Thomas Reiter stellt Pläne der Raumfahrt-Agentur vor

Und immer wieder Rosetta

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Thomas Reiter präsentiert in Darmstadt ein Modell des Satelliten Sentinel-1. 

Darmstadt - Die Europäische Raumfahrt-Agentur (ESA) strebt in Richtung Mond und Mars. Darüber hinaus will sie die Weichen für einen Weiterbetrieb der Internationalen Raumstation (ISS) stellen. Von Axel Wölk

„Dass es in der Raumfahrt spannend bleibt, kann ich versprechen“, prophezeite ESOC-Direktor Thomas Reiter in seiner Jahresvorschau. Auch Monate nach der erfolgreichen Rosetta-Landung auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko kommen aus dem ESA-Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt zahlreiche Impulse für die Raumfahrt. Bei einer möglichen Mondmission will Reiter insbesondere die Polkappen des Erdtrabanten untersuchen. Mit der russischen Partnerorganisation Roskosmos seien Fluggelegenheiten ab 2018 denkbar. Für einen Vorstoß zum Mars ist Reiter nicht ganz so optimistisch. Immerhin soll die Erkundung des roten Planeten über die Raumsonde Exomars weiter vorangetrieben werden.

Der ehemalige Astronaut Reiter schwärmte geradezu von Alexander Gersts Aufenthalt auf der ISS im vergangenen Jahr und dessen Werbung für das Weltall. „Er war unglaublich präsent“, kommentierte Reiter. Gleichzeitig freut sich der gebürtige Neu-Isenburger auf den im September startenden Kurzaufenthalt des Dänen Andreas Mogensen auf der ISS. Wann es wieder einen Deutschen im All geben wird, ist völlig offen. In diesem Jahrzehnt gebe es für die Europäer noch zwei Plätze. Neben den Deutschen interessierten sich auch die Italiener dafür.

Neue Chance für Philae

Große Hoffnung setzen der für die Rosetta-Mission Verantwortliche Paolo Ferri und sein Team auf den Mai. Dann könnten sich die Batterien des Lander Philae wiederaufladen und das Modul doch noch einmal wichtiges Material senden. Das Ziel: Ferri will Proben einsammeln und analysieren lassen. Im Juni soll darüber entschieden werden, ob die Mission bis Ende des Jahres 2016 verlängert wird.

Weitere Highlights werden die Starts von mehreren Galileo-Satelliten zur Navigation sein. Auch zwei Satelliten zur Erdbeobachtung sollen ins All. Im Juli startet der Lisa Pathfinder. Die Forscher erhoffen sich von ihm Aufschlüsse über Gravitationswellen. Reiter und seine Mitarbeiter arbeiten auch weiter an Missionen zur Erkundung der Jupiter-Eismonde. Zurzeit werden aus der Rhein-Main-Region 14 Satelliten betrieben. Gegen Ende des Jahres dürften es dann 17 sein.

Ein großes Thema ist das Weltraumwetter. Gaswolken von der Sonne sind nicht nur eine Gefahr für Satelliten, sondern auch für die Strom- und Telekommunikationsnetze auf der Erde. Die ESA könnte bald einen Satelliten ins All schicken, der diese Sonnenstürme entdeckt und rechtzeitig davor warnt.

Große Sorgen bereiten dem ESOC-Direktor die aufgebrochenen Ost-West-Konflikte. Immerhin tröstet er sich: „Auf den Betrieb der ISS hat das bisher keine Auswirkungen.“ Die vielen neuen privaten Weltraumunternehmen begrüßt Reiter ausdrücklich. „Wir sind sehr froh, wenn Satelliten billiger werden.“

Quelle: op-online.de

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