Currywurst für Ex-Kollegen

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„Bei 100 Millionen ist der Druck natürlich größer als bei 2,70 Euro.“ Angeblich hat sich Thomas Bauße, der früher millionenschwere und riskante Aktiendeals abwickelte, nie richtig als Banker gefühlt. Jetzt steht er profimäßig am Grill.

Frankfurt - Noch im vergangenen Jahr hat Thomas Brauße millionenschwere Aktien-Deals abgewickelt, heute legt der Ex-Broker für seine ehemaligen Kollegen Bratwürste in die Brötchen. Von Christian Ebner

Die „Frankfurter Worschtbörse“ am Messeturm ist derzeit der ungewöhnlichste Imbiss in Frankfurt, untergebracht in einem umgebauten Linienbus und geleitet von einem in der Krise gefeuerten Finanzexperten.

Ich war und bin kein Investmentbanker“, sagt der glatzköpfige Hüne, der von seiner Bude auf seinen alten Arbeitsplatz im 20. Stock des Messeturms blicken kann. Für die US-Handelsplattform Institutional Networks (Instinet) hat er zwölf Jahre lang gearbeitet, zuletzt als Deutschlandchef in der Abwicklungsabteilung.

Braußes Gehalt lag damals im sechsstelligen Bereich, sagt er, und am Jahresende gab es auch für ihn regelmäßig nette Boni. Damit war Ende vergangenen Jahres Schluss, als die Broker-Firma die Frankfurter Niederlassung mit einem Federstrich dicht machte. Wer nicht umziehen wollte, verlor seinen Job.

Der 44-Jährige ist ein Kumpeltyp, der schon immer beklagt hat, dass zwischen den ganzen Bankentürmen mit ihren Schickimicki-Bistros eine anständige Wurstbude fehle. Seit Jahren habe er mit dem Gedanken gespielt, sich damit ein zweites Standbein zuzulegen, erzählt der erdige Ex-Handballer.

Dass er in der Krise tatsächlich Ernst mit seiner Idee machte, hatten wohl die wenigsten der alten Kollegen erwartet. Vor allem die Geschäftspartner aus London hätten es nicht fassen können, erzählt Brauße. „Für Geld machst du wirklich alles“, habe ein Kumpel geschrieben. Er selbst habe kein Problem mit dem neuen Job. „Wenn mein Geschäftsplan aufgeht, brate ich für den Rest meines Lebens Würste“, sagt der Arbeitersohn, der sich angeblich nie wirklich als Banker gefühlt hat.

Bei 100 Millionen ist der Druck natürlich größer als bei 2,70 Euro“, zieht der Imbissbetreiber den Vergleich zu seinem alten Job. Dennoch will er sich mit gleicher Akribie jedem Detail der Wurstbraterei widmen: „Service und Qualität müssen dem Preis entsprechen. Dann kommen die Leute wieder.“

Basis der Geschäftsidee ist ein komplett zum Imbiss umgebauter Linienbus, den Brauße im Internet ersteigert hat. Recht clever scheint der Standort gewählt, denn neben den Banktürmen wachsen an der Messe neue Wolkenkratzer, die in den kommenden Jahren Hundertschaften hungriger Handwerker an der Worschtbörse vorbeiführen werden.

Vom Rohbau kämen allerdings bislang kaum welche rüber, berichtet der Budenchef. „Das sind Portugiesen. Die verdienen so wenig, dass ihnen meine Wurst zu teuer ist.“

Für die Banker hat Brauße seine Bude vergleichsweise luxuriös ausgestattet. Es gibt viel Chrom und Stahl, geschmackvolle Sonnenschirme und bald auch Kaffeespezialitäten. Brauße plant die Expansion und denkt über eine börsenspezifische Menükarte nach: „Currywurst DAX wäre die klassische, Nikkei die asiatisch-scharfe Version.“ Möglicherweise könne auch der Wurstpreis an die Aktien-Indizes gebunden werden.

Quelle: op-online.de

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