A49 Proteste

Dannenröder Forst: Aktivistin stürzt von Baum in die Tiefe - Ermittlungen laufen

Die Polizei geht im Dannenröder Forst gegen Demonstranten vor. Derzeit halten Aktivisten den Dannenröder Forst besetzt und demonstrieren damit gegen den geplanten Ausbau der A49 und für den Erhalt des Waldstücks, das dem geplanten Ausbau zum Opfer fallen würde.
+
Bei der Räumung des Dannenröder Forst wurde erneut eine Aktivistin verletzt. Sie stürzte von einer Europalette.

Ein weiterer Zwischenfall bei der Räumung des Dannenröder Forst. Erneut ist eine Gegnerin des A49-Ausbaus aus einigen Metern zu Boden gestürzt.

  • Im Dannenröder Forst führt die Polizei weiter Räumungen der Baumhäuser von Aktivisten durch.
  • Die Aktivisten protestieren mit der Besetzung gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel.
  • Immer wieder kommt es zu Verletzungen, zwei Aktivistinnen stürzten bereits von Plattformen.

Update vom Samstag, 21.11.2020, 12:45 Uhr: Nachdem sich bereits am letzten Sonntag (15.11.2020) eine Aktivistin beim Protest gegen den Ausbau der Autobahn 49 durch einem Sturz schwer verletzte, hat sich der Vorfall am Samstag (21.11.2020) in ähnlicher Weise wiederholt. Die Frau soll aus etwa vier bis sechs Metern von einer Europalette zu Boden gestürzt sein, Rettungskräfte und ein Notarzt waren sofort zur Stelle und versorgten sie. Anschließend wurde die Aktivistin ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei hat Ermittlungen über die Absturzursache eingeleitet, Zeugen sollen sich bei den Beamten melden. Nach Informationen der hessenschau wurde der Unglücksort im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm inzwischen zum Tatort erklärt. Die für heute geplante Räumung wird deswegen in diesem Bereich unterbrochen.

Dannenröder Forst: Aktivistin stürzt von Plattform – Zeugin gibt Polizei die Schuld

Eine anonyme Demonstrantin im Dannenröder Forst sagte, dass mehrere Polizisiten auf ein markiertes Sicherungsseil getreten seien. „Da stand drauf: ‚Achtung, wenn Sie hier drauftreten, fällt ein Mensch runter‘“, erklärte sie. „Die Polizei ließ das Seil los und dann ist es gerissen.“

Update vom Montag, 16.11.2020, 13.29 Uhr: Es gibt neue Erkenntnisse zum Absturz einer Aktivistin im Dannenröder Forst. Die 20-Jährige war am Sonntag (15.11.2020) aus einem so genannten Tripod aus drei bis vier Metern Höhe auf den Waldboden gestürzt. Sie befindet sich in stationärer Behandlung, ist aber nicht lebensgefährlich verletzt. Die Polizei in Gießen teilt jetzt mit, dass ersten Erkenntnissen zufolge das Handeln eines Polizeibeamten den Sturz der Aktivistin ausgelöst hat. „Ein 40-jähriger Polizeibeamter, der sich etwa 30 Meter vom besagten Tripod entfernt aufhielt, entdeckte ein Seil auf Kopfhöhe. Dieses Seil war weder gekennzeichnet noch hatte es augenscheinlich eine erkennbare Verbindung mit dem besetzten Gebilde. Nach jetzigem Erkenntnisstand bestand jedoch tatsächlich eine Verknüpfung zwischen dem Seil und dem Tripod“, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Dannenröder Forst: Aktivistin stürzt bei Räumung

Der Polizist habe daraufhin das Seil durchgeschnitten, da in den Tagen zuvor mehrfach Fallen etwa in Form von Nagelbrettern oder Drahtseilen auf Kopfhöhe entdeckt worden seien. Man habe das Risiko minimieren wollen, dass sich jemand durch solche Fallen verletze. Der Polizeibeamte hat sich der Mitteilung nach am Sonntagnachmittag selbst bei den Ermittlern gemeldet. Gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft Gießen ein Verfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt eingeleitet. Der Polizei zufolge liegen bislang keinerlei Hinweise auf ein vorsätzliches Handeln vor.

Die Aktivist:innen im Dannenröder Forst stellen das Vorgehen der Polizei auf ihrem Twitter-Account etwas anders dar. Sie beschuldigen die Polizei, die Aktivist:innen täglich zu gefährden: „Täglich werden von Klettercops sicherheitsrelevante Strukturen zerschnitten, während sich Menschen daruf befinden. Diese Cops wissen, was sie tun und wie gefährlich die Folgen sein könnten. Sie tun es trotzdem“, heißt es auf Twitter. Sie machen die Einsatzleitung für etwaige Handlungen in diese Richtung verantwortlich und fordern einen Abbruch der Wald-Räumung sowie der Rodungen.

Die Polizei hat in den vergangenen Wochen immer wieder Waldbesetzer aus den Baumwipfeln und von Holz-Konstruktionen heruntergeholt. Nun ist bei den Protesten gegen die Rodung des Dannenröder Forsts eine Aktivistin abgestürzt.

Proteste im Dannenröder Forst spitzen sich zu: Aktivistin abgestürzt – Exkremente und Pyros geworfen

Update vom Sonntag, 15.11.2020, 17.55 Uhr: Nach dem Absturz einer Aktivistin haben Gegner der Rodungen im Dannenröder Forst einen sofortigen Stopp der Arbeiten für den Weiterbau der A49 zwischen Gießen und Kassel gefordert. Die Frau war nach Polizeiangaben am Sonntagmorgen (15.11.2020) aus etwa drei bis vier Metern Höhe auf den Waldboden gestürzt. Sie sei ansprechbar und werde medizinisch versorgt, sagte ein Polizeisprecher. Zur Schwere der Verletzungen und zum Alter der Frau konnte er zunächst nichts sagen.

Zwischenzeitlich protestierten nach Polizeiangaben etwa 120 Rodungsgegner an der Absturzstelle lautstark gegen die Polizei. In einer Mitteilung von Robin Wood hieß es: „Wir rufen die Landesregierung erneut auf, die Räumung und einhergehende Rodung mit sofortiger Wirkung zu stoppen, damit es nicht zu weiteren Verletzungen kommt.“

Dannenröder Forst: A49-Gegner machen der Polizei schwere Vorwürfe

Der Polizeisprecher widersprach Angaben von Rodungsgegnern, wonach Einsatzkräfte ein Sicherungsseil eines aus Baumstämmen gebauten Dreibeins (Tripod) durchtrennt hätten und dies zum Absturz führte. Nach Angaben der Polizei beobachteten Beamte den Sturz der Frau aus der Distanz und sorgten sofort für Erste Hilfe.

Die Beamten sperrten die Stelle ab, an der die Frau abstürzte, und nahm Ermittlungen zur Absturzursache auf. Auf Twitter mahnte die Polizei: „Bitte beteiligen Sie sich nicht an Spekulationen und Gerüchten. Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen.“

Protest gegen A49-Ausbau im Dannenröder Forst: Pyrotechnik gezündet, Kot geworfen

Am Samstag war bei Protesten im Dannenröder Forst erneut Pyrotechnik gezündet worden. Auch Steinwürfe gegen Beamte habe es gegeben, teilte die Polizei mit. Ein Mensch sei daraufhin festgenommen worden. Beamte seien zudem mit Farbbeuteln und Exkrementen beworfen worden. „Es wurden heute 42 Personen in Gewahrsam genommen“, gab die Polizei am Samstagabend (14.11.2020) bekannt. Zudem seien 35 Verfahren eingeleitet worden.

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) machte im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ wenig Hoffnung auf eine Änderung der Ausbaupläne: „Die Grünen im Bundestag haben 2016 gegen den Bundesverkehrswegeplan gestimmt; unter anderem wegen Autobahnprojekten wie der A49. Warum sollten sie jetzt ihre Haltung ändern? Über Bau oder Nichtbau einer Bundesautobahn wird nun mal im Bund entschieden“, sagte Al-Wazir. „Klar ist aber auch: In welche Richtung sich Verkehrspolitik in Deutschland entwickelt, darüber wird bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr entschieden.“

Dannenröder Forst: Viele Aktivisten festgenommen – darunter auch eine bekannte Umweltschützerin

Update von Donnerstag, 12.11.2020, 20:55 Uhr: Bei den Protesten im Dannenröder Forst hat es einige Festnahmen gegeben, auch die Umweltaktivistin Carola Rackete ist offenbar unter den in Gewahrsam genommenen, wie der Evangelische Pressedienst (epd) berichtete. Dabei bezieht er sich auf eine Aussage des Sprechers der Waldbesetzer. Die Kapitänin und Klimaschutzaktivistin Rackete erlangte 2019 internationale Bekanntheit, als sie vor der libyschen Küste mehr als 50 Schiffbrüchige an Bord der „Sea-Watch 3“ nahm und trotz eines Verbots in den Hafen von Lampedusa einfuhr, um die Geflüchteten und die Crew an Land zu bringen.

Insgesamt sei der Tag im Dannenröder Forst für die Polizei ruhig verlaufen, wie ein Polizeisprecher dem epd am Nachmittag sagte. Die Polizisten wurden lediglich mit Pyrotechnik angegangen, dabei kam aber niemand zu Schaden. Wie viele Aktivisten letztlich in Gewahrsam genommen wurden, ist unbekannt.

Update von Mittwoch, 11.11.2020, 15.38 Uhr: Die Polizei hat heute ihren Einsatz im Dannenröder Forst fortgesetzt, über 1000 Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet waren vor Ort. Der Aufbau des Logistikzentrums schritt voran, Baumaschinen wurden abgestellt und bewacht. Im nördlichen Teil des Waldes drang die Polizei weiter vor. Gestern erst hatten die Einsatzkräfte einen Teil der Barrikaden und Baumhäuser beseitigt, über Nacht errichteten die Waldbesetzer jedoch zwei neue „Tripods“. An diesen dreibeinigen Holz-Gestellen befestigten sich die Aktivisten mit Seilen und harrten in der Höhe aus. Mindestens eine Demonstrantin holten die Polizisten mit Hilfe einer Hebebühne von der Vorrichtung herunter.

Dannenröder Forst: Wald mit Nagelbrett und Stahlbolzen präpariert – Aktivist wird verletzt

Ein Aktivist hängt in den Bäumen des Dannenröder Forsts, dort hat sich gestern ein Demonstrant am Kopf verletzt.

Außerdem fanden die Einsatzkräfte ein Nagelbrett, das mit den Nägeln nach oben gerichtet auf dem Waldboden lag. An anderer Stelle hatten die Aktivisten Stahlbolzen an Baumstämmen befestigt. Zu drei Verhaftungen kam es, als Ausbaugegner versuchten, eine polizeiliche Absperrung zu durchbrechen. Dabei wurden sie lautstark von etwa 25 Gleichgesinnten angefeuert. Auch Autofahrer waren von den Protesten rund um den Dannenröder Forst betroffen: So war die B62 zwischen Niederklein und Lehrbach wegen Einsatzmaßnahmen zeitweise vollgesperrt.

Proteste im Dannenröder Forst: Demonstrant verletzt sich schwer

Die Bilanz des gestrigen Einsatztages im Dannenröder Forst liegt nunmehr auch vor: Ein Aktivist verletzte sich am Kopf. Nach Angaben der Polizei rutschte er beim Versuch, mit sieben anderen Demonstranten eine Baumaschine zu erklimmen, ab und stürzte. Die Polizisten leisteten erste Hilfe, der Verletzte befindet sich nun zur Untersuchung im Krankenhaus. Die Polizei nahm im Zuge der Protest-Aktionen 17 Umweltschützer vorübergehend in Gewahrsam. Es laufen acht Ermittlungs- sowie 15 Ordnungswidrigkeitenverfahren.

Dannenröder Forst: A49-Gegner werfen Pyros und Steine auf Polizei-Großaufgebot

Erstmeldung vom Dienstag, 10.11.2020, 12.31 Uhr: Homberg/Ohm – Jetzt wird es ernst im Dannenröder Forst. Am heutigen Dienstagmorgen (10.11.2020) ist die Polizei mit einem Großaufgebot in den Wald bei Homberg (Ohm) im hessischen Vogelsbergkreis eingerückt. Die Einsatzkräfte betraten auch eines der Camps der Waldbesetzer, die dort gegen den Ausbau der Autobahn A49 zwischen Gießen und Kassel protestieren. Angaben der Polizei zufolge bewarfen die Aktivisten sie mit Steinen und Pyrotechnik. Auf Twitter schrieben die Umweltschützer, der „Tag X“ sei gekommen. Sie wollen die anstehenden Rodungen im „Danni“ mit aller Macht verhindern.

Rodungen im Dannenröder Forst für A49-Ausbau: Heftiger Widerstand erwartet

Seit Anfang Oktober laufen die Arbeiten für den umstrittenen Weiterbau der A49. Schon Monate zuvor hatten sich die Umwelt- und Klima-Aktivisten in dem Waldgebiet bei Homberg eingerichtet. Im Dannenröder Forst sollen am Boden und in den Baumwipfeln dutzende Behausungen entstanden sein, teils mit Möbeln ausgestattet und vereinzelt sogar mit Solaranlagen. Ähnliche Lager sind aus dem Herrenwald bei Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf) sowie den Maulbacher Wald bei Homberg (Vogelsbergkreis) bekannt. Dort hatte die Baufirma Deges unter ständigem Polizeischutz erste Rodungen durchgeführt. Die Polizei räumte fast täglich Baumhäuser und Barrikaden und holte Aktivisten aus Bäumen. Immer wieder gab es kleinere Sticheleien und Protest-Aktionen, besondere Aufmerksamkeit erlangten die Autobahn-Blockaden.

Den heftigsten Widerstand erwarten die Polizisten nun im Dannenröder Forst, wo mit 27 Hektar die zweitgrößte Fläche gerodet werden soll.. Rund 400 Barrikaden sollen die A49-Gegner dort errichtet haben, darunter übereinandergestapelte Baumstämme, Äste mit Draht und Erdgruben „Wir werden dort jetzt im Bodenbereich schauen, welche Barrikaden und welche Behausung wir auch dort wegräumen können“, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. Zunächst einmal seien nur Arbeiten im Bodenbereich geplant. „Wir müssen immer wirklich von Stunde zu Stunde entscheiden, welche Maßnahmen sind möglich, wie richtet sich auch der Protest gegen uns und wie können wir da weiter vorgehen.“

Polizisten räumen am Dannenröder Forst einen Protest-Camp. Die Polizei sichert mit einem Großaufgebot die Rodungen für den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 gegen Aktionen der Ausbaugegner.

Räumung im Dannenröder Forst beginnt: A49-Gegner machen mobil

Die Räumung im Dannenröder Forst begann am Vormittag. Auf Baumhäusern in großer Höhe sowie Plattformen hielten sich Aktivisten in dem Camp auf. Vereinzelt waren Rufe zu hören, die sich gegen den Einsatz richteten „Wie die Proteste sich jetzt gestalten, müssen wir uns wirklich überraschen lasen. Wir haben jetzt natürlich schon einzelne Waldbesetzer, die sich in den Bereich unserer Maßnahmen begeben und da Widerstand leisten werden“, sagte eine Polizeisprecherin. Insgesamt waren mehrere Hundert Beamte aus ganz Deutschland im Einsatz. Im südlichen Bereich des Forsts wollte die Polizei einen Logistikbereich anlegen, im nördlichen Bereich sollten Gefahrenquellen identifiziert und beseitigt werden. Auf Social Media appellierten die Einsatzkräfte erneut: „Protest ja - Gewalt nein!“

Die Aktivisten machten derweil auf ihren eigenen Kanälen für den A49-Widerstand mobil.. Am Dienstag twitterte die Initiative „Wald statt Asphalt“: „Der Polizeieinsatz im #dannibleibt hat begonnen. Der Wald braucht euch jetzt! Schnappt eure Rucksäcke und Freund:innen - los gehts!“ In einem Video-Statement erklärte eine Sprecherin der Umweltschützer zu den Räumungen, sie würden „angegriffen“. Die Camp-Bewohner hätten eine „emotionale Bindung“ an den Wald und ihre „Art des Zusammenlebens“. Dass der „Danni“ getaufte Dannenröder Forst in Teilen für die A49 weichen soll, ist für sie ein Symbol für eine aus ihrer Sicht verfehlte Umwelt-und Verkehrspolitik. „„Wir werden jeden einzelnen Baum schützen!“, verkündete die Bewegung.

A49 Weiterbau: Start der Rodungen im Dannenröder Forst noch nicht terminiert

Nach aktuellem Stand waren am Dienstag laut Polizei logistische Arbeiten, aber noch keine Rodungen im Dannenröder Forst geplant. Die A49 soll einmal Nord- und Mittelhessen direkter miteinander verbinden. Insgesamt sollen für den neuen Streckenabschnitt rund 85 Hektar Wald weichen. Im Herrenwald wurde laut der Projektgesellschaft Deges bereits fast die gesamte vorgesehene Fläche von 49 Hektar gerodet. Im Maulbacher Wald waren es 3,5 Hektar. Im Dannenröder Wald sollen 27 Hektar gefällt werden. Auf etwa 750 Hektar sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geplant, um die Eingriffe in die Natur zu kompensieren.

Für den Lückenschluss der Autobahn besteht Baurecht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig lehnte im Sommer letzte Klagen gegen den Weiterbau ab. Die ersten Planungen für die A49 liegen bereits Jahrzehnte zurück. Gegner lehnen den Lückenschluss aus Klima- und Umweltschutzgründen ab, Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrsbelastung in Dörfern der Region und eine bessere Anbindung für Pendler und Unternehmen. (dpa/ag)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare