Daddeln aus Leidenschaft

Wie Eltern und Kinder verantwortungsvoll mit Games umgehen

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Kein Konzert, kein Super Bowl, sondern das Finale der „Overwatch League“ in New York. Ende Juli entschied das einzige europäische Team der Liga, „London Spitfire“, das Duell gegen „Philadelphia Fusion“ im Team-Shooter-Spiel von Blizzard für sich. Preise: ein Pokal und eine Million Euro.

Frankfurt -  Fast 35 Millionen Deutsche greifen gern zu Joystick und Controller, sagt der Branchenverband Game. Etwa drei Millionen begeistern sich zudem für den sportlichen Wettkampf zwischen Zockern, den E-Sport.

Wie Eltern und Kinder verantwortungsvoll mit dieser Leidenschaft umgehen können, erklärt Yvonne Wagner von der Techniker Krankenkasse in ihrem Gastbeitrag.

Jugendliche sind sofort im Thema, wenn’s um Computerspiele geht. Nicht nur beim „klassischen“ Daddeln, sondern auch bei E-Sports, dem virtuellen Gegeneinander von Gamern bei Titeln wie „League Of Legends“ (Strategie), „Fifa“ (Fußball) oder „Overwatch“ (Team-Shooter). Mit Blick auf eine Branche mit einem Jahresumsatz von über drei Milliarden Euro (2017) allein in Deutschland ist nicht zu erwarten, dass diese Begeisterung bald nachlässt.

In vielen Familien löst die Zock-Leidenschaft Diskussionen aus, weil sich mancher Sprössling kaum von PC oder Konsole lösen mag. Rückenwind haben Enthusiasten in diesem Jahr von hoher Stelle erhalten: Die Regierung hat im Koalitionsvertrag festgelegt, E-Sport als Sportart anzuerkennen. Auch wenn der Deutsche Olympische Sportbund nun gegensteuert: Ein Ende des Trends ist unwahrscheinlich.

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Also: Wie begleiten wir junge Menschen auf dem Weg zum E-Sport? Wie kann die Gesellschaft Familien unterstützen, die digitale Balance zu halten – also digitale und analoge Welt ausgewogen nebeneinanderzustellen? Das ist keine leichte Aufgabe, denn bereits in der Grundschule ist cool, wer geschickt mit dem Controller hantiert. Diese Leidenschaft darf nicht darin münden, dass aus E-Sportlern Couch-Potatoes werden, die mit Übergewicht oder Sucht kämpfen. Ein Mittel, das dem entgegenwirken kann, ist eine gut ausgeprägte Medienkompetenz.

Da Kinder in Deutschland heute als „Digital Natives“ aufwachsen – sie kennen keine Welt ohne Internet – brauchen sie frühzeitig Hilfe, um sich in der digitalen Welt zu orientieren. Es ist unabdingbar, Angebote von der Kita bis zum Erwachsenenalter zu schaffen, damit die digitale Balance gelingt. Etwa mit einer Aktion wie DigiKids. Das Modellvorhaben der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen und der Techniker Krankenkasse ist ein Medienkompetenzprojekt für Kinder ab vier Jahren. In Frankfurt kooperiert DigiKids mit Kita Frankfurt, dem städtischen Träger von etwa 150 Kindertagesstätten. Motto: „Digital ist cool – analog erst recht“. Kinder, pädagogische Fachkräfte und Eltern probieren Medien aus, setzen sie kreativ sowie zielgerichtet ein und schalten sie auch wieder ab.

Ebenfalls begrüßenswert ist eine Initiative des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration: Beim Hessentag in Korbach hat Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) mit der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit bei der Medienkompetenzvermittlung getroffen. Darin geht es zwar vorrangig darum, dass digitale Medien zu Bildungszwecken sinnvoll eingesetzt werden sollen. Eine Auseinandersetzung auf verschiedenen Ebenen ist es aber, die notwendig ist, um Medienkompetenz zu schaffen.

Wer fit im Umgang mit digitalen Medien ist, weiß, wann es angemessen ist, zum Laptop oder zum Smartphone zu greifen. Und er weiß auch, wann es gut ist, sich sozialen, körperlichen und geistigen Ausgleich zu schaffen. Medienkompetenz bedeutet, zu verstehen, dass digitale Medien nur Mittel zum Zweck sind und nicht den Alltag kontrollieren dürfen.

Mit gutem Gespür für den Umgang mit digitalen Medien sind Kinder und Jugendliche auch für schulische und berufliche Herausforderungen gerüstet. Gefragt sind dabei auch Eltern und Erzieher, die bewusst mit Medien umgehen. Zum Beispiel, indem sie bei Gesprächen nicht dauernd aufs Handy schielen oder beim Abendessen E-Mails checken. Kinder brauchen Vorbilder, die medienkompetent auftreten.

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Wer den Umgang mit Game und Co gelernt hat, der versteht sofort, dass auch ein professioneller E-Leistungssportler nicht täglich zwölf Stunden zocken kann. Genauso wenig, wie sich ein Schwimmer zwölf Stunden am Tag im Wasser bewegt. Training braucht Erholungsphasen sowie unterschiedliche Reize – auch beim E-Sport. Ein Pro-Gamer kann nur erfolgreich sein, wenn er seinem Gehirn Pausen gestattet und ein Ausgleichstraining absolviert, um Konzentrationsschwächen oder Rückenbeschwerden vorzubeugen. Ganz abgesehen von einer ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährung.

Diese Haltung unterstützt der E-Sport-Bund Deutschland (ESBD). Damit das beim Nachwuchs ankommt, werden qualifizierte Trainer benötigt, für deren Ausbildung der Verband jüngst ein Konzept erarbeitet hat. Nun ist es an der Zeit, es umzusetzen. Auch mit Blick auf die jüngst veröffentlichte Studie der Weltgesundheitsorganisation, laut der sich 42 Prozent der Erwachsenen in Deutschland zu wenig bewegen. Eine gezielt aufgebaute Medienkompetenz kann helfen, dem entgegenzuwirken.

Adressen:

Law4school.de richtet sich an Schüler, Eltern und Lehrer weiterführender Schulen. Eine Rechtsanwältin spricht über Cybermobbing und gibt „Webinare“.

webcare.plus ist ein Projekt, das sich an Menschen wendet, die glauben, zu stark im Medienkonsum involviert zu sein. Es wurde von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen entwickelt.

Die Techniker Krankenkasse stellt unter tk.de den Infofilm „Jugend 3.0 – abgetaucht in Digitalien“ bereit, der Basis für reflektierten Dialog zum Thema Medienkonsum sein kann.

Quelle: op-online.de

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