Regionalverband: Software für Kommunen, die auf Solar, Bio und Wind umstellen wollen, hat Defizite

Dämpfer für FH-Energierechner

Frankfurt (mic) - Die Nutzung des von der Fachhochschule Frankfurt (FH) entwickelten Online-Re chners „Erneuerbar Komm“ hat einen herben Dämpfer bekommen.

Vorgestellt unlängst als Instrument, mit dem Kommunen ihr Potential an alternativen Energiequellen errechnen können, warnte nun der Regionalverband FrankfurtRheinMain davor, den Rechner als rechtssicheres Planungsinstrument anzusehen. Der Chef des Regionalverbandes, Heiko Kasseckert (CDU), sieht in den Projekt der FH lediglich einen „Beitrag für die Energiediskussion“.

„Die ungeprüfte Darstellung theoretischer Potenziale für erneuerbare Energieformen führt zu Irritationen und Fehleinschätzungen“, sagt Kasseckert jetzt. Der Verband sehe den Online-Rechner als Möglichkeit für kommunale Vertreter sowie interessierte Bürger, sich einen ersten Eindruck darüber zu verschaffen, wie sich kommunale Energieziele durch den Einsatz von Solar, Wind und Biomasse umsetzen lassen, und welche konkreten Flächenauswirkungen das habe. Nachteil des Programmes sei es, dass einfache statistische Grunddaten der Kommune mit Erfahrungswerten bereits umgesetzter Projekte und technischen Leistungsdaten kombiniert würden. Das geschehe allerdings unabhängig davon, ob dies die rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen im Einzelfall zulassen würden. Kasseckert weiter: „Der Rechner ist daher kein Planungsinstrument. Er liefert keine Aussagen zu einzelnen, konkreten Energieanlagen oder ihrer Verortung und ersetzt nicht die detaillierte und auf konkrete Flächen bezogene Analyse beziehungsweise Planung.“

So würden in den Kommunen bereits vorhandene Energieanlagen bei der Ermittlung der Potenzialflächen nicht einbezogen, obwohl damit diese Flächen nicht mehr zur Verfügung stünden und das tatsächliche Potenzial reduzierten. Darüber hinaus überschnitten sich die ermittelten Potenzialflächen teilweise: Grünland- und Ackerflächen können entweder zur Biomasseerzeugung genutzt werden oder als Standort für Solar-Freiflächenanlagen dienen, aber nicht für beides.

Der Online-Rechner differenziere an dieser Stelle jedoch nicht. Auch müssten rechtliche Aspekte beachtet werden. Die Anwendung des Online-Rechners könne daher lediglich eine erste grobe Entscheidungshilfe geben. Es seien zwei verschiedene Dinge, Solaranlagen zu fordern und sich auf der anderen Seite klar werden zu müssen, dass dafür in der eigenen Stadt eine mehr als 100 Fussballfelder große Fläche notwendig sei. Außerdem flössen größere Einzugsgebiete von Energieanlagen (Biomasse) oder Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen nicht in den Rechner ein, was eine Realisierung zum Teil unmöglich mache.

„Wir dürfen uns bei diesem ernsthaften Thema nichts vormachen, sondern müssen fundierte Grundlagen heranziehen“, so Kasseckerts Resumé. Der Verband sehe in dem Online-Rechner gleichwohl die Möglichkeit, den Umbau der Energieversorgung voranzutreiben. Man werde in Kürze seine Anwendung in den Kommunen der Region näher erläutern.

Quelle: op-online.de

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