Lieber gemeinsam als einsam leben

„Daheim – Bauen und Wohnen in Gemeinschaft“ im DAM

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Wo alle Türen offen stehen: Wohngebäude im Frankfurter Ostend Foto:

Frankfurt - Wohnen in Gemeinschaft liegt im Trend. Welchen Einfluss Architektur und Baukultur auf diese Entwicklung haben können, zeigt das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt in seiner neuen Ausstellung „Daheim – Bauen und Wohnen in Gemeinschaft“. Von Sebastian Schwarz

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, ihren Wohn- und Lebensraum mit anderen zu teilen. „Das gemeinsame Wohnen ist ein großes Thema als dritter Weg zwischen dem Erwerb einer Eigentumswohnung und von kommerziellen Anbietern bereitgestelltem Wohnraum“, erläutert Peter Cachola Schmal, Direktor des DAM. 26 Beispiele für das Gemeinschaftswohnen sind ab heute in der Ausstellung „Daheim – Bauen und Wohnen in Gemeinschaft“ in Frankfurt zu sehen. Man habe in der ganzen Welt Projekte gesucht und gefunden, sagt der Museumsdirektor.

Warum das gemeinsame Wohnen so beliebt ist, dafür haben die Kuratorinnen der Ausstellung, Annette Becker und Laura Kienbaum, eine Erklärung. „Dieser Trend ist eine Reaktion auf die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft, quasi eine Rückwärtsbewegung.“

Neu ist die Idee des Gemeinschaftswohnens indes eigentlich nicht. Den Grundgedanken gab es schon im 19. Jahrhundert. Die Umsetzung ist unterdessen gar nicht so einfach. „Es reicht nicht, einfach einen Gemeinschaftsraum zu bauen, um Verbundenheit zu schaffen“, bekräftigen Becker und Kienbaum. Damit das Modell funktioniere, komme es vor allem auf architektonische Feinheiten und den Willen der Bewohner an. „Es ist entscheidend, dass sie definieren, welchen Grad an Gemeinsamkeit sie wollen“, betont Annette Becker.

Wie eine erfolgreiche Umsetzung aussehen kann, zeigt die Schau mit ihren 26 Projekten. Einige davon haben die Macher der Ausstellung direkt vor ihrer Haustür gefunden. Zum Beispiel im Frankfurter Ostend, an der Hanauer Landstraße. Dort hat ein Architektenehepaar auf einem Gelände, das eigentlich als Erweitertungsareal für eine Schule vorgesehen war, ein Gebäude zum Zusammenleben gebaut. Zehn Wohneinheiten gibt es dort, mit einer Größe zwischen 43 und 210 Quadratmetern. Darin leben Singles, Paare, Groß- und Kleinfamilien im Alter von sechs bis 66 Jahren. „Dort stehen alle Türen offen, die Kinder düsen durchs ganze Haus“, erzählen die Kuratorinnen Becker und Kienbaum. Einmal wöchentlich veranstalte ein älteres Ehepaar ein Spaghetti-Essen für alle Kinder des Hauses. Und natürlich gibt es dort auch einen Gemeinschaftsraum, wo alle zusammenkommen können.

Auch Projekte aus fernen Kulturkreisen haben ihren Weg in die Schau gefunden, wie das Künstlerhaus in Yokohama. Vier Wohnungen gibt es in dem Bau für Kunstschaffende. „Wie in den japanischen Städten üblich, mit sehr wenig Raum“, merkt Schmal an. Nur rund 20 Quadratmeter ist jede der Einzimmerwohnungen groß. Dafür gibt es im Erdgeschoss des Gebäudes einen sehr großzügigen, offenen Gemeinschaftsraum, der als Küche oder Atelier genutzt werden kann. Die Menschen seien auf die gemeinsame Fläche angewiesen, sagt Schmal. Das Zusammenleben dort funktioniert gut. „Das liegt auch daran, dass die Japaner eine sehr homogene Gesellschaft sind.“

„Daheim – Bauen und Wohnen in Gemeinschaft“ bis 28. Februar 2016 im Deutschen Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag und Sonntag von 11-18 Uhr, Mittwoch 11-20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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