Corona in Kassel

Bringt das die Rettung? Deshalb kostet eine Art Klopapier in Hessen jetzt 50 Euro pro Blatt

In Kassel greift man während der Corona-Krise zu besonderen Mitteln. Um die Kulturszene zu retten, wird jetzt Klopapier für 50 Euro pro Blatt verkauft. (Symbolbild)
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In Kassel greift man während der Corona-Krise zu besonderen Mitteln. Um die Kulturszene zu retten, wird jetzt Klopapier für 50 Euro pro Blatt verkauft. (Symbolbild)

Während der Corona-Krise greift man in Kassel zu besonderen Mitteln. Um die Kulturszene zu retten, wird jetzt Klopapier für 50 Euro pro Blatt verkauft.

  • Das Coronavirus breitet sich in der Region Kassel aus.
  • Künstler und andere Kunstschaffende sind von Veranstaltungsabsagen stark betroffen.
  • Eine Aktion mit dem bekannten Cartoonisten Gerhard Glück soll nun der Kulturszene inKassel helfen.

Kassel – In dieser Rubrik sammeln wir Initiativen, die zeigen, dass das Leben trotz Corona weitergeht. Wenn Sie ein Projekt für „Wir stehen zusammen“ kennen, schreiben Sie uns.

Karikatur gegen Corona: Klopapier soll Kultur in Kassel helfen

Vielleicht hat das Hamstern von Klopapier doch noch etwas Gutes. Der Verein Kulturbahnhof hat daraus nämlich eine ungewöhnliche Aktion gemacht, die die heimische Kultur retten könnte. Er hat beim Kasseler KarikaturistenGerhard Glück eine Zeichnung in Auftrag gegeben. Der 75-Jährige, der einer der bekanntesten deutschen Cartoonisten ist, fertigte eine Klopapierrolle im Bilderrahmen an, darunter den treffenden Spruch: „Ohne Kultur isses für’n Arsch!“.

Klopapier für 50 Euro – limitiert auf 3643 Stück: Das Toilettenpapierkunstwerk des Kasseler Künstlers Gerhard Glück (Tinte, gestempelt auf Zellstoff, 95 x 115 mm).

Martin Sonntag (Caricatura) und seine Kollegen aus dem Kulturbahnhof werden die Zeichnung auf jeweils ein Blatt Toilettenpapier drucken. Für 50 Euro kann man das auf 3643 Stück limitierte Kunstwerk kaufen. So könnten insgesamt 182.150 Euro für die Kasseler Kultur zusammenkommen.

Corona in Kassel: Klopapier-Gemälde soll helfen, Kultur zu retten

Eine unabhängige Jury wird das Geld als Förderung an Kulturschaffende der Stadt vergeben, „denen das Wasser in der Krise bis zum Hals steht“ – ob Musiker, Tänzer oder Künstler. Für Kulturdezernentin Susanne Völker zeigt sich in der Initiative „die Bedeutung der freien Szene für Kassels Kultur“. Sie ruft auf, am besten gleich für mehrere Blätter zu spenden, „denn seit der Corona-Krise wissen wir eins über Toilettenpapier: Viel hilft viel.“

Cartoonist Glück bekommt in diesen Tagen viele Anfragen, etwas Lustiges zum Thema zu machen – und er hat Bedenken, sie anzunehmen angesichts des Leids. „Ich gehöre selbst zur Risikogruppe. Diese Zeichnung könnte meine letzte sein“, sagt er mit Galgenhumor. Beim Kulturbahnhof hat er zugesagt, weil die Aktion vielen helfen wird.

Sonntag hat derweil ausgerechnet, dass man für 3643 Blätter 16 Rollen benötigt: „Unser größtes Problem ist es, noch genügend Klopapier zu bekommen.“ Das Kunstklopapier gibt es bis zum 20. Mai auf: startnext.com/kultur-spenden-kassel

Komische Care-Pakete für Corona-Krise in Kassel

Die Caricatura liefert nun „Home Care-Pakete“ aus. Damit will die Galerie im Kulturbahnhof die Menschen mit „Komischer Kunst für Zuhause“ versorgen. So gibt es etwa für 50 Euro das „Titanic“-Paket, in dem man alles zur jüngsten Ausstellung über das Satiremagazin findet – in der Caricatura-Tasche stecken das Jubiläumsbuch, zwei Postkarten sowie eine „Titanic“-Ausgabe. Bestellungen über caricatura.de

Corona macht Kultur in Kassel zu schaffen: Künstlerische Werbung

Aus Kunst ist Werbung für Nachbarschaftshilfe geworden. Die Corona-Krise hat auch bei dem Kunstprojekt „Hier im Quartier“ viel verändert: Das Projekt des Kulturzentrums Schlachthof hatte vor, auf einem Plakat am Wesertorplatz Kunst auszustellen. „Menschen sollten zusammengebracht und dadurch Austausch gefördert und Nachbarschaften gestärkt werden“, sagt Gerrit Retterath, der das Projekt mit Tanja Simonovic leitet. 

Doch da das Kontaktverbot ein Zusammenbringen verhindert, musste eine neue Verwendung für die Plakatfläche her. „Jetzt werben wir dort für Nachbarschaftshilfe. Dazu nutzen wir auch unsere Facebook- und Instagram-Seiten, zum Beispiel, indem wir die Frage stellen: Was würdest du deiner Oma vom Supermarkt mitbringen?“, sagt Retterath.

Von Matthias Lohr und Fabian Becker

Lesen Sie allen News zum Coronavirus in Kassel in unserem Ticker. 

Auch Kassels Tätowierer bleiben während Corona kreativ und verkaufen ihre Zeichnungen jetzt als Tattoos zum Kleben im Internet. 

Eine weitere Kunstaktion aus Kassel in Corona-Zeiten hat eine Händchenhaltverlängerung entwickelt, berichtet hna.de*.

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