Virus-Hotspots

Corona in Deutschland: Volker Bouffier hält Ausgangssperren in Hotspots für notwendig

Karl Lauterbach fordert schärfere Corona-Maßnahmen in Deutschland. Hessens Ministerpräsident Bouffier fordert Ausgangssperren in Corona-Hotspots. Der News-Ticker.

  • An Schulen und Kitas in Deutschland kommt es häufig zu Corona*-Ausbrüchen.
  • Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnt vor den Feiertagen – und fordert schärfere Corona-Maßnahmen.
  • Hessens Ministerpräsident Volker Boufiier spricht sich für Ausgangssperren in Hotspots aus.

+++ 19.12 Uhr: Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen, plädiert für strengere Kontaktbeschränkungen in Corona-Hotspots in Deutschland mit hohen Inzidenzwerten von 200 und mehr. „Deshalb glaube ich, dass eine Ausgangssperre dort, wo nachhaltig über 200 Inzidenzen sind, notwendig ist. Aber das muss man immer in der jeweiligen Situation entscheiden“, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend (6.12.2020) in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Auch werde man manches verbieten müssen, „zum Beispiel Alkoholverkauf oder Alkoholnutzung in der Öffentlichkeit“.

Corona-Krise in Deutschland: Bouffier hält Ausgangssperren in Corona-Hotspots für sinnvoll

Bouffier sprach sich für ein regional differenziertes Corona-Vorgehen in Deutschland aus. „Wenn ich unser Bundesland nehme, dann haben wir in Offenbach eine sehr hohe Inzidenz, in anderen Gegenden nicht. Da macht es ja keinen Sinn, landesweit so etwas zu machen“, sagte der Ministerpräsident.

Er bleibe bei der Linie: „Dort, wo ein sehr heftiges Geschehen ist, müssen wir gegebenenfalls immer weiter einschränken. Sie müssen auch über die Frage reden, ob Sie die Geschäfte offenhalten. Das wollen wir eigentlich. Aber viel mehr andere Möglichkeiten haben Sie nicht mehr. Und deshalb glaube ich, dass eine Ausgangssperre vernünftig ist.“

+++ 16.35 Uhr: SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach fordert schärfere Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Den „Lockdown Light“ sieht er als misslungen: „Der bisherige Lockdown hat zwar das exponentielle Wachstum gebremst, aber das ist nur ein halber Erfolg – vor allem, weil die Feiertage noch vor uns liegen“, sagte Lauterbach dem „Tagesspiegel“. Er hofft auf eine Konferenz der Ministerpräsident:innen, möglichst noch kommende Woche. Sollten keine strikteren Corona-Maßnahmen beschlossen werden, „haben wir Ende Januar noch einmal zusätzlich 25.000 Tote“, warnt der Mediziner. „Das dürfen wir nicht zulassen.“

Corona in Deutschland: Warnt vor einer dritten Welle nach Silvester

Wenn man den „Lockdown Light“ nicht für striktere Maßnahmen aufgebe, würde Deutschland aus der derzeitigen Lage der Corona-Pandemie „nie herauskommen“. Weder für die Wirtschaft, noch die Menschen habe dies positive Auswirkungen. Konkret fordert Lauterbach, die Weihnachtsferien vorzuziehen, bis weit ins neue Jahr zu verlängern und Geschäfte zumindest nach Weihnachten zu schließen, um bald eine 7-Tage-Inzidenz von 50 zu erreichen. „Mit anderen Mitteln geht es nicht“, schrieb er auf Twitter. Auch Partys zum Jahreswechsel sieht Karl Lauterbach höchst kritisch: „Von der Idee, Silvester wie geplant zu feiern, sollten wir uns auch verabschieden. Das ist ein typisches Alkoholfest, in der Pandemie wäre das unerträglich und könnte sogar eine dritte Welle einleiten“, erklärte er.

Coronavirus: Karl Lauterbach fordert schärfere Maßnahmen in Deutschland

Bayern ruft derweil erneut den Katastrophenfall aus. Angesichts hoher Infektionszahlen wird in schwer betroffenen Regionen zudem eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Sie soll ab einer 7-Tage-Inzidenz von 200 greifen, wie Ministerpräsident Markus Söder am Sonntag mitteilte. Auch der Präsenzunterricht an Schulen wird ab Mittwoch deutlich eingeschränkt. Die Klassen sollen geteilt und im Wechsel unterrichtet werden.

Coronavirus: Olaf Scholz plant finanziellen Schutzschirm für Veranstaltungen

Update vom Sonntag, 06.12.2020, 08.30 Uhr: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) plant einem Medienbericht zufolge eine staatliche Kosten-Übernahme für Veranstaltungen, die in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden müssten. Er wolle die Konzertveranstalter mit dieser Maßnahme ermutigen, jetzt wieder loszulegen, sonst sei die Pandemie irgendwann vorbei und es fänden trotzdem keine Konzerte mehr statt, sagte Scholz in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“.

Die Bundesregierung wolle alle Aufwendungen abrechnungsfähig machen, „die in optimistischer Erwartung getätigt wurden und sich wegen Corona-Restriktionen nicht realisieren lassen“, sagte Scholz. „Wer jetzt solche Veranstaltungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 plant, die dann wider Erwarten doch abgesagt werden müssen, soll dafür Ersatz bekommen.“ Durch die Maßnahme solle „auch die ganze Maschinerie mit den vielen Soloselbständigen und Musikern wieder in die Gänge“ kommen.

Zudem arbeite er an einem Förderprogramm, das Kulturveranstaltungen unterstützen soll, die wegen der Corona-Restriktionen nur von einem beschränkten Publikum besucht werden können und daher nicht wirtschaftlich sind.

Spahn rechnen bis Sommer 2021 mit Massenimpfungen gegen das Coronavirus

+++ 20.22 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit Massenimpfungen gegen das Coronavirus bis zum Sommer 2021. „Stand heute bin ich sehr optimistisch, dass es spätestens im Sommer Massenimpfungen geben wird“, sagte der CDU-Politiker am Samstag (5.12.2020) dem Nachrichtenportal „t-online“. Nach derzeitigem Wissensstand gehe er davon aus, dass „wir im Sommer auch flächendeckend in den Arztpraxen impfen können.“

Insgesamt gebe es fünf Kandidaten, „die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bis zur Jahresmitte zugelassen werden: Neben den Produkten von Biontech und Moderna auch die von Curevac, Astra Zeneca und Johnson & Johnson.“ Auf die Frage, ob Deutschland im nächsten Herbst 2021 mit dem Gröbsten durch sei, antwortete Spahn: „Wenn möglichst viele das Impfangebot wahrnehmen: ja.“

Corona-Krise in Deutschland: Spahn schließt stärkere Beschränkungen vor Weihnachten nicht aus

Millionen Menschen könnten allerdings bereits im Frühjahr durch Corona-Impfungen immunisiert sein, sagte Spahn. Bis Ende März seien „für Deutschland 11 Millionen Dosen allein von Biontech realistisch“. Auf die Frage, wer zuerst geimpft werde, antwortete Spahn: „Das klären wir in der kommenden Wochen auf Basis der Expertenempfehlungen. Wir müssen die Balance zwischen ethischem Grundsatz und Praktikabilität finden.“

Dass es vor Weihnachten noch stärkere Beschränkungen der Kontakte gibt, wollte Spahn nicht ausschließen. „Wie sich die Pandemie entwickelt, wie viele Menschen mit Corona Weihnachten auf den Intensivstationen liegen, entscheidet sich kommende Woche“, sagte der CDU-Politiker

Corona-Pandemie in Deutschland: Jens Spahn rechnet mit Verteilungskonflikten

In einer Online-Diskussion äußerte sich Spahn in Berlin auch nochmals zu möglichen Corona-Impfungen im Januar. Laut dem Deutschlandfunk schätzt Spahn, dass es im Januar drei Millionen Impfdosen geben wird. Die Zahl an Menschen, die sich impfen lassen wollen, könnte aber im zweistelligen Millionenbereich liegen. Man werde harte Entscheidungen treffen müssen, wer zuerst an die Reihe käme, so Spahn.

Corona-Lage in Deutschland Mediziner befürchten dritte Welle nach Weihnachten

Update von Samstag, 5.12.2020, 16.08 Uhr: Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Deutschland sind derzeit recht streng, doch an Weihnachten und Silvester werden die Regelungen gelockert. Mediziner sehen das kritisch und warnen vor der Gefahr einer dritten Corona-Welle.

„Zehn Personen aus bis zu zehn Haushalten zuzulassen, erscheint mir zu freizügig, gerade an Silvester, wo ein solches Szenario ja – anders als am Weihnachtsabend – durchaus nicht unrealistisch ist“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGÄI). Bernhard Zwißler, der dpa. „Hier könnte eine dritte Welle wieder Schwung nehmen.“

Mediziner fürchten eine dritte Corona-Welle nach Weihnachten in Deutschland (Symbolbild).

Corona-Krise in Deutschland: Lage in Krankenhäusern bleibt bedenklich

Der Teil-Lockdown in Deutschland zeige Wirkung, wenngleich langsamer und weniger stark als erhofft. „Es sieht momentan so aus, als würde sich die Situation etwas beruhigen. Die Situation ist allerdings höchst fragil“, sagte der Leiter der Klinik für Anästhesiologie am LMU Klinikum der Uni München. Der Scheitel der zweiten Corona-Welle im Hinblick auch auf die Zahl stationär behandelter Patienten und Intensivpatienten scheine dieser Tage erreicht zu sein. „Ich gehe davon aus, dass die Zahlen hier in den nächsten Wochen bis Weihnachten weiter langsam sinken werden.“

Dennoch bleibe die Corona-Lage bedenklich. „Bei uns am Klinikum sind zwei komplette Intensivstationen nur mit Covid-Patienten belegt; andere Städte in Deutschland sind noch stärker betroffen.“ Derzeit müssten in Deutschland immer noch deutlich mehr Patienten intensivmedizinisch versorgt werden als in der Spitze im Frühjahr.

Corona in Deutschland: Jens Spahn will Selbsttests für Schulen und Kitas - Verbände warnen

Erstmeldung von Donnerstag, 3.12.2020: Berlin - Lehrkräfte und Erzieher:innen sollen sich nach einer entsprechenden Schulung künftig auch selbst auf das Coronavirus testen dürfen. „Kitas und Schulen beziehungsweise ihre Träger können von Freitag an eigenständig Schnelltests beziehen und nutzen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Dies bedeute, dass Lehrerinnen und Lehrer „sich regelmäßig selbst testen dürfen“.

Möglich wird das nach Angaben seines Ministeriums durch die kürzlich beschlossenen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes und durch eine Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung, die an diesem Freitag (04.12.2020) in Kraft tritt. Bislang dürfen Antigen-Schnelltests nur von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden. Neben den Selbsttests soll es auch möglich sein, dass Schulträger bei Bedarf mit geschultem Personal Tests vor Ort durchführen. In den vergangenen vier Wochen habe es wöchentlich rund 64 Corona-Ausbrüche an Schulen gegeben, hieß es.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Corona-Selbsttests an Schulen und Kitas einführen. (Symbolbild)

Jens Spahn will Corona-Selbsttests an Kitas und Schulen

Hier stellen sich nun wichtige Fragen: Wer soll Lehrer oder Kita-Personal dafür eigentlich schulen? Wann könnte es damit losgehen? Und wie kommen die Schulen und Kitas überhaupt an die Tests, wer soll diese wo bestellen? Bisher sind diese Fragen unbeantwortet. Die konkrete Umsetzung liege in der Zuständigkeit der Bundesländer, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die Pläne Spahns stoßen allerdings auf Skepsis: Massive Warnungen vor Selbsttests kamen vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte und von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. „Die Sensitivität sämtlicher Corona-Tests hängt ganz entscheidend von der Qualität der Abstrichentnahme ab“, erklärten die Präsidenten der beiden Verbände. „Unsachgemäß durchgeführte Testungen durch Laienhände bergen das Risiko falsch-negativer Testergebnisse“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Corona-Selbsttests an Kitas und Schulen bergen Risiken

„Getestete Personen mit einem falsch-negativen Testergebnis erhöhen das Risiko der Ausbreitung des Corona-Virus. Wenn sich jemand in Sicherheit wähnt, nicht infiziert zu sein, verhält er sich in der Regel unvorsichtiger als vor dem Test. Genau dies kann zu gefährlichen Clusterbildungen und Super-Spreader-Ereignissen führen“, warnten die HNO-Ärzte weiter. Wenn schon Laien für Abstrichentnahmen eingesetzt werden sollten, müssten diese zumindest zuvor „durch sachkundige Ärzte intensivst geschult werden“, drängten die Ärzte. Sinnvoller als Selbsttests sei es jedoch, Schulen so auszustatten, dass Hygiene-Konzepte dort überhaupt eingehalten werden könnten.

Vorbehalte äußerte auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Hier würden von der Politik Erwartungen geweckt, „die von den Schulen nicht eingelöst werden können, weil die notwendigen Ressourcen schlicht nicht vorhanden sind“, erklärte der Verbandsvorsitzende Udo Beckmann. Voraussetzung sei zumindest eine flächendeckende Ausstattung der Schulen mit Gesundheitsfachkräften, die über eine Ausbildung in Krankenpflege verfügen müssten. Der VBE wandte sich zudem strikt dagegen, dass womöglich Lehrkräfte ohne Fachausbildung Tests an Schülerinnen und Schülern vornehmen sollten.

Corona-Selbsttests: RKI-Chef schlägt Hygienebeauftragte an Schulen und Kitas vor

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betrachtet das Ganze mit gemischten Gefühlen. Spahns Vorschläge könnten helfen, die Corona-Testung zu vereinfachen, sagten die für Schule und Kita zuständigen GEW-Vorstandsmitglieder Ilka Hoffmann und Björn Köhler der dpa. „Der freie Zugang zu den Tests ist aber kein Ersatz für die Hygiene- und Gesundheitsschutzregeln, die das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt“, fügten sie hinzu. Tests schützten nicht vor Infektionen.

RKI-Präsident Lothar Wieler schlug am Donnerstag vor, Hygienebeauftragte an den Schulen zu benennen, die sich dann um solche Selbsttests kümmern könnten. „Es wäre am besten, wenn ein bestimmter Lehrer zum Hygienebeauftragten ernannt würde, dieser natürlich auch entsprechend weitergebildet wird von den lokalen Behörden, um dann diese Tests sinnvoll einzusetzen.“ Dazu bedürfe es einer gewissen Kenntnis, aber das sei wirklich machbar, fügte Wieler hinzu.

Fakt ist: Auch Corona-Schnelltests sind nicht einfach zu handhaben. Genau wie bei den herkömmlichen PCR-Tests* muss für einen aussagefähigen Abstrich ein Wattestäbchen tief in die Nase eingeführt werden. Anschließend wird die Probe in ein Röhrchen mit einer Lösung gesteckt. Die Flüssigkeit wird dann auf ein Testkit getropft, das ähnlich aussieht wie ein Schwangerschaftstest. Ein Ergebnis liegt je nach Hersteller in 15 bis 30 Minuten vor. (ial mit dpa und AFP) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

In Darmstadt hat das Unternehmen R-Biopharm einen neuartigen Corona-Schnelltest entwickelt. In einer hessenweiten Schulstudie* wird er erstmals verwendet.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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