Dalai Lama in Frankfurt

„Einer von 7 Milliarden“

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Frankfurt - Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, hält eine Verständigung der Religionen für den einzigen Weg, die drängenden Menschheitsprobleme in den Griff zu bekommen. Von Axel Wölk

„Wir haben uns Probleme wie Kriege und Korruption selbst geschaffen“, mahnte der 78-jährige Friedensnobelpreisträger zum Auftakt eines viertägigen Aufenthalts in Frankfurt. Diese seit langem schwelenden Themen ließen sich durch größeren Respekt für Frieden und mehr menschliche Hinwendung lösen.

Der Dalai Lama hat ein vollgepacktes Programm. Er sprach außerdem am ersten Tag seines offiziellen Programms vor rund 4500 Anhängern in der nahezu ausverkauften Ballsporthalle Höchst zum Thema „Mitgefühl und Selbstbewusstsein“. Darüber hinaus wird er während seines Aufenthalts in der Paulskirche an einer Diskussionsrunde mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann teilnehmen. Dem Religionsführer liegt insbesondere der Kontakt zu Jugendlichen am Herzen. Deswegen wird er – ebenfalls in der Paulskirche – mit rund 800 Jugendlichen über Toleranz in der Schule diskutieren.

Bei dieser Veranstaltung wird der Dalai Lama auf den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) treffen. Zur Begrüßung des Tibeters vor versammelten Journalisten kam gestern lediglich Finanzdezernent Uwe Becker (CDU) in das Hotel Frankfurter Hof. Der Vertreter der Stadt hofierte immerhin den Friedensnobelpreisträger mit den Worten: „Wir fühlen uns geehrt, Sie hier als offiziellen Gast zu haben.“ Die chinesische Regierung übt regelmäßig Druck auf kommunale und Bundespolitiker aus, dem Dalai Lama die kalte Schulter zu zeigen. Auch für das Rhein-Main-Gebiet ist China ein immens wichtiger Handelspartner. In Hessen ist der Tibeter trotzdem traditionell stets willkommen. Der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gilt als enger Freund des geistigen Oberhaupts.

Dalai Lama zu Gast in Frankfurt

Dalai Lama zu Gast in Frankfurt

Der Dalai Lama kommt auf Einladung des Tibethauses im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Einen offiziellen Empfang in der Wiesbadener Staatskanzlei wird es unter Koch-Nachfolger Volker Bouffier (CDU) nicht geben. Der Dalai Lama betonte, wie wenig ihm an seiner eigenen Person liegt: „Ich nur einer von 7 Milliarden Menschen auf der Welt.“ Wie jeder andere Mensch auch wolle er ein glückliches Leben führen. Das gelte unabhängig davon, ob jemand Moslem, Christ, Buddhist oder Hindu sei. Als Mensch wolle er bei Leiden, die ihn wie die chinesische Repression schwer treffen, Liebe und Vergebung schenken sowie Hass und Ärger nehmen.

In diesem Sinne akzeptiere er auch die lautstarke Demonstration von rund 100 Tibetern vor dem Veranstaltungsort. Diese beklagten sich über die ablehnende Haltung des Dalai Lamas gegenüber der Verehrung des sogenannten Shugden-Geistes. Es handele sich um eine erleuchtete Gottheit, die zu einer der Hauptrichtungen des Buddhismus gehöre und zu der Buddhisten seit über 400 Jahren beten würden.

Quelle: op-online.de

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