrund sei seine erst jetzt entdeckte Erkrankung und nicht wie zunächst angenommen eine Computerspiel-Sucht. Die liege gar nicht vor. Der Angeklagte, der wegen seiner Krankheit als vermindert schuldfähig gilt, hatte die Tat zu Beginn des Prozesses im September gestanden. Das Urteil lautet auf Mord aus Heimtücke. Der 20-Jährige hatte seiner Schwester hinter einer Tür aufgelauert und dann auf sie eingestochen. Die Staatsanwaltschaft hatte zudem das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe gesehen.

Dem folgte die Kammer aber nicht. Er habe sich von seiner Schwester und deren Anforderungen - etwa gut in der Schule sein zu müssen - in die Enge getrieben gefühlt, sagte die Vorsitzende. „Der auf ihm lastende Druck und die für ihn als vollkommen ausweglos erscheinende Lebenssituation brachten ihn zu der Tat.“ Der 20-Jährige lebte mit seiner Schwester gemeinsam in einer Wohnung in Gießen.

 Die Familie stammt von den Philippinen, wo auch die Mutter lebt. Der Vater, der in Wetzlar wohnt, kümmerte sich nicht um den Sohn. Daher sorgte die 23-Jährige als eine Art Vormund für den Angeklagten. Die Probleme begannen im Jahr 2009: Er schwänzte immer öfter die Schule und spielte lieber stundenlang Computer. Schließlich besuchte er gar nicht mehr den Unterricht, ein Schulverweis drohte.

Der Angeklagte hatte nach den Worten des Staatsanwaltes wenige Tage vor der Tat konkret geplant, seine Schwester bei „passender Gelegenheit“ umzubringen. Die schien ihm Ende März gekommen: Er hielt sich in seinem Zimmer versteckt und lauerte der 23-Jährigen mit dem Messer in der Hand hinter der Tür auf. Als sein Opfer auf der Suche nach ihm ins Zimmer kam, griff er sie an. Ein Stich traf die Lunge, einer den Hals. Binnen Minuten war die 23-Jährige tot.

dpa

Quelle: op-online.de

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