Ein Fön darf kein Leisetreter sein

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Heiße Luft im Labor: Ein Fön darf nicht zu leise sein, sonst trauen ihm die Verbraucher nicht viel zu.

Kronberg - Wie klingt der Fön am besten? Ist der Rasierer zu laut? Wo kommt das störende Geräusch bei dem Mixer her? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Wolfgang Brey fast täglich. Von Sabine Maurer

Der gelernte Maschinenbauer arbeitet in Kronberg im Geräuschelabor des Konsumgüterherstellers Braun, der seit vier Jahren zu Procter & Gamble (P&G) gehört. Er ist einer von 1 000 Forschern im „German Innovation Center“ (GIC) des Unternehmens.

Das GIC hat drei Standorte: Darmstadt, Schwalbach und Kronberg. In Darmstadt dreht sich alles um Haare, dort werden etwa Haarpflegeprodukte von Forschern, Friseuren und Konsumenten getestet. In Schwalbach geht es unter anderem um die Babypflege. Hier bekommen Mütter schon mal neu entwickelte Windeln mit und bringen sie am nächsten Tag gebraucht zurück.

In Kronberg beschäftigen sich die Forscher unter anderem mit Zahnbürsten, Rasierern, Fönen und Küchengeräten. Für das möglichst perfekte Geräusch ist Wolfgang Brey zuständig. „In der Regel muss es leise und informativ sein“, sagt er. So soll zum Beispiel ein Mann beim Rasieren hören, ob die Haut schon glatt oder noch stoppelig ist. Eine Ausnahme ist das Geräusch eines Föns. Es muss kräftig klingen und darf nicht zu leise sein, denn sonst trauen die Verbraucher dem Gerät nicht viel zu.

Zu den Fachmännern in Sachen Rasur gehört in dem Kronberger GIC Jürgen Geyer. An seinem Arbeitsplatz werden unter anderem Großaufnahmen von Bartstoppeln gemacht. Der Computer zeigt ihm jedes gewünschte Detail an. Zum Beispiel, dass eines der Haare 0,36 Millimeter lang ist und im Winkel von 29 Grad von der Haut absteht. Per Computer wird geschaut, wie gründlich, effizient und hautfreundlich ein Rasierer arbeitet. Die Tester müssen sich zum Beispiel die rechte und linke Gesichtshälfte mit unterschiedlichen Scherköpfen rasieren. „Bevor ein Produkt auf den Markt kommt, haben es mehrere 100 Probanden getestet“, erzählt Geyer, der sich für Forschungszwecke manchmal nicht zu Hause, sondern erst an seinem Arbeitsplatz rasiert.

Rund um Zähne dreht sich alles bei Dirk Markgraf und Reiner Engelmann. In ihrem Labor werden neue Zahnbürsten getestet. Mehrere Roboter putzen dort permanent blau eingefärbte Gebisse sauber. Die Farbe soll den Zahnbelag darstellen. Die Roboter putzen die Zähne nicht wie vom Zahnarzt empfohlen, sondern schrubben sie von rechts nach links. „Das machen auch die meisten Verbraucher so, und wir wollen hier ja die Wirklichkeit simulieren“, erklärt Markgraf. Auf einem Tisch stehen neue Produkte von Braun. So etwa eine Kinderzahnbürste, die beim Benutzen Musik macht.

Mit Produkten für die fernere Zukunft beschäftigen sich in Kronberg gleich mehrere Menschen im „Designer Future Lab“. Ihnen geht es um mögliche Konsumentenwünsche des nächsten Jahrzehnts. „Der Trend geht zu Produkten, die mehrere Sachen auf einmal können“, erzählt der Unternehmenssprecher Lars Atorf. „Zum Beispiel ein Rasierapparat mit integriertem After-Shave.“

Quelle: op-online.de

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