„Cyrano von Buffalo“ in der Komödie

Hoch explosive Konstellation

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Eheleute auf der Bühne und im richtigen Leben: Claus Helmer und Christine Glasner

Frankfurt - Ein 60. Bühnenjubiläum feiert man nicht einfach so: Eine furiose Vorstellung, in der man noch einmal alle Register seines Könnens ziehen kann, muss es schon sein. Von Maren Cornils 

Claus Helmer, Vollblutschauspieler, Regisseur und Direktor zweier traditionsreicher Frankfurter Theater, hat sich entschieden, den runden Jahrestag ausgerechnet mit „Cyrano in Buffalo“, einem Stück des US-Dramatikers Ken Ludwig, zu begehen – zu sehen in der „Komödie“ Frankfurt. An seiner Seite die nicht minder brillante Christine Glasner, Ehefrau des Künstlers. Stoff und Besetzung erweisen sich, das merkt man von der ersten Minute dieses temporeichen und zunehmend überdrehter werdenden Stückes, als hervorragende Wahl, denn Helmer zieht nicht nur als Regisseur die Fäden. Als George Hay, abgehalfterter Schauspieler und notorischer Frauenheld, brilliert er auch als Vollblutkomödiant.

George und Charlotte haben schon bessere Zeiten gesehen. Einst große Stars, tingeln sie im Jahr 1953 durch amerikanische Provinztheater und gehen sich ansonsten wie jedes alte Ehepaar gehörig auf die Nerven. Mit von der Partie: die schwerhörige, aber pfiffige Ethel (Lilo Ehret-Bachmann), Charlottes Mutter, „Mädchen für alles“ und einst selbst Schauspielerin. Eine Konstellation, die an sich schon explosiv ist, wären da nicht noch das blond gelockte Ensemblemitglied Eileen (Tiziana Turano), das von George schwanger ist, und Paul (Benedikt Selzner), früherer Verlobter von Tochter Pia (Katarina Schmidt), die nun nach Buffalo gereist ist, um ihren Eltern den biederen Wetterfrosch Howard (Gabriel Spagna) als Zukünftigen zu präsentieren.

Was für eine normale Komödie an Verwicklungen völlig ausreichend wäre, wird hier durch jede Menge Action und Nebenschauplätze getoppt. Denn ausgerechnet an dem Tag, an dem Charly von Georges Seitensprung erfährt und den Fremdgänger verlassen will, hat sich ein großer Hollywood-Regisseur angesagt, um sich das Ex-Traumpaar als mögliche Besetzung für einen Blockbuster anzuschauen. Dumm nur, dass George seinen Kummer in Hochprozentigem ertränkt hat und der schüchterne Howard unangemeldet ins Geschehen platzt und für den Regisseur gehalten wird.

„Cyrano in Buffalo“ ist eine komödiantische Sternstunde, wie gemacht, um Claus Helmer und Christine Glasner eine große Bühne zu bieten. Wenn sich die beiden bissige Wortgefechte liefern, Helmer sturzbetrunken über die Bühne torkelt und Glasner alles gibt, um den herrlich linkischen Howard zu umgarnen, bleibt kein Auge trocken. Neben diesem Duo zu bestehen, ist schwer. Zumindest Spagna und Ehret-Bachmann aber geling es mühelos. Mag das Stück auch einige wenige Längen haben, mit dieser Besetzung ist es ein Genuss. Bleibt zu hoffen, dass Helmer und seine Frau nach dieser Glanzleistung noch lange nicht ans Aufhören denken.

Quelle: op-online.de

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