Coronavirus Testzentrum in Frankfurt

Tausende Hessen wollen sich auf Corona testen lassen - Ansturm auf Testzentren ist hoch

coronavirus-frankfurt-krankenhaus-buergerhospital-testzentrum-ansturm-hoch-zr
+
Tausende Hessen wollen sich auf das Coronavirus testen lassen: Der Ansturm auf die Zentren bleibt hoch.

Das Bürgerhospital in Frankfurt kann maximal 200 Corona-Untersuchungen pro Tag durchführen. Doch es kommen Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Corona-Tests auf.

  • Auf Testzentren für das Coronavirus in Frankfurt gibt es einen hohen Andrang
  • So auch im Zentrum an der Richard-Wagner-Straße
  • Hier können maximal 200 Personen pro Tag getestet werden

Update vom 19.03.2020, 12.46 Uhr: Der Ansturm auf die Corona-Testzentren bleibt weiterhin hoch. Das Bürgerhospital in Frankfurt bekommt nach wie vor viele Anrufe, ob es möglich sei, dort einen Test auf das Coronavirus durchführen zu lassen. Regelmäßig stehen auch noch Menschen vor der Tür, die sich im Krankenhaus testen lassen wollen. Das Bürgerhospital erklärt, es führe selbst keine Tests durch, das Testzentrum befindet sich um die Ecke in der Richard-Wagner-Straße.

Corona: Situation in Testzentren nach wie vor angespannt 

Nach Informationen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, habe sich die Situation in den Frankfurter Testzentren in den letzten zwei Tagen zwar ein wenig entspannt, von einem allgemeinen Trend kann man aber nicht sprechen. Jeder Tag sei anders. In allen 16 Testzentren in Hessen führt die Kassenärztliche Vereinigung täglich 1200 bis 1500 Corona-Tests durch.

Coronavirus: Tests sind nur sinnvoll, wenn Indikationen bestehen

Nach wie vor gilt, dass nur nach Indikationen, getestet wird. Karl Matthias Roth, Sprecher der KV-Hessen appelliert, dass man sich unbedingt an den Kriterien des Robert-Koch-Instituts orientieren soll und nicht mit jedem Schnupfen in ein Testzentrum kommt. 

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, sich zu informieren und gegebenenfalls einen Test zu veranlassen, wenn Symptome einer Atemwegserkrankung auftreten und

  • Kontakt zu einer nachweislich mit SARS-CoV-2 infizierten Person bestand.
  • man sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat
  • eine Vorerkrankung besteht oder die Symptome schlimmer werden (hohes Fieber, Atemnot etc.)
  • man bei der Arbeit oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit mit Menschen in Kontakt kommt, die ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen haben (z.B. Krankenhaus oder Altenpflege)

Keine Kapazität und kein Anlass für Massen-Tests

Es gebe nach wie vor drei Wege, um die Notwendigkeit eines Corona-Tests zu überprüfen. Mit einem Anruf beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117), bei seinem zuständigen Gesundheitsamt oder seinem Hausarzt, kann man sich beraten lassen und feststellen, ob ein Test auf das Coronavirus sinnvoll ist, oder eher nicht. Für Massen-Tests fehlen schlichtweg die Kapazitäten und sie sind vermutlich auch nicht sinnvoll.

Neuigkeiten und Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie in Hessen gibt es in diesem News-Ticker

Lange Schlange vor Testzentrum in Frankfurt

Erstmeldung vom 17.03.2020: Die Botschaft ist deutlich und gleich vierfach an der Pforte angebracht: „Kein Einlass für Personen, die nach dem 27. Februar in einem Risikogebiet waren.“ Menschen mit dem Verdacht auf das Coronavirus sind im Frankfurter Bürgerhospital nicht willkommen. Das „Test-Center“ ist um die Ecke in die Richard-Wagner-Straße ausgelagert. Dort stehen am späten Vormittag gut zwei Dutzend Personen und warten darauf, getestet zu werden.

Coronavirus in Frankfurt: Testzentrum ausgelagert

Am Ende der Schlange steht Jörg Schönewolf. „Ich war gestern schon mal da“, sagt er durch seine Atemschutzmaske. Doch derAndrang war zu groß. Jetzt hat er mehr Glück und eine der 200 Nummern für diesen Dienstag zugewiesen bekommen. Er war bis Freitag mit rund 100 Kindern einer Frankfurter Schule als Betreuer im österreichischen Neukirchen am Großvenediger. „Das ist eigentlich kein Risikogebiet, aber Tirol und der Brenner sind nicht weit“, sagt Schönewolf, der bei sich „leichte Erkältungssymptome“ ausgemacht hat. Er will auf Nummer sicher gehen, zu Hause hat er eine 93-jährige Schwiegermutter.

Coronavirus in Frankfurt: Hoher Andrang auf Testzentrum

ERSTER TODESFALL

Erstmals ist in Hessen  ein Mensch an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 gestorben. Es handele sich um einen Patienten, der stationär in einer Wiesbadener Klinik behandelt worden sei, teilte die Stadt Wiesbaden am Dienstagabend mit. (dpa)

In der Richard-Wagner-Straße tauchen weitere Menschen auf, die auf Nummer sicher gehen wollen,doch nicht jeder wird an diesem Tag drankommen. Die Stimmung ist nicht gerade überschwänglich. Zwei Polizisten mit Mundschutz stehen Rede und Antwort. „Sie können heute nicht mehr getestet werden“, sagt einer von ihnen einem Neuankömmling. 200 Personen am Ta g, mehr Kapazität gibt es für die Tests am Bürgerhospital nicht. 

Testcenter für Coronavirus in Frankfurt: Begrenzte Kapazität

Wer am Dienstag darunter sein wollte, musste bis etwa 9 Uhr vor Ort sein, mancher stand schon um 8 an. Das nächste Testzentrum sei an der Uniklinik. „Aber da ist es eher noch voller“, sagt einer der Polizisten.

In der Warteschlange ist kaum Bewegung. Viele tragen einen Mundschutz, manche einen Schal vor dem Gesicht. Der Einlass erfolgt über eine große Zufahrt. Jemand vom Klinikpersonal kommt jetzt auf die Straße, wohl, um mal die Lage zu sondieren. Als er einem Pärchen eröffnet, dass es heute nicht mehr getestet werde, schimpft der Mann. „Wir wurden doch telefonisch hierher geschickt.“

Testcenter für Coronavirus in Frankfurt: Testzeiten zwischen 9 und 13 Uhr

Theoretisch sind die Tests zwischen 9 und 13 Uhr möglich. Und die Hotline scheint keine Rückmeldung zu erhalten, wann die Kapazitäten erschöpft sind. Nicht ganz klar ist auch, wie die Personen die Testergebnisse erfahren. Ein Polizist hilft: „Wenn sie bis Freitag nicht angerufen werden, sind sie negativ.“ Gewissheit sieht anders aus.

Hohe Auslastung im Testzentrum für Coronavirus in Frankfurt

DER WEG ZUM TEST

Wer Symptome aufweist, kann sich testen lassen. Bedingung: Er oder sie war nach Definition des Robert-Koch-Instituts in einem Risikogebiet oer hatte Kontakt zu einer infizierten Person und wird dorthin bestellt.

Ein Anruf unter der 116 117 bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist zuvor zwingend notwendig. Dort wird eingeschätzt, ob ein Test sinnvoll ist.
Das Ergebnis ist laut KV in der Regel nach 24 Stunden da. Weitergeben sollten es die Gesundheitsämter. Doch auf Nachfrage räumt ein KV-Sprecher ein: „Wir können nicht ausschließen, dass die Gesundheitsämter – womöglich aufgrund der hohen Anzahl an Tests – nur noch Ergebnisse mit positivem Befund mitteilen.“ jur

Das Testcenter am Bürgerhospital ist eines von insgesamt 16, die die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen betreibt. Der Andrang ist laut KV-Sprecher Karl Roth „von Tag zu Tag unterschiedlich“. Den größten Ansturm verzeichneten die beiden Frankfurter Zentren. Dass Leute auf den nächsten Tag vertröstet werden müssten, liege auch daran, dass Leute einfach vorbeikämen – ohne medizinische Indikation. Für ausgedehntere Öffnungszeiten fehle im Übrigen das Personal.

Die Center sind einzig für jene Bürger gedacht, die dorthin geschickt wurden. Eigentlich ist die KV-Telefonnummer 116 117 die der Termin-Servicestelle und des Ärztlichen Bereitschaftsdiensts. Doch zurzeit geht es in den Gesprächen nahezu ausschließlich um Corona. Die Drähte glühten, sagt Roth: „Am Freitag hatten wir über 6000 Anrufer.“ Das seien mindestens 1000 mehr als sonst in einer ganzen Woche.

Ausweichmöglichkeiten zum Testzentrum für Coronavirus in Frankfurt

Wer die Möglichkeit hat, weicht aus. So wie FR-Leserin Barbara H. aus Frankfurt, die nicht stundenlang am Bürgerhospital Schlange stehen wollte und deshalb nach Hofheim auswich. Was wiederum Unmut beim zuständigen Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU) auslöste: Von rund 100 Personen seien am Montag Abstriche genommen worden. „Darunter viele Menschen aus Wiesbaden, Groß-Gerau und anderen Nachbarkreisen.“ Der Kreis stelle Räume, Geld und Personal, sagt der Landrat: „Dann muss die Regel gelten: ,MTK first’.“

Dass Gesundheitsämter die Arbeit in den Centern unterstützen, sei nicht überall selbstverständlich. „Wir könnten davon mehr bekommen“, sagt Roth. Doch als Betreiberin bestimme die KV, wer dort getestet werde, nicht der Landrat.

Testzentrum für Coronavirus in Frankfurt: Ist der Aufwand gerechtfertigt?

Unterdessen kommen die ersten Zweifel auf, ob der Aufwand gerechtfertigt ist: In den allermeisten Fällen laufe das Virus als harmloser grippaler Infekt ab. Auch gebe es keine spezielle Therapie und auch keine Impfung, teilte der Wetteraukreis mit, in dem kein KV-Center existiert. „Die Tests ergeben keinen Sinn, da sie keine medizinische Konsequenz haben.“ Auch die Kontakte zu bestätigten Fällen oder Reiserückkehrer aus Risikogebieten würden nicht getestet, sondern blieben zu Hause. „Die Mengen an Testungen beanspruchen medizinisches Personal sowie Ressourcen, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden.“

Schon einen Tag vor der offiziellen Schließung vieler Läden wegen des Coronavirus ist in Frankfurt alles verlangsamt und teils verwaist.

Wege des Coronavirus könnte Deutschland bald eine Ausgangssperre verhängen. Wird es Ausnahmen geben? Was, wenn man dagegen verstößt? Alles, was wichtig ist.

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, spricht im Interview über Ausgangssperren, Grenzschließungen und gelebte Solidarität: „Vielleicht werden Ausgangssperren unumgänglich sein.“

Das Coronavirus hat auch paradoxe Auswirkungen: In der Schweiz schwächelt das Internet, weil offenbar zu viele Menschen wegen des Coronavirus zu Hause sitzen und Netflix schauen oder Playstation spielen. Droht der Netflix-Stopp? Und wie sieht es mit dem Internet in Deutschland aus?

Unterdessen bereiten sich die Kliniken in Hessen auf den Coronavirus-Ernstfall vor. Das führt zu OP-Absagen.

Die Restaurants in Frankfurt haben trotz Coronavirus noch geöffnet – aber warten fast vergeblich auf Gäste.

Forscher aus Frankfurt haben derweil ein neues Testverfahren entwickelt, das ein echter Durchbruch im Kampf gegen das Coronavirus sein könnte.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare