Computerspielsucht: Sie können einfach nicht mehr anders

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Abgeschottet: Einer Studie zufolge sind 2 700 Jugendliche in Hessen abhängig von Computerspielen oder zumindest stark gefährdet. Sie vernachlässigten soziale Kontakte, Familie, Freunde, Schule und Beruf völlig.

Frankfurt - (dpa) Etwa 1 000 Jugendliche in Hessen sind nach Einschätzung der Techniker-Krankenkasse abhängig von Computerspielen. Dazu kommen noch einmal 1 700 gefährdete Jugendliche, die allermeisten von ihnen sind Jungen. Das teilte die Krankenkasse gestern in Frankfurt unter Berufung auf eine Studie mit.

Fast jeder sechste 15-Jährige verbringt demnach täglich mehr als 4,5 Stunden mit Computerspielen. Drei Prozent der Jungen in den neunten Klassen gelten der Studie zufolge als abhängig. „Gerade online-Rollenspiele wie ‘World of Warcraft‘, die fast ausschließlich von Jungs und Männern gespielt werden, haben ein hohes Suchtpotenzial“, sagte der Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS), Wolfgang Schmidt. „Mädchen und Frauen hingegen verbringen übermäßig viel Zeit in Chatforen oder mit online-Shopping.“

Zwei Broschüren mit den Titeln „Ständig Stress um den PC“ und „PC- Dauerfeuer“ sind bei der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen erhältlich. Sie können im internet heruntergeladen werden: www.hls-online.org

Die Symptome der Computerspielsucht seien ähnlich wie bei anderen Süchten. „Die Betroffenen können einfach nicht mehr anders, sie müssen spielen. Tun sie es nicht, leiden sie an Entzugserscheinungen wie etwa Schlafstörungen und Nervosität“, sagte Schmidt. Die Jugendlichen vernachlässigten zudem soziale Kontakte, Familie, Freunde, Schule und Beruf völlig. Alltägliche Dinge wie Essen und Körperhygiene würden nebensächlich.

Viele Eltern fühlten sich wegen der ihnen fremden technischen Möglichkeiten der Computerspiele überfordert und hätten Schwierigkeiten, ihren Kindern in der Mediennutzung kompetent zur Seite zu stehen, sagte Nadine Müller von der Techniker-Krankenkasse.

Quelle: op-online.de

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